Metadata : Kriegführung und Politik.

326  X.  Ergebnis.

Verlangte  die  Lage  eine  verteidigungsweise  Kriegführung,  so
war  zu  entscheiden,  ob  auszuweichen  oder  die  Schlacht  anzunehmen
war.  Die  strategischen  und  namentlich  die  taktischen  Entschließungen,
die  hier  zu  fassen  waren,  gestalteten  sich  besonders  schwierig.

Die  9.  Armee  wich  1914  dem  Kampf  in  Südpolen  aus.  Ebenso
wurden  1917  die  Truppen  aus  dem  vorspringenden  Bogen  der  Westfront
  in  die  Siegfriedstellung  zurückgeführt.  Es  sind  dies  in  ihren
Folgen  schöne  und  gelungene  Kriegshandlungen  gewesen.

In  der  Regel,  vor  allem  wenn  kein  Raum  zum  Ausweichen
vorhanden,  war  das  Halten  der  Stellung  geboten,  zumal  dann,
wenn  die  Aussicht  bestand,  den  feindlichen  Angriff  abzuweisen.
Dabei  war  zu  erwarten,  daß  die  feindlichen  Verluste  um  ein  so  Vielfaches
  die  eigenen  übertrafen,  daß  sie  in  den  Kauf  genommen
werden  mußten.  Auch  die  Kräftigung  der  kriegerischen  Tugenden
sprach  für  ein  Halten  der  Stellungen.

Wie  beim  Angriff,  so  war  in  der  Verteidigung  die  Rücksicht
auf  Verluste  in  Einklang  zu  bringen  mit  der  Wirkung  auf  den
Feind.  Das  Ziel  blieb  der  Sieg  im  Angriff.

Der  Rückzug  im  Spätsommer  1918  hatte  den  Zweck,  dem  Feind
noch  die  eigene  Stärke  zu  zeigen  und  ihn  müde  zu  machen.

Die  Taktik  entsprach  den  Anforderungen  der  Strategie.

Bevor  ich  das  rein  militärische  Gebiet  verlasse,  will  ich  das
deutsche  Volk  und  seine  militärischen  Führer  an  die  Worte  erinnern,
die  Graf  v.  Schlieffen  1905  in  seiner  Einleitung  zur  fünften  Auflage
des  Werkes  „Vom  Kriege“  ausspricht:

„Für  Clausewitz  steht  der  Krieg  unter  dem  höchsten  Gesetz,
der  Waffenentscheidung...  Diese  Lehre  hat  uns  nach  Königgrätz
und  Sedan  —  und  ich  setze  hinzu:  nach  Tannenberg,  nach  vielen
Siegen  auf  allen  Kriegsschauplätzem  und  dem  Endsiege  zu  —
geleitet.

„Schon  einmal  hat  ..  ..  das  Buch  »Vom  Kriege  sehr  wesentlich
  dazu  beigetragen,  in  unserem  Offizierkorps  den  Gedanken  des
wahrhaftigen  Krieges  lebendig  zu  erhalten.  Möge  der  neuen  Auf—