Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Aummer  831.

rung  der  Kriegsinvalidenfürsorge  in  Bayern
erlassen.  Die  umfangreichen  Vorschriften  werden
  heute  in  der  „Bayerischen  Staatszeitung“
verösfentlicht  werden.

Die  Not-Reifeprüsungen  haben  am
Montag  an  der  Kgl.  Lehrerbildungsanstalt  in
Freising  für  die  sechse  Klasse  begonnen.  Nach
deren  Beendigung  am  Schlusse  dieser  Woche
werden  die  Absolventen  mit  Rücksicht  auf  den
großen  Mangel  an  Lehrkräften  im  Kreise  Oberba##e#n
  sofort  in  die  Schulpraris  entaffen-  Eine
2  te  Klasse  *e  alsdann  nicht  mehr.

Schaffun  von  Arbeitsgelegenheit.
  Die  ##eiiogemeinschaft  für  das  Baugewerbe
  im  Gau  Südbayern  hat  an  die  Gemeindeverwaltungen
  von  Brannenburg,  Rottach,
  Törwang.  Pöttmes,  Ettenbeuren,  Schwindkirchen,
  Unsernherrn,  Bisckofswiesen,  Maierhosen
  und  Buch  a.  Buchrain  Eingaben  gerichtet
und  gebeten,  mit  den  für  die  Gemeinden  bereits
genehmigten  Schulhausneu=  und  Qumbauten,
deren  Inangriffnahme  durch  den  Krieg  hinausgeschoben
  wurde,  baldmöglichst  zu  beginnen.
Gleichzeitig  wurde  an  das  jeweils  zuständige
Bezirksamt  die  Bitte  um  Unterstügung  dieser
Wünsche  bei  den  in  Frage  stehenden  Gemeindeverwaltungen
  gerichtet.

Das  GEGlückslos.  Der  Haupttresser
201000  Ml.  der  Kriegsinvaliden--Handwerter-Lotterie
  siel  einem  Nürnberger  Landsturmmann
zu,  einem  kleinen  Beamten,  der  Vater  von  sechs
Kindern  ist.  Dem  glücklichen  Gewminner  w#urde
der  Betrag  durch  die  Firma  Brüder  Schuler
bereits  ausbezahlt.

Das  Christl.  Volksbureau  und  Arbeitersekretariat
  (Nosenheim,  Innstraße
Nr.  37  I  ist  am  kommenden  Donnerstag,  den
4.  März  in  der  Zeit  von  9  12  Uhr  vormittags
  und  123  4  Uhr  nachmittags  wieder  dem
allgemeinen  Besuche  geöffnet.  Personen,  welche
Rat  und  Auskunft  benötigen  in  Fragen  der
Arbeiterversicherung,  des  Arbeits=  und  Dienstvertrages,
  in  Heimatrechts-,  Verehelichung-,
Vormundschafts=  und  anveren  Recktsangelegenheiten
  seien  liermit  auf  diese  Gelegenheit  unentgeltlicher
  Auskunflerzeilung  aufmerlsam  gemacht.


Wohltätigkeitsabend.  lleber  den  am
Sonntag  veranftaltefen  Wohltätigkeitsabend  der
Freien  Turnerschaft  liegt  uns  ein  längerer  Bericht
  vor.  Wir  werden  ihn  in  der  nächsten
Nummer  veröffentlichen.

Eeute
litz

Ein  gewaltiger  Schneesturm
am  Montag  über  das  Land  dahin.  Mit
und  Donner  hat  der  März  seinen  Einzug  gehalten.
  Vormittags  schon  wehte  scharfer  Westwind.
  Gegen  3  Uhr  nachmittags  artete  er  in
entseglichen  Schneefsturm  aus,  der  ein  heftiges
Gewitter  im  Gefolge  hatte.  Es  donnerte  und
blitzte  mehrmals  wie  im  Hochsommer.  Dabei
ging  eine  Masse  Schnee  nieder,  daß  es  ganz
dunkel  wurde.  Der  Berkehr  auf  den  Straßen
war  stark  gehemmt.  Glücklicherweise  war  das
Unwetter  nur  von  kurzer  Dauer,  wenn  es  auch
fast  den  ganzen  Nachmittag  weiterschneite.  Dagegen
  wiederholte  sich  der  Sturm  in  der  verflossenen
  Nacht;  heftig  tobte  er  wieder  gegen
1  Uhr.  Nackrich  ten  aus  München  und  Augsburg
  besagen,  daß  auch  dort  gesiern  ein  heftiges
  Wintergewitter  mit  Schneesturm  seine
Herrschaft  zeigte.

