Verbürgung einer Frau durch Wechsel. 15
Frauen eine Bestimmung, durch welche denselben die ihnen im
bayerischen Landrechte verliehenen civilrechtlichen Begünftigungen
entzogen worden find
Es haben auch bereits mehrere deutsche Gerichtshöfe in
den von ihnen erlassenen Erkenntnissen sich dahin ansgesprochen,
daß die a. d. WO. die Anwendbarkeit des Cs.
Vellej: bei Wechselgeschäften der Franenspersonen nicht ausschließr,
daß vielmehr bei der Beurtheilung in jedem Falle
die besonderen bestehenden partikularrechtlichen Bestimmungen
zu berücksichtigen seien, und daß von Frauensperfonen in
Krast der ihnen durch den Vellejanischen Rathschluß verliehenen
ekvilrechtlichen Befugniß der Rechtsbestand einer vertragsmäßig
übernommenen Bürgschaft in einem besonderem
Verfahren mittels einer Nachklage geltend gemacht werden
könne. Vergl. Seuffert, Archiv Bd. XII Nr. 191 S.257
und 262; Bo. XVIII Nr. 41 und 415; Zeitschrift f. GG.
u. Rpfl. Bd. X S. 220 Note 5.5). «
Durch Zutassung einer derartigen Nachklage wird die
den Frauenspersonen im Art. 1 der a. d. WO. gewährte
5) Die preuhischen Gerichte wenden den Grundsatz an,
daß gegen die Rechtsgiltigkeit einer von Seite einer
Frauensperson durch Wechselausstellung übernommenen
Verbindlichkeit ein Einwand aus den Bestimmungen
des Civilrechtes über Interzessionen der Frauenspersonen
überall nicht, selbst nicht dem ersten Wehselehmer
gegenüber, entnommen werden könne. Vergl. Seuffert,
Archiv Bd. XII S. 261; Bd. VII S. 268
Note 1; Bd. XIV Nr. 60 S. 90.
Die Oerichte zu Darmstadt und Dresden
lassen die crceptio ex 8C. Vellej. unbedingt, das Obertribunal
zu Stuttgart und das O#s. für Frankfurt
wenigstens dem unmitt henten gegenüber
zu; ebenso Renaud, Lehrb. S. 202 Note 13.
Auch dos OAG. zu Rostock läßt die Einrede zu, wenn
sie dem Wi. als gliger Hgegengeseg wird.
Feitschr. f. GG. u. Rpfl. Bd. X S. 220 Note 5.
n Arhi Bd. ulni Nr. 41“ S. 66. —
Das Ouc. zu Cafssel läßt die Einrede gegen jeden
Wechselinhaber zu, welchem bei dem Uebergange des
Wechsels auf ihn bekonnt war, daß die Frau durch
das Accept in der Wirklichkeit eine ihr fremde Schuldverbindlichkeit
übernommen und solchergestalt gesetzwidriger
Weise *- zabe. Seuffert, Archiv
Bd. XIX Nr. 184 S