„Nosenheimur Ameiger“ erscheint Uglich nachmlliags 4 Uhr (mit Ausnahme der Sonn·
##Fgeiertage). — Der Abommementepreis beträgt vlerielsahrlich 2 Mark 70 Pfennig.
menalsilch 00 sennig. Fur Postabonnenten: m: Zustellgebuhr trei ins Haus 14 Pfennlg monalllch.
Fernsprecher Verlag und Neantlon N# Nr. 72, Inseralen-Abkeilung Nr. 233.
Rosenheimer Tagblakt
RKosenheimer Anzeiger
2- *½
" * Ole einspaltige Petitzeile im Anzelgentell koflel 15 ., die Pelitzelle im Reklameteil 40 M.
à % 7 Die Annabme von Anzeigen, Reklamen und Belloten ersolgi durch ble Annoncen · Expedlllon
— * Baasensteln & Vogler, A. G., Rosenheim, Munchen, Rürnberg, Berlin, Breslau, Cassel usw.
8 — Schluh der Anzeigen-Annojme 12 Uhr mitiags.
Amlliches Publikations-Organ
Runmer 209 aun Protus u. Hyazinthus
Jür Völkerbund und Schiedsgerichk.
Kopenhagen, 9.79. Der 10. nerdisse
interparlamentarische Kongreßschloß
gestern seine Tagung ab, nachden er einstimmig
folgende Entschließung angenommen hatte:
Die 10. nordische inlerparlamentarische Delegiertenversammlung
erklärt den dauernden Frieden
am besten durch die Errichtung eines Bölkerbundes
gesichert. Ein solcher alle Staaten
umsassender Friedensbund wäre nicht allein
das wirksamste Mittel zur Vorbeugung des Krie-Kes,
er würde zugleich allen Nationen die Bedingungen
für ein unabhängiges Dasein und freie
wiirtschaftliche Entfaltung sichern. Es wäre von
gKrößter Bedeutung, wenn der Völkerbund auf
der gegenseitigen Verpflichtung der Staaten aufgebaut
würde, jeden Streitfall, der nicht durch
diplomatische Mittel lösbar ist, einer friedlichen
Behandlung zu übergeben, so daß zun
wenigsten
I1. Streitfragen, die von beiden Parteien als
Rechtsstreitfragen betrachtet werden, endgüllig
entschieden werden, je nach der Wahl entweder
durch einen sekten Gerichtshof für inter.
nationale Rechtspflege oder durch den bektehen.
den Haager Schiedsgerichtshof:
2. jeder andere Streitfall einein internationa.
len Untersuchungsamt und Vergleichungsamt zur
Lösung übergeben wird, wobei die beteiligten
Staaten sich verpflichten, innerhalb der für die
Beilegung festgesetzten Frist zu keinen Machtmitleln
zu greifen. Die Frist für die Beilegung darf
nicht zu kurz bemessen sein und das Amt, in
dern die beteiligten Parteien selbst vertreten sin
soll das Recht haben, den Parteien einen Vorschlag
*0 Lösung des Streites zu unterbreiten.
Es soll als Zentralorgan für die einzelnen eingesetzten
Acmier dienen önnen.
urrtre Gewerkschaften
die Mittelmächte
„ Notkerban, 9. 9. Die „Morningpot“
zeldet den Austritt der Delegierten der Waliser-Bergarbeiter
aus der Trade- Union, weil der
Gewerkschaftskongreß in Derby eine Friedensaufsorderung
an die Mittelmächte
beschlossen hat. Der Austritt bezieht sich auf den
Beschluß des Kongresses, in dem dic Mittelmächte
aufgefordert werden, in Beantwortung der
Kriegsziele der Alliierten ihre Friedensbedingungen
bekamtmgeben und den Weg zu einer
Beendigung des Krieges anzubahnen.
Lloyd George und die Rede Solfs.
s Basel, 9. 9. Nach einer Meldung des
„Daily Erpreß“ erklärte Liond George, er persönlich
fühle keine Veranlassung, auf die
Rede des deutschen Staatssekretäre Dr. Solf
durch eine Erwiderung einuur eimugehen.
D# schlacr### in Beslen.
Abenböbericht.
WIIB. Berlin, 9. 9., abends. Antlich.
Beiderseits der Straße Peronne Cambrai
sind erneute Angriffe der Engländer gescheitert.
Von
Neues.
den übrigen Kampfabschnitten nichts
4
Die stockende Offensive.