Gefunden.  Eine  Kindermütze  wurde  vor
acht  Tagen  gefunden,  ferner  eine  Geldbörse
mit  Inhalt.  Ab  zulolen  im  magistratischen  Geschäftszimmer
  Mr.  2.

 

Strohmehl  ols  Nahrungsmitel.
Berklin,  26.  Febr.
Unter  der  Ueberschrift  „Eine  neu:  Qunelle  der
Volksernährung  veröffentlicht  der  „LV.-A.“  einen
  spaltenlangen  Artikel,  dem  wir  folgendes
entnehmen:

Der  Privatdozent  an  der  Berliner  Universität

r.  Hans  Friedenthal  Bat  einen  Weg  gefunden,
  reiche  Nährwerte  aus  einem  recht  unbeachteten
  und  billigen  Material  zu  gewinnen.  Dieses
Material  ist  es  klingt  sehr  seltsam  —  das
Stroh.  Das  Stroh  steckt  voller  Nährfubstanzen,
  aber  wir  hatten  bis  jetzt  nichts  von  ihnen,
denn  diese  Nährsubstanzen  lagen  tief  versteckt
in  unverdaulichen  Zellhäuten.  Wenn  es  gelang,
die  ungenießbaren  Zellhäute  zu  beseitigen,  dann
war  das  Problem  gelöst  und  Dr.  Friedentha
hat  es  auf  eine  sehr  einfache  Weise  gelöst:  Er
hat  die  Jellb  äute  sozusagen  zerrissen,  er  hat  es
gemacht,  wie  man  es  etwa  mit  einem  Apfe#l
macht:  Man  beseitigt  die  unverdauliche  Schale.
Er  hat  dann  das  Stroh  zu  Mehl  gemahlen.

Natürlich  ist  das  nicht  ein  Einfall  von  heute
auf  mrorgen;  langjährige  Versuche  in  der  Jerreißung
  von  Gemüsezellen,  die  die  wissenschaftliche
  Welt  kennt,  gingen  dieser  Entdeckung  voraus.
  Monatelang  donnerten  in  dem  stillen  Vorort,
  in  dem  Friedenthals  Laboratorium  steht,
die  Motoren  der  verschiedenen  Mühlen  und  aus
dem  lärmenden  Apparat  gingen  dann  die  Gemüsepulver
  hervor.  Die  Herstellung  von  Strohmehl
  kann  ohne  Anwendung  großer  technischer
Mittel  bewerkstelligt  rerden.  Zu  einer  guten
Ernährung  des  tierischen  Körpers  ist  nötig,  daß
eine  Nahrungszufuhr  von  wenigstens  hundert

—

amen#####  ause#

Kilogramm  des  Körpergewichtes  erfolgt.  Ein
einziges  Kilogramm  Strohmehl  enthält  aber
nicht  weniger  als  7000  Kalorien.  Das  Strohmehl
  enthält  1,2  Proz.  Eiweiß,  an  Stärte,
Zucker,  Tertrin,  Pflanzensäure  also  den  sogenannten
  stidstosfreien  Ertrakten  13  Proz.

Von  den  22  Proz.  Rohfaser  ist,  wie  sich  herausgestellt
  hat,  ein  volles  Drittel  ausnützbar
  und  dieses  Drittel  enthält  Zellulose,  Zukkerarten
  und  vor  allem  die  für  den  Aufsbau
des  Körpers  so  wichtigen  Mineralsalze  und
Aschen.  Dr.  Friedenthal  hat  aus  Strohmehl  vor
den  Augen  seiner  Laboratoriumsgäste,  vor  Gelehrten,
  Beamten,  Landwirten,  Brot  gebacken
und  es  schmeckte  wie  unser  gutes  Roggenbrot,
das  etwa  die  bekannten  Kümmelbrötchen  enthalten.
  Er  hat  nur  mit  Zusatz  von  Salz  und
Fett  Suppe  gekocht,  er  hat  Brei  hergestellt  und
er  hat  das  höchsie  Erstaunen  jedes  Feinschmelkers
  erregt;  denn  die  Suppe  und  der  Brei  hatten
  merkwürdigerweise  den  Geschmack  und  das
Aroma  von  frischem  Gemüse.  #an  könnte  sagen,
  diese  Speisen  schmeckten  nach  jungen  Schon.


