186 Zweiter Zeitraum.
Moldau erworben hätte. In dieser Zeit fingen die französischen Behörden
den (S. 181) schon erwähnten Brief auf, in welchem Stein aufgefordert hatte,
die Erbitterung gegen die Fremdherrschaft auch in Hessen und Westfalen zu
schüren. Napoleon ließ ihn im Pariser Moniteur und in einem von ihm
bezahlten Berliner Blatte mit der Bemerkung abdrucken, daß die preußischen
Minister „ebenso ungeschickt wie verderbt“ seien, und erzwang unter dem
Eindrucke dieser Veröffentlichung den Pariser Vertrag (S. 181). Um sich
ungestörter der Unterwerfung Spaniens hingeben zu können, beschloß er, das
russische Bündnis von neuem zu befestigen, und traf dieserhalb (Oktober 1808)
mit Kaiser Alexander in Erfurt zusammen. Auch hier dienten die deutschen
Fürsten und VBölker dem fremden Tyrannen durch entehrende Schmeichelei,
während dieser ihnen jeden Hohn anthat. So veranstaltete er am 14. Oktober
auf dem Schlachtfelde von Jena eine Hasenjagd, auf der Prinz Wilhelm von
Preußen ihn begleiten mußte.
König Friedrich Wilhelm hatte Stein solange als möglich gehalten;
aber drohend verlangte Napoleon dessen Entlassung. Deshalb legte Stein
(24. November 1808) sein Amt nieder zu großem Schmerze des Königs und
aller Vaterlandsfreunde; verfolgt von einem Achtungsbefehle Napoleons ging
er nach ÖOsterreich, seine Güter wurden eingezogen. Napoleon hatte inzwischen
in raschem Siegeslauf die spanisch-englischen Heere besiegt und Madrid eingenommen;
von dort aus befahl er schon dem Rheinbunde, seine Truppen
marschbereit zu halten, und drängte Osterreich zum Kriege, um es für
seine Rüstungen zu bestrafen. Kaiser Franz hoffte, das übrige Deutschland,
jedenfalls Preußen in den Kampf mit sortzureißen; aber Friedrich Wilhelm
wollte ohne NRußland nicht vorgehen. Er reiste in Begleitung der Königin
nach Petersburg; sie wurden auch mit größter Liebenswürdigkeit ausgenommen,
erreichten aber nichts. Kaiser Alegander riet dringend zum Frieden und stellte
sogar als Napoleons Bundesgenosse ein Hilfskorps an der ostpreußischen
Grenze auf.
Rasch eilte Napoleon herbei und zwang das unter Erzherzog Karl
stehende Heer, von Bayern nach Böhmen zurückzugehen, während er selber
auf dem rechten Donauufer hinabzog und nach drei Wochen in Wien stand.
Als er aber unterhalb Wiens die Donau überschreiten wollte, wurde er von
Erzherzog Karl (am 21. und 22. Mai) bei Aspern zum erstenmal vollständig
geschlagen. Der Jubel über diesen Sieg durcheilte ganz Deutschland. Friedrich
Wilhelm vermochte dem ungestümen Drängen seiner bewährtesten Ratgeber
kaum zu widerstehen. Die Stimmung seines Heeres war so franzosenfeindlich,
daß Napoleon gar nicht wagte, die von Preußen vertragsmäßig zu stellenden
Hilfstruppen zu fordern. Der alte Blücher meinte, warum die Preußen sich
nicht den Spaniern und Tirolern (S. 188) gleich achten sollten; er bat den König,
mit einem Heere über die Elbe setzen zu dürfen, auch Scharnhorst, Gneisenau
und aus der Ferne Stein rieten zu einem entscheidenden Schritt. Aber
Friedrich Wilhelm blieb fest, ob man ihm auch in weiten Kreisen deswegen
grollte. Viele meinten, das ganze Volk werde aufstehen, wenn sich nur ein
Führer fände, und der Dichter Heinrich von Kleist forderte zu allgemeiner
Rache gegen die Franzosen mit den Worten auf: