Full text: Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

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der knecht nam Rebecca an und zoch hin 1. Mos.24, 61; 
haben angenomen andere götter 1. Kön. 9, 9; diener, 
arbeiter annehmen; wir nebmen ihn als bedienten, zum 
bedienten an; wil euch annemen zum volk 2. Mof. 6,7; 
so nehmet auch mich zum genossen an! Schiller 
Bürgsch.; so nemet mich an als einen törichten 2. Cor. 
11, 16; einen wieder zu gnaden annehmen; weil sie 
keinen mann von seiner hand annehmen wollte Lessing 
Minna 4, 7. 3) sich aneignen, als Eigenschaft, Zuge- 
hörigkeit, inneres Gut, in mehrfacher Weise, einen namen, 
titel; er hat scit einiger zeit eine unart angenommen; 
er nahm den schein an, als wolle er fliehen; Sie müuszten 
jetzt wieder eine ganz neue schreibart annehmen Gellert 
4, 174; alle gestalten anzunehmen Wieland Ag. 10,4; 
der minister ist geschwind schon ein kameleon gewor- 
den und nimmt alle wodefarben an Heinse Ardingh. 
2, 222; indem das auftreten desselben .. eine nahezu 
antipreuszische fürbung annehme Preußen i. B. 1, 53; 
bei Färbern von Zeugen, dieser stoff nimmt die farbe 
sohwer, jener gern an. Das Part. angenommen im Ge- 
gensatz zu eigen von Natur, daher wie unecht, milder als 
falsch: mit angenommener verwunderung Wieland Ag. 
10, 4; antwortete ich mit angenommener kälte Goethe 
W. Meister 6; dasz die unzufriedenheit . eine ange- 
nommene ist renßen i. B. 1, 99; unter angenommenem 
namen reisen. 4) sich aneignen, als geistigen Besitz, 
bcherzigend, lehre, vernunft, verstand; nim an weisheit, 
Dnim an verstand Spr. Sal. 4, 5; nim an meine rede 10; 
ähnlich zucht (8, 10), strafe (15, 5), lehre (Sir. 51, 36), 
gottes wort (Marc. 4, 20) u. a.; mit perfönl. Dat. nimm 
dir das an, zu Herzen; du muszt dir das nicht so sehr 
annehmen (etwa einen Vorwurf, Tadel). In Bezug 
auf geistiges Verständnis, etwas für spasz, bittern ernst 
annehmen; auf Voraussetzen und Zulassen, wir wollen 
das als richtig annehmen; nehmen wir an, dein wunsch 
sei erfüllt; angenommen, es sei richtig, was du sagst. 
5) sich annehmen in älterer Spr. wie sich anstellen, den 
Schein geben (vgl. oben 3): so wil ich mich annehmen, 
ich sei todt Pauli Schimpf; das sich Angliana einer 
krankheit annam Wickram Goldfad. Eb. 6) anders 
sich annehmen eines dinges (oder mit Ins. und zu) sich 
um etwas kümmern, damit befassen: alteu weip, die 
sich vil weishait an nement Megenberg 107; ketzer, 
die sich . an all weih an nement peiht ze hæœren 217; 
nemen sich keins regicrens noch strafens an Baruch 
6, 54; nem dich eins ämtlins an Garg. 86; nam ich 
mich an, die schaf- und kuhkutteln . fern binweg 
zu schleilen Simpl. 1,169; mit um: niemand (hat) sich 
drumb angenomen Luther 8, 11b; gute köpfe, die 
sich um das wohl unsers theaters annehmen Schiller 
3, 594 x mit Gen. der Person, sorgen für einen: wil ich 
mich gnediglich annemen der gefangenen Jer. 24, 5; 
sich eines bedurftigen annehmen Frisch; ich bitt euch, 
nehmt euch meiner an! Goethe Faust I. — annehmlich, 
was anzunehmen ist, in älterer Spr. lieblich, angenehm 
(mhd. annsme): eine annehmliche stille Zesen Ros. 2; 
ein suge annemliche nacht Simpl. 4, 120; und noch 
bei Goethe von dieser annehmlichen dirne 10, 255; 
dann und noch jetzt wie annehmbar: er soll vorschläge 
thun die annehmlich sind Egm. 2; ein annehmlicher 
aunehmlich — anordnen. 
sich, das treflliche, 
preis. — Annchnmlichleit, k., gewöhnlich nach der älteren 
Bed. von annehmlich: wir können von seiner nähe uns 
nur vortheil und annehmlichkeit versprechen Goethe 
Wahlverw. 1, 1; alle annehmlichkeiten der neuhcit 
Wieland Ag. 5,7; von körperlichen Reizen: eine natur- 
Uche folge der annehmlichkeiten ihrer person Sylv. 5, 13. 