Man  darf  nicht  vergessen,  das  Strohmehl
hat  schon  nichts  mehr  mit  seinem  Begriff  Stroh
zu  schaffen.  Eben  dadurch,  daß  es  gemahlen
wurde,  sind  alle  Bestandteile,  die  gerade  das
Sitoh  ausmachen,  nämlich  die  harten,  ungenießbaren
  und  unverdaulichen  Zellhäute,  gründlich
  zerstört.  Das  sogenannte  Strohmehl  ist
laum  etwas  anderes  mehr,  als  richtiges  Getreidenährmehl.
  Ein  Zentner  Haferstrohmehl
lostet  heute  gemahlen  ungefähr  drei  Mark.  Ein
Zentner  Haser  aber  ungefähr  13  Mark.  Aber
selbst  wenn  man  gewillt  ist,  diese  Summe  zu
bezahlen,  man  bekommt  den  Hafer  jetzt  nicht
mehr.  Nichts  sprickt  aber  gegen  den  weiteren
Verkauf  ron  Stroh.  Der  Preisunterschied  ist
also  gewaltig.  Dazu  lommt,  daß  beispielsueise
Haferstrohmehl!  den  doppelten  Nährwert  an
Substanzen  hat,  als  oben  angegeben.

Mit  der  Herstellung  von  Strohmehl  ist  uns
also  ein  neues  Mittel  zur  Streckung  unserer
Getreidevorräte  an  die  Hand  gegeben.  Das
Strohmehl  wird  beispielsweise  mit  Melasse  verarbeitet
  und  ist  dann  in  Kuchenform  ein  sehr
billiges  und  durchaus  ausreichendes  Schweinesutter.
  Weiter  stellt  man  daraus  künstliche  Körner
  für  Hühner  und  Pferde  her.  Die  Herstellung
  von  Strohmehl  stellt  die  bereits  gefährdete
Muptechterhaltung.  unseres  Bieh=  und  Haustierbestandes
  auf  eine  ganz  neue  Grundlage  und
die  Fachmänner  sind  eifrig  dabei,  durch  Versuche
  dem  Strohmell  die  weitesten  Anwendungsinöglichkeiten
  zur  Viehfütterung  zu  geben.
Aber  aller  Voraussicht  nach  dürften  die  wohlschmeckenden
  Getreidesubstanzen  des  Strohes
auch  für  die  menschliche  Ernährung  noch  eine
große  Rolle  spielen  und  zwar  nicht  nur  in
Kriegszeiten.

Wir  geben  diesen  etwas  sehr  optimistisch  gehaltenen
  Artikel  auszugsweise  nur  mit  allem
Vorbehalt  wieder.

Feldpostbeiese  und  Feldpoflkarken.

Aus  dem  Kriegsleben  im  fernen
Osten.

Der  Maschinensetzer  Fr.  K.  des  Rosenheimer
Anzeiger,  welcher  in  einem  Landsturm-Inf.-Bat.
im  Osten  steht,  schreibt  uns  unter  dem  14.  Za
nuar  aus  Russisch-Polen:

Am  29.  November  marschierten  wir  von
Thorn  ab,  als  Fortsetzung  des  Marsches  auf
dem  Rückweg  von  Plock  über  Lipno.  Als
Marschziel  war  uns  Richtung  Lodz  bekannt,  wo
zu  dieser  Zeit  gerade  die  großen  Kämpfe  stattsanden.
  Der  Marsch  ging  über  Cornezk,  Sokolowo,
  Dombrouitza  nach  Leszyza,  wo  ein  Teil
unseres  Bataillons  einquarliert  wurde.  Es  war
ein  Marsch  von  vier  Tagen  mit  23  bis  35  Kilometer
  im  Tag.  eine  Kompagnie  wurde  in
Thum  einquartiert.  Hier  blieben  wir  zwei  Tage,
als  vormittags  der  Besehl  eintraf,  ##n  Komragnie
  werde  in  Ozortow  verwendet.  Unser
Einmarsch  dert  wurde  begleitet  vom  Kanonendonner
  von  Lodt  her,  welches  21  Kilometer
entfernt  ist.  Dielse  Stadt  selblt  blieb  von  den
Schrecken  des  Krieges  versckon

