Zeichen, daß die Billigkeit einer solchen Unterstützung des Landesherrn als unumgängliches
Erforderniß des Gemeinwohls angesehen wurde.
Joachim Friedrich bedurfte dieser Geldunterstützungen um so mehr, da jetzt
der Augenblick immer näher kam, wo die Mitbelehnung Joachim's II. in Betreff
des Herzogthums Preußen für das Kurhaus praktische Folgen haben sollte.
Nach dem Tode des Markgrafen Georg Friedrich hatte nämlich keiner ein näheres
Recht auf die Vormundschaft des blödsinnigen Herzogs Albrecht Friedrich, als
der Kurfürst von Brandenburg; denn abgesehen von dem Anfall des Herzogthums
nach dem Erlöschen des dortigen Mannsstammes hatte auch sein aältester
Sohn, der Kurprinz Johann Sigismund eine Tochter des Herzogs Albrecht
Friedrich zur Ehe, ja er selbst hatte sich nach dem Tode seiner Gemahlin mit
einer jüngeren Schwester seiner Schwiegertochter vermählt. Der Kurfürst verlangte
daher vom Könige von Polen die eventuelle Belehnung mit Preußen,
so wie seine Einwilligung zur Uebernahme der vormundschaftlichen Regierung.
Jedoch waren die polnischen Stände damit nicht einverstanden. Abgeneigt gegen
alle gewaltsamen Maßregeln, suchte Joachim Friedrich durch Unterhandlung zum
Ziel zu gelangen, und erreichte auch in der That wenigstens so viel, daß ihm
die vormundschaftliche Regierung des Herzogthums überlassen wurde. Deshalb
reiste er 1605 nach Preußen, allein seine Bemühung, auch das Lehnsverhälmiß
vollkommen zu regeln, blieben fruchtlos.
Seine vielverschlungene Verwandtschaft aber mit dem Herzoge Albrecht
Friedrich stellte für das Kurhaus andere wichtige Erwerbungen in Aussicht.
Nämlich seine so wie seines Sohnes Schwiegermutter war die älteste Schwester
des Herzogs von Kleve, und wie man von brandenburgischer Seite unbedingt
annahm, eventuelle Erbin des Herzogs. Allein die Parteien standen damals
in Deutschland zu schroff einander gegenüber, als daß man auf die Geltung
des bloßen Rechtes hätte vertrauen können; überdies gab es auch noch manchen
anderen Bewerber um die reiche Hinterlassenschaft. Mit einem derselben,
dem Kurhause Pfalz, suchte man durch Verabredung einer Ehe gütliches Abkommen
zu vermitteln; gegen eifersüchtigen Widerspruch von Seiten der katholischen
Partei sollte ein Bündniß mit den Generalstaaten dienen, welche jedenfalls
einem Protestanten die Erbfolge in dem wichtigen Nachbarlande zu sichern
bereit waren.
In kirchlichen Angelegenheiten folgte Joachim Friedrich ganz und gar der
streng lutherischen Richtung seines Vaters. Da noch immer in der Mark über
manche Reste katholischer Gebräuche, welche man in den damaligen leidenschaftlichen
Controversen mit dem Schimpfworte Affen= und Pfaffenwerk bezeichnete,
geklagt wurde, so gab der Kurfürst sogleich nach der Regierungsübernahme
zwei Räthen und sieben Theologen den Befehl, zu untersuchen, was noch
in Cultusangelegenheiten zu bessern wäre. Ihr Bericht zeigt, daß man viel
vom Alten beibehalten hatte, denn auf ihren Vorschlag wurden die Mariens,
Apostel- und Heiligenfeste um 54 vermindert, die Prozessionen, das Schlagen