Full text : Deutschland und der Weltkrieg.

 

 

Deutschlands  Stellung  in  der  Weltwirtschaft  95

 

horchen  und  Befehlen  gleich  geschulten  Unteroffiziere  unserer  Groß—
industrie.

Ohne  Oissziplin  sind  auch  die  hervorragendsten  Führer  nicht  imstande,
viele  wirksam  einem  einheitlichen  Zwecke  dienstbar  zu  machen.  Die  Kraft
ihres  Willens  wird  dann  zermürbt  in  endlosen  Reibungen,  und  der
Gedanke  erstirbt,  ehe  er  zur  Tat  gereift  ist.  Eine  disziplingewohnte  Menschenmenge
  dagegen  ist  eine  leicht  knetbare  Masse.  Sic  bedarf  nur  der
formenden  Hand  eines  schöpferischen  Künstlers.  Aichts  verkürzt  den
Weg  vom  Gedanken  zur  Tat  und  erweitert  damit  den  Machtbereich
des  menschlichen  Willens  so  wirksam,  wie  diese  Eigenschaft  verständnisvoller
  Unterordnung,  welche  das  Wollen  vieler  aus  lähmendem  Widerstreit
  zu  geeinter  Kraftleistung  erhebt.  Ein  disziplingewohntes  Volk,  das
zugleich  gebildet  und  kräftig  ist,  ist  daher  ohne  weiteres  auch  ein  Volk
von  Organisatoren.  Als  solches  hat  das  deutsche  Volk  in  allen  Zweigen
des  Heerwesens  und  in  allen  Zweigen  des  Wirtschaftslebens  —  in  der
Landwirtschaft  und  Industric,  in  Handel  und  Verkehr  —  sich  erwiesen.
Im  Frieden  standen  die  das  Volk  umspannende  Hceresorganisation  und
der  nicht  minder  stattliche  Ban  unseres  Wirtschaftslebens  zusammenhanglos
  und  oft  auch  verständnislos  nebeneinanderz  nichts  ist  auf  deutscher
  Seitc  in  dem  heutigen,  das  Volksleben  in  allen  Teilen  weit  stärker,
  als  früher,  erfassenden  Kriege  kennzeichnender  und  gewaltiger,  als
daß  sie  sich  in  engster  Zusammenarbeit  zu  einer  unüberwindlichen
Einheit  zusammengefügt  haben.  Aicht  ein  starrer  und  der  Vergangenheit
  angehöriger  „Militarismus“,  sondern  ein  lebensvoller  und  zukunftsreicher
  Organisationsgedanke  erringt  uns  den  Sieg.  Statt  ertötet
  zu  werden,  wird  er  zu  vorbildlicher  Kraft  noch  weiter  erstarken.

I.

Wie  der  Organisationsgedanke  auf  militärischem  Gebiet  uns  durch
die  NAot  unserer  Lage  und  unserer  Vergangenheit  aufgezwungen  worden
ist,  so  ist  er  auch  auf  dem  Gebiet  des  Wirtschaftslebens  aus  Lebensnotwendigkeiten
  unseres  Volkes  erwachsen.

Politisch  konnten  wir  den  uns  vom  Schicksal  zugewiesenen  gefährdeten
Posten  nur  ausfüllen,  wenn  wir  die  Volkskraft  nicht  zersplitterten,  sondern
  sie  einheitlich  zusammenfaßten,  ziffernmäßig  steigerten  und  sorgsam
  schulten;  die  mit  Hilfe  der  allgemeinen  Wehrpflicht  durch  Begründung
  des  Deutschen  Reiches  endlich  errungenc  machtvolle  Einheit  erwies
  sich  aber  andererseits  als  stärkste  Triebkraft  zu  weiterem  Wachstum.
  Unmittelbar  nach  dem  Kriege  von  1870/71  schnellte  die  Geburtenzisfer
  zu  ungewöhnlicher  Höhe  herauf,  was  für  unsere  Weiterentwick-