Annoch, verstärktes noch (betont änndch und annoch), 
gern im 17. 19. Ih.: das soll die probe sein, wenn ihr 
im tode annoch teste stehet Schiller Ränb. 5, 1; zu 
der bluhonden braut, die annoch ihr thränendes antlicz 
trocknete Voß Luife 3, 1,394. — anordnen, ordnend 
bestimmen, eine reihenfolge; gebete für den landesherrn; 
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sie wuszte anzuordnen, ohne dasz sie zu befehlen schien 
Goethe Wahlverw. 1,6; ordnend zufügen: im ernsten 
beinhaus wars, wo ich beschaute, wie schadel scha- 
deln angeordnet paszten auf Schillers Schädel. — An- 
ordner, m. der da ordnend bestimmt. — Anordnung. K. 
Handlung des Anordnens. 
Aupacken, packend ergreifen, im 17. Ih. wie rauben, 
stehlen: der jenige matrose, so sein buch und 30 du- 
oaten angepacket Simpl. 2,258; eine jungfer anpacken, 
rapere virginem Stieler; dann wie kräftiges An- 
fassen: der hund packt die leute an Steinbach; hat 
michs doch angepackt wie der schwindel Schiller 
Ränb. 5,1; in heutiger derber Rede einen auf der strasze 
anpacken, zudringlich anreden. — anpassen, 1) intranf. 
passend fein: der schuch passt mir nicht an Stieler; 
der harnisch, der des pygmäen schmüchtigen körper 
Zzwingt, sollte der einem riesenleib anpassen mussen? 
Schiller Fiesko 3, 2. 2) trans. passend machen: das 
musikstuck . der spielart Eduards anzupaseen Goethe 
Wahlverw. 1, 8; in einer den ansichten des herrn von R. 
angepassten historischen darstellung Preußen i. B. 1, 48; 
als Gewerbswort der Schneider und Schuster einem ein 
kleid, ein paar schuhe anpassen. — anpflanzen, mit 
Pflanzen besetzen, gärten, wälder; kartoffelkraut statt 
meiner blumen angepflanzt Eichendorff Taugen. 136; 
bildlich: alle diese fertigkeiten, kunsttriebe sind. 
in dem menschen angepflanzt und entwickelt worden 
Schiller 9, 89.— aupinseln, mit dem Pinfel anstreichen, 
einc wand; eine geschwulst mit jod. — anpochen, start 
anklopfen, an ein baus; umbgaben dus haus, und pochten 
an die thur Richt. 19, 22. — Anprall, m. heftiger An- 
stoß. — anprallen, heftig anstoßen: der stein prallt an 
die mauer an, auch freier die sonnc an die wand; un- 
gestümer prallen die fluthen an Schiller Semele; 
früher anbrellen Stieler, anprellen Rabener; wo 
der teufel bei mir angeprellt Ho Kleist zerbr. Kr. 11, 
das noch jetzt mundartlich lebt. — anpreisen, preifend 
anempfehlen, waren. — anpressen, heftig andrücken, ein 
tuch an die wunde. — anprobteren, zur Probe antegen, 
einen neuen rock, schuhe; der schneider probierte ihm 
den anzug an; vgl. anversuchen. — anpumpen, einen 
borgend angehen, in studentischer (schon 18. Ih.) und 
derber Rede; bat mich um 10 franes angepumpt Keller 
Seldw. 2, 106. — anputzen, mit Putz schmücken, kind, 
puppe; ich will Sic wie eine prinzessinn anputzen 
Gellert kranke Fran 20. 
Auranken, rankend klammemn, das epheu rankt sich 
an dem baume oder an den baum an; so rankt das edle 
mit seinen thaten an das leben an 
Schiller Huld. der Künste V. 137. — anranzen, schel- 
tend anfahren, in derber oder grober Rede, einen wegen 
eines verschens; studentisch auch bloß ansprechen um 
Auskunst oder Hilfe: er hat seinen alten um zuschusz 
angeranzt. — anrasseln, rasselnd ankommen: kam der 
wagen langsam angerasselt Freytag Soll 2, 375. — 
auraten, ratend empfehlen, einem etwas; er räth den 
frieden an Steinbach; zum mindsten ist den kandi- 
daten des geisterstandes kaltes blut und eile lang- 
sam! anzurathen Wieland Aspasia; ich rieth dir an, 
das urtheil unvollstreckt zu lassen Schiller M. Stuart 
, 6; maszregeln anzurathen, die er haszt Freytag 
Journ. 1, 1. Subst. Inf. (statt des älteren anratung): 
auf anrathen unsers fübrers Goethe 16, 255. — au- 
rauchen, 1) mit Ranch beziehen, ein glas; dasz das 
sonncnlicht durch ein angerauchtes glas roth erscheine 
Goethe 54, 115; ein angeraucht papier Faust 1; du 
alte rolle, du wirst angeraucht, so lang an diesem 
pult die trube lampe schmauchte ebd.; jetzt wegen 2 
ungewöhnlich. 2) beginnen zu rauchen, eine eigarre; 
durch Rauchen für weiteres brauchbar machen, eine pfeie, 
einen pfeiftenkopfr die meerschaumspitze raucht sich 
gut an; scherzend und ironisch, der knade raucht sich 
Anordner — anrauchen.