* Rotterdam, 9. 9. Tie „Morningpott"“
meldet: Seit drei Tagen ist kein merlbarer
Fortschritt un Vorrücken der Allülerten mehr
feftzustellen. Der Vonnarsch stöht anscheinend
auf schwer zu nehmende Hindernisse,
eu deren Beseitigung längere Vorbereitungen
nbtig sind.
La Fere in Flammen.
enf, 9. 9. Wie ein Lyoner Blatt berichtet
2 La Fere in Flammen.
Französischer Heeresbericht vom 8.
September nachmittags: Nördlich der
Oise bernächtigten sich die Fram#sischen Truppen
des Dorfes nnessis und sind an den St.
Quentin-Kanal herangekommen. Südlich der
Oise rückten sie in Richtung Seronis und in Ge
gend Lafjaur sowie nordlich von Celles vor. An
Mittwoch, 11. September 1918
Englischer Angriff an"der. Straße
F L
Peronne-Camorai gescheitert.
La Fere in Flammen. — Die Bersteifung des deutschen Wider
standes. — Abgeschlagener englischer Angriff an der nu ,
Front. — Die Gerüllchte Über
einen Kanzlerwechfel.
der Aione hielten sie trotz mehrerer deutscher Angriffe
ihre Stellungen. In der Champagne
brachten zwei Handftreiche Vefangene ein.
Französischer Heeresbericht vom 8.
September abends: Im Laufe des Tages
verwirklichten unsere Truppen einen neuen
Fortschritt nördlich der Somme. Wir nahmen
Fluqukeres und Happencourt; östlich dieses Dorses
nahmen wir le Hamel. Südlich der Somme
wurde der Widerstand des Feindes besonders
hartnäckig bei nördlich und östlich von St. Siinon
gelieferten Kämpfen. Evesnes, das von den
Deutschen angegriffen und zum Teil von ihnen
genommen wurde, ist nach erbittertem Kampfe
wiedererobert worden, wobei wir 100 Gefangene
machten. Artemos nordöstlich von St. Simon
ist in unsere Hände gefallen. Auf beiden Ufern
der Oise haben wir öftlich von Fargniers und
westlich von Servais Boden gewonnen.
l Englischer Heeresbericht vom 8.
September nachmittags: Bei Einbruch
der Nacht hatten unsere Truppen gestern Nillevoque-Ste.
Mille (°) und den größeren Teil des
Havrincourt-Waldes in Besitz genommen. Gee'tern
Abend und während der Nacht fand ein örtlicher
Kampf östlich von Hermiers und im Abschnitt
westlich von Annentieres statt, ohne die
Lage wesentlich zu verändern. MWestlich von La
Vassee machten unsere Patrouillen neitere Fort.
schritte in den Stellungen des Feinde
Englischer Heeresbersct bom 83.
September abende: Auf dem sdlichen
Teile der Schlachtfront sind unsere Truppen jetzt
in das Gebiet der Verteidigungsstellungen eingetreten,
das früher von uns gegen die deutsche
(Märzoffensive eingerichtet wurde. Der Feind bietel
vennehrten Widerstand in diesen vorbereiteten
Verteidigungsstellungen. Heute fanden scharfe
Kämpfe an verschiedenen Punkten statt. Unsere
Truppen drängen vorwärts und gewannen Boden
in Richtung auf Vennand, Hesbescourt und
Epehy. Oertliche feindliche Angrisfe wurden heute
südwestlich von Ploegsteert und östlich von Wulverghem
mrückgeschlagen. Auf der übrigen englischen
Front ist nichto von besonderem Interesse
muH elden. Die Zahl der von den englischen
Truppen in Frankreich gemachten Gefangenen
kberschreiet. in der ersten Septemberwoche
19000
Vie Erelguisse in Rupland.
Bolschewistische Erfolge gehen Kasan.
§ Moskau, 9. H. In der Richtung auf Kasan
sind mehrere Ortschaften von den auf dem
rechten Ufer operierenden Heeresteilen genommen
worden. Zwei schwere sowie zwei leichte
Geschütze und 27 Maschinengewehre wurden er
beutet. Die Sowjeltruppen sind um einige Wer't
der Stadt Kasan nähergerückt.
Rache für das Attentat auf Lenin.
*s Moskau, 9. 9. Alle Provingzialsowjets
haben beschlossen, das Attentat auf Lenin mit
dan spstematischen Massenterror gegen die
Gourgeois und ihre Agenten zu beantworten.