Unser  Dienst  bestand  in  Ltadtpatrouilen.
Bewachung  von  erbeuteten  russischen  Ausrüstungsstücken,
  Gewehren,  Munition  und  auch
deutschen  Wassen,  die  vom  Schlachtfeld  zurücklamen.
  Eine  Hauptaufgabe  war  auch  die  Ueberwachung
  der  Ortsausgänge  bezüglich  der  Ausfuhr
  von  Lebensmitteln.  Es  ist  keinem  gestattet,
ohne  Erlaubnis  etwas  auszuführen,  wie  auch
einzelne  Personen  an  ein  bestimmtes  Quantum
gebunden  sind.  Allgemein  groß  war  der  Brotniangel,
  sodaß  auch  Wucherpreise  bezahlt  werden
  mußten.  Die  Bäckereien  waren  schon  früh
am  Tage  von  der  Bevölkerung  belagert,  um
ctmas  von  dem  Brote  31  erlangen,  und  manche
mußten  ohne  Brot  wieder  beimgehen.  Die  Soldaten
  hatten  hiebei  ein  Vorrecht,  und  manche
aus  der  Bevölierung  ersuchten  uns,  ihnen  Brot

zu  besorgen.

Die  Bevölkerung  ist  Vmischt-  Juden,  Polen
uhd  Deutschsprechende.  Das  Zusammenleben  ist
dementsprechend.  Die,  Freiwerdung  von  Lodz
wurde  von  den  Ozorkomwer  Tden  lebhaft  begtüßt,
  wahrscheinlich  regen  des  Handels  und
wegen  ihrer  Rückkehr  in  dlese  Stadt  und  umgelehrt.
  Während  wir  hier  acht  Tage  dieser

—
2

 

 

Wärmeeinhetten,  sogenannten  Kalorien,  pro

tneedlichen  Beschftigung  nachgingen,  dounerten

auf  dem  Marsche  nach  Sklerniewice.  Der

 

von  Lodz  her  die  Kanonen,  rasselten  die  Bagagen
  Tag  und  Nacht  durch  die  Stadt,  und  als
letztere  in  längeren  Abständen  durchfuhren,  die
Geschütze  ihre  eisernen  Grüße  aus  weiterer  Entsernung
  den  Nussen  entgegensandten,  wirkte  diese
Stille  nicht  wohllnend,  sondern  eher  ungewohnt,
unheimlich.

Am  14.  Dezember  wurden  wir  von  einem
westsälischen  Bataillon  abgelöst,  uir  selbst  wurden
  nach  Zgierz,  12  Kilomeler  von  Ozorkoo
und  7  Kilometer  von  Lodz  entfernt,  kommandiert.
  Es  war  der  gleiche  Dienst  wie  in  Ozorlow,
  nur  kam  die  Bewachung  von  zwei  Fabrilen
  dazu,  in  denen  Wolle  beschlagnahmt
wurde,  nmelche  nach  einigen  Tagen  nach  Deutschland
  abtransportiert  wurde.  Hier  sprachen  sehr
viele  Einwohner  deutsch  und  wir  fühlten  uns
ordentlich  heimisch  in  den  Quartieren.  Hier
gab  es  auch  Bier  aus  Lodz,  welches  natürlich
ron  uns  lebhaft  begrüßt  wurde.  Doch  macht
sich  bei  uns  eine  gewisse  Sparsamkeit  geltend,
die  sich  auch  auf  das  Bier  erstreckt,  denn  jedem
widerstrebt  die  Bezahlung  von  Mucherpreisen,
wie  sie  oft  gefordert  werden.  Staubzucker  kostete
das  Pfund  40.—45  und  auch  50  Pfg.  umso
leurer,  wenn  man  bedenkt,  daß  ein  russisches
Psund  um  100  Gramm  geringer  ist.  In  Zgierz
fuhren  auch  mehrmals  öflerreichische  Munitionswagen
  durch.  Um  Zgierz  wüteten  etwa  17
Tage  die  Kä  i#pfe,  doch  sind  außer  einer  abgebraunten
  Fabrik  keine  größeren  Schäden  bemerkbar.


Bemerkenswert  und  sehr  zu  begrühen  ist  in
Polen  das  Fehlen  der  Franktireursbewegung.
Selbst  abends  gehen  wir  ohne  Waffen  in  der
Stadt  umher.  Auch  an  anderen  Orten  konnten
wir  von  einer  solchen  Bewegung  nichts  bemerken.
Doch  sollen  Verräter  unter  ihnen  sein,  die  un.
sere  Artillerieitellungen  usw.  vertaten.  Nich
besonders  erfreulich  für  uns  war  die  Nachricht,
daß  wir  am  24.  Dezember  früh  (Ul.  Abend)
abmarschieren  sollten  nach  Slierniewice,  und  wir
begrüßten  es  mit  Freuden,  als  der  Befehl  abgeändert
  wurde  auf  unbestimmtes  Verweilen.
Konnten  wir  doch  jetzt  Weihnachten  festlich  begehen
  und  im  Kreise  der  Kameraden  deutsche
Weihnachten  feiern.  Als  Festsaal  diente  ein
Theatersaal,  die  Musik  besorgte  ein  Landsturmmann
  am  Klavier,  und  als  Hauptweihnachtsgabe
  gab  es  Bier.  Dieses  alles  sowie  der  Gesang
  und  Vorträge  trugen  zu  einer  animierlen
Stimmung  bei.  Ich  mußte  zu  meinem  größten
Leidwesen  die  Feier  bald  wieder  verlassen,  denn
ich  war  auf  Wache.  Die  anderen  Wachen  hatten
  es  besser  getroffen,  denn  sie  wurden  abends
cingezogen,  weil  inzwischen  der  Befehl  eingetroffen
  war,  daß  es  andern  Tags  früh  sortgehe.

Weihnachten!  der  erste  Feiertag  fand  uns

führte  uns  über  Strykow  und  Glomno,  die  arg
mitgenommen  wurden.  Es  ist  grauenhaft  anzusehen
  zerschossene  Kirchtürme,  ganze  Häuserreihen
  eingeäschert,  nur  die  Kamine  und  die
weißen  Kachelöfen  sind  meistens  noch  zu  sehen.
Wir  wurden  in  einer  Orschaft  unmeit  Glowno
einquartiert.  Dabei  ging  es  mit  den  Raumverhältnissen
  etwas  knapp  zu.  Wie  so  ganz  anders
  war  dieses  Weihnachten.  Eine  gewisse  Wehmut
  beschlich  uns,  wenn  wir  nach  Hause  dachten.
von  der  Heimat  sprachen.  Als  wir  uns  in  der
polnischen  Bauernstube  auf  den  Voden  streckten,
sangen  wir  „Stille  Nacht“,  wie  man  es  bei
uns  zu  Hause  vielleicht  zu  gleicher  Zeit  auch
sang.  Als  Weihnachtsschmauß  kochten  wir
abends  Kartoffeln,  die  wir  von  unseren  Ouartierleuten
  kauften.  Die  Leute  gaben  sie  an
sangs  nicht  gern,  aber  als  wir  immer  wieder  in
sie  drängten,  ihnen  das  Portemonnaie  zeigten.
und  alle  Freundlichkeit  aufwendelcn.  ##leinten“
sie  auf  und  wir  bekamen  dann  soviel  wie  wir
wollten,  sodaß  wir  gar  nicht  alle  essen  konnten.
Als  Festtagsgetränk  fungierte  Tee,  urelihen  uir
aber  an  den  anderen  Tagen  auch  hb#n.  Der
Tee  ist  neben  dem  Kafsee  unser  tägliches  Getränk,
  da  wir  rohes  Wasser  nia)n  genießen
durfen  wegen  Gesahr  der  Erkranlung  und  gekochtes
  Wasser  nicht  besonders  gut  sanmmeckt.

Am  andern  Tage  ging  es  weiter  nach  Skierniewice,
  uo  wir  uns  heute  noch  bes  inden.  Hier
stießen  wir  auch  wieder  auf  unser  Bataillon.
Es  verlautbarte  zwar  einmal,  daß  nie  wieder
wandern  sollten,  aber  es  blieb  le#her  alles
beim  Alten.  Der  Dienst  besteht  hier  außer
der  anderen  Wache  aul,  aus  der  Bewachung
des  Schlosses  des  Zaren,  in  dem  das  Kommando
  einquartiert  ist.  Auch  ein  Weinkeller
und  eine  Brauerei  werden  bewacht.

