108 Naos NVeuische Reich und seine einzelnen Glieder. (Juni 3.—8.)
vierte Teil allein auf das Ruhrgebiet entfällt, ferner Oberschlesien und das
Saargebiet erhebliche Anforderungen stellen.
3. Juni. (Preußen.) Anläßlich der ihm über den Saatenstand
in den östlichen Provinzen zugegangenen bedrohlichen Nachrichten
ersucht der Ministerpräsident Graf von Bülow die Minister
des Innern, der Finanzen und für Landwirtschaft, alsbald eine
gemeinsame Bereisung der gefährdeten Bezirke vorzunehmen.
4. Juni. (Berlin.) Es findet eine geheime Beratung über
die Zollpolitik unter höheren Beamten des Reiches und der größeren
Bundesstaaten statt.
Die „Nordd. Allg. Ztg.“ berichtet darüber: „Außer dem Reichskanzler,
der in Begleitung des Geheimrats Freiherrn v. Wilmowsli erschienen
war, nahmen folgende Herren daran teil: für das Reich: Staatssekretäre
des Innern Graf Posadowsky, Direktor Wermuth, die Geheimräte
Wolffram und Van der Borght, Staatssekretär des Reichsschatzamts Freiherr
v. Thielmann, Unterstaatssekretär v. Fischer, Geheimrat Blau, Staatssekretär
des Aeußern Freiherr v. Richthofen, Unterstaatssekretär Dr. von
Mühlberg, Direktor Dr. v. Körner, Geheimrat Dr. Johannes; für Preußen:
Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben, Geheimrat Rodatz, der Landwirtschaftsminister
v. Podbielski, Geheimrat Dr. Kapp, Handelsminister Möller,
Geheimrat Lusensky; für Bayern: Finanzminister Freiherr v. Riedel, Minister
des Innern Freiherr v. Feilitzsch, Ministerialrat Höchstetter, Oberregierungsrat
Brettreich; für Sachsen: der Minister des Innern v. Metzsch-Reichenbach,
Finanzminister v. Watzdorf und die Geheimräte Fischer und Dr. Rüger;
für Württemberg: Minister des Innern v. Pischek und Finanzminister
v. Zeyer, Präsident v. Schicker und Ministerialrat Schneider; Baden:
Minister Buchenberger und Schenkel, Ministerialdirektor Scherer und
Ministerialrat Ballweg; Hessen: Minister Rothe, der Präsident des Finanzministeriums
Gnauth und Gesandter Neidhardt. Der Reichskanzler leitete
die Beratung mit einer Ansprache ein, wobei er ungefähr ausführte: Bevor
er die Konferenz eröffne, möchte er vor allem der lebhaften und aufrichtigen
Genugthuung Ausdruck geben darüber, die Chefs der zuständigen
Verwaltungen aus den größeren Bundesstaaten hier versammelt zu sehen.
Mit Freude begrüße er die geehrten Herren, einmal weil er wisse, daß das
große Werk des neuen Zolltarifs nur gewinnen könne durch die Rücksprache
mit so erfahrenen und sachverständigen Staatsmännern, dann aber auch,
weil er in dem Erscheinen der Herren einen Beweis erblicke für das so
wünschenswerte und notwendige gute Einvernehmen unter den Regierungen
der einzelnen Bundesstaaten. Eine vollständigere Uebereinstimmung hinsichtlich
der wichtigsten Grundzüge der Tarifvorlage in den Besprechungen
erreicht werde, um so mehr werde diese den wahren Bedürfnissen des
deutschen Volkes dienen. Er sei überzeugt, daß diese Uebereinstimmung
erreicht werde und daß auf diese Weise die Konferenz das Wohl des Reiches
und aller seiner Glieder fördern werde."“
8. Juni. (Preußen.) Der Kaiser besichtigt das protestantische
Stift Heiligengrabe in der Priegnitz und hält an die Abtissin
folgende Ansprache:
In dem Jubiläumsjahre des preußischen Königtums konnte Ich des
Stiftes Heiligengrabe nicht vergessen, welches Meine Ahnen allezeit auf