*Petersburg, 7. 9. (Wiener Korr.=Bureau.)
Bisher wurden als Vergeltung für die
Ennordung Uritzkis 512 sogen. Gegenrevolutidnäre,
darunter 10 rechte Sozialrevolutionäre, erschossen;
die Namen der Erschossenen wurden bisher
nicht veröffentlicht. Die erite Liste der im
Falle eines neuen Attentats zu erschiehenden Geiseln
wurde vcröffentlicht. Sie unfaßt 121 Nainen,
mei't vormalige Offiriere, darunter die
Eroßfur#een Dimitri Konstantinowitsch, Paul
Alerandrowitsch, Nikolai Michailowitsch. Georg
(Michailowitsch und Gabriel Kon- lantinowitsch.
Die Zarin kommt nach Spanien.
5 Geuf, 9. 9., Journal des Debats“ meldet
aus Madrid: Der Königliche Hof befahl die
Vereit= tellung des königlichen Schlosies von San
Sebafstian fur die Zarin mit ihren Töch,=tern.
Nach dieser offi#iofen Verlautbarung hal
die Zarm die Bedingungen der Bolschewif ten angenommen
und auf ihre Anipruche auf den sinaniiellen
Nachlaß des Jaren im In, und Auslande
für sich und ihre Rechtonachfolger Ver-Jicht
geleiftek.
—...n——z
Allgemeines vom brieg.
[Der englische Geschwaderchef bei
Karleoeruhe abgeschossen
* Berlin, 9. 9. Bei dem Luftangriff auf
Karleruhe ist es dei Vizefeldwebel Emil Baer
gelungen den englischen Geschwaderchef abzu.
schießen. Seine Kampfftaffel hat aus desien Geschwader
funf Elug-zeuge herausgeschossen. Vizeicldur
ebel Baer wurde für seine Tapferkeit zum
Offi:er befördert.
Bulgarischer Berichk.
Sofia, 7. 9. Matedonische Front:
Eüdlich von Gewgheli steigerte sich das feindliche
Artilleriefeuer, das seit einigen Tagen mit wechselnder
Heft#gkeit andauerte und zeitwesse ausgesetzt
hatte, in der letzten Nacht zum Trom,
melfeuer, unter dessen Deckung englische Abteilungen
unsere vorgeschobenen Stellungen bei
dem Dorfe Schowo angriffen, an einer Stelle
sich unseren Gräben näherten, durch das Feuer
aber, mit dem wir sie empfingen. und teilweise
un Handgemenge voll ändig zurückge
schlagen wurden, wobei sie empfindliche Ver.
lanr erlitten.
Ausland.
Günniger Verlauf der
Verhandlungenmit Spanien.
Geuf, 9. 9. Nach Depeschen aus Madrid
kann die Beendigung der deutsch-spanischen Verhandlungen
als bevorstehend angesehen werden.
laura und Dato erklärten, der Ministerrat weram
23. September eine alle Teile zufriedenstellende
Lösung veröffentlichen.
Vomsee genderkriegsgesestschaften.
Von geschätzter Seite wird der Deutschen
Vollswirtschaftlichen Korrespondenz (Nr. 60 vom
6. August 1918) aus dem Weiten Berlins geschrieben:
Man macht sich kaum eine Vorktellung
davon. melche Mißstimmung und Erbitterung
in meiten Bevolkerungskreisen gegen die
Kriegsgesellschaften herrscht. Von ihrer
Leschäftlichen Tätigkeit ganz zu schweigen, machen
sie sich sogleich nach ihrer Begründung dadurch
mißliebig, daß sie in den teuersten Stadt-
teilen des Westens der Reichshauptstadt große
Häuser mieten und ungczählte Familien
zum Verzuge zwingen. Den Hausbesitzern
werden ungewöhnlich hohe Mieten geboten,
was natürlich die Veranlassung zu baldig't möglicher
Kündigung der bisherigen Mieter bietet.
Wohl Tausenden von Familien wurde dadurch
ein Ummg aufgenötigt, und was ein solcher in
diesen Tagen bedeutet, davon wissen die Betroffenen
ein schmerzliches Lied zu singen. Nicht
nur, daß sehr viel Geld aufgewendet werden
mußte, um den Uming zu bewerk'telligen, ha
K##t.: Protus
446. Jahrong