Unser  Einmarsch  war  auch  hier  weeder  von
Kanonendonner  begleitet,  denn  unweit  von  bier
war  die  Schlacht  im  Gange  und  hat  auch  heute
noch  ihre  Fortsetzung.  Die  Geschütze  53
außerhalb  der  Stadt  ununterbrochen  und  erst
nach  mehreren  Tagen  ließ  das  Geschützfeuer
nach,  jedoch  nie  um  ganz  zu  verstummen.  In
der  Silvesternacht,  in  der  ich  gerade  auf  Stadtpatrouille
  war,  setzte  das  Feuer  wieder  besonders
  heftig  ein  ein  Neujahrsgruß  für  die
Russen!  Vom  9.  auf  10.  Januar  hörte  man
nachts  das  Gewehrfeuer  bis  in  die  Stadt  herein.
Daneben  leuchteten  die  Scheinwerfer  und  donnerten
  in  Abständen  die  Geschütze.  Wie  es  heißt,
fand  seitens  der  Russen  ein  Angriff  statt,  der
zurückgewiesen  wur  Seit  acht  Tagen  ist  es
am  Himmel  wie  bei  einent  auf  iehenden  Gewitter.
  Unausgesetzt  splelen  die  Mehendene  es  ist
z  Wetterleuchten,  das  eine  nah,  das  andete
ern.

gern  wurden  sie  von  uns  beantwortet.

Marsch.

 

Mittwoch,  3.  März  1015

Unsere  Flieger  sind  immer  rührig.  Vor
fünf  Tagen  hatten  einige  ihre  Zelte  hier.  Sie
werden  von  den  Russen  heftig  beschossen,  deren
Schrapnells  in  unmittelbarer  Nähe  der  Stadt
platzen.  Es  ist  ein  eigenartiger  Anblick,  wenn
der  Flieger  seine  Kreise  zieht,  wenn  die  Schrapnelle
  in  der  Lust  um  ihn  herum  explodieren.
Man  sieht  einen  grohßen  Funken,  dann  ein  Wöllchen,
  und  so  kann  man  manchmal  viele  solcher
Wöllkchen  am  Himmel  beobachten,  während  der
Flieger  ruhig  die  Lüfte  durchzieht.  Sie  haben
einen  gefährlichen  Dienst,  diese  Braven,  welche
soviel  zur  Erkundung  beitragen.

Auf  Nenjahr  trafen  auch  Liebesgaben  für
uns  ein,  auch  gestern  kamen  solche  an.  Wir
wurden  überreichlick  bedacht.  Es  gab  soviel
Wäsche  und  Leckereien.  daß  sich  jedermann  versorgen
  konnte.  Wir  ,chleckten  wie  die  Kinder
und  hatten  auch  eine  Freude  wie  diese.  Es
sehlten  nicht  Karten  zum  Tarocken,  nicht  die
Mundharmonikas  und  auch  nicht  das  banerische
  Bier.  O  edles  Naß,  wann  nerden  wir
Dich  wieder  in  vollen  Zügen  geniehen  können!
Wir  mußten  Obacht  geben,  daß  uns  nicht  zuviel
  hinunterrutschie  und  die  Freude  eiwas  län
ger  dauerte.  Auf  jeden  Mann  trasen  etwa  sechs
Päccchen  Rauck  tabal,  sehr  viel  JZigarren  und
Jigaretten,  Schnupftabat  und  Pfeisen.  Viel
wurde  getan  im  Vaterland,  und  man  hört
nur  Stimmen  der  Anerkennung  und  der  Bewunderung
  über  diesen  Opferfinn.  Manche  Padd,  en
waren  mit  Adress  e  der  Geber  verĩehen  und  jehr
Eine
Kleine  schrieb  in  eine  Zigarrenschachtel  folgen
des  herzliche  Zeitelchen:  „Mein  lieber,  lieber
Soldat  und  Krieger!  Bitte  schicke  mir  auch
einen  (Gruß  und  eb  du  gesund  bist  und  ob  du
dich  gefreut  hafl.  Herzliche  Grüße  und  fröhliche
Weihnachten.“  Einer  Zigarettenschachtel  lag  fol
gender  Jetlel  bei:  „Lieber  Bayer!  Schreiben
Sie  mir,  wenn  Sie  etuns  brauchen.  Viel  (blück
wünscht  .  .  .“  Beide  Gaben  stammten  von
München  und  wurden  natürlich  sofort  beant-Nortel.


Ein  Unglück  für  uns  wäre  es.  wenn  wir  auf
den  Marsch  müßten,  denn  da  wir  alle  unsere
Gaben  im  Tornister  unterbringen  mußten,  würde
es  hübsch  schwitzen  heißen  trotz  des  Winters.
der  hier  einstmeilen  sehr  manierlich  ist  und  un
noch  keine  große  Kälte  gebracht  hat.  Doch  d
Lebluchen  uswm.  nerden  bald  den  Weg  anres
Irdischen  gehen  und  den  Zigarren  und  dem
Nauchtabat  wird  ebenfalls  arg  zugesenzt,  sodaß
der  Statusquo  bald  wieder  hergestellt  sein  wird
und  das  drohende  Uebel  eines  Zurückbleibens.
beim  Marsch  in  die  Ferne  gerückt  ist.  Es  war
ein  Glück,  daß  die  Liebesgaben  mit  Wäsche
anlamen,  verschiedencs  fing  schon  an  zu  reißen.

Doch  nun  muß  ick  schließen.  weine  HKerse  geht
bedenllich  zur  eieine  ir  #  in  nicht  in
meinem  Bejiz.  (.

Speechsaal.
(Ohne  Verantwortung  der  Redaktion.)
Das  Kollegium  der  Gemeindeberollmächtigten

  hat  in  der  Sihung  vom  2.1.  Febrnar  über
die  Tätigkeit  des  Stadigärtnerei  Verwalters
Stange  zu  Gericht  geiessen  und  dessen  „reinsten
Vandalismus“  einftimmig  verurteilt.  Es  handelte
  sich  um  das  Ausholzen  zwischen  den  bei
den  Brücken  am  rechtsseitigen  Mangfsalluser.
Rict  eine  Stimme  erhob  sick  zu  seinen  Gunsten.
Einige  Tage  sind  nun  darüber  hingegangen,
während  welchen  der  Fall  in  der  hiesigen  Einis
  ohnerschaft  lebhaft  besprocken  wurde  und  mit
großer  Einmütigkeit  wurde  für  den  starl  angegrissenen
  Mann  Partei  genommen.

Mancher  wandelte  unterdessen  an  die  Stätte
des  „vandalischen  Wütens“  und  war  sehr  erstaunt,
  daß  sich  an  dem  altgewohnten  Bild
doch  recht  wenig  geändert  habe,  ja,  wenn  ihn
nicht  das  neben  dem  Damm  aufgerichtele  Holz
eines  bessern  belehrt  hätte,  würde  so  ancher
  unbeach#el  vorbeigegangen  sein.  Das  umsomehr,
  wenn  erst  die  Bäume  wieder  belaubt
sind.  Wie  da  von  151)  200  abgeschnittenen
Bäumen  gesprochen  werden  kann,  ist  unerfindlich,
  und  Uebertreibung  schadet  nur.  Diese
Bäume  waren  seit  ca.  6  Jahren  bereits  zum
Aushieb  bezeichnet,  daran  hat  sich  bisher  niemand
  gestoßen.  Wie  mit  allem  anderen  in  der
Wilt,  se  i#t76  auch  mit  den  Bäumen;  auch  sie
haben  eine  beschränkte  Lebensdauer  und  müssen
fallen,  so  ihre  Zeit  gekommen.  Wie  schnell
Fa.  voch  ihr  Wachstum  in  unseren  Mangfallauen.

Ver  erinnert  sich  noch,  wie  seinerzeit  der  Teil
bes  rechten  Mangsallufers  ob  der  Eisenbahnbrücke
  zur  Kussteinerstraße  vom  K.  Forstamt
radikal  abgetrieben  wurde  und  wie  dort  der
jeyige  Eschenbestand  beranwouchs,

Herr  Stange  hat  durch  das,  was  er  in  Nosenheim
  unter  manchmal  recht  schwierigen  Verältnissen
  geschaffen  hat,  sich  die  allgemeine
Anerkennung  der  Einur  ohnerschaft  ernorben  und
viesem  Urteil  haben  sich  auch  die  unsere  Stadt
besuchenden  Fremden  gern  angeschlossen.  Gewisse
  Kritiken  gehen  immer  fast  von  einer
und  derselben  Stelle  aus,  das  ist  und  bleibt
deren  Spezialität.  Das  war  auch  der  Fall.
als  vor  einigen  Jahren  die  vom  Fir-  unterfalten
  und  halb  entwurzelten  Beum  #e#  links-Hiitigen
  Ufer  entfernt  werden  muß#1,  obw  wohl

sich  damals  um  eine  Zwangslage  handelte,

die  Entfernung  vom  K.  Flußbauamt  angeotdnet
  war,

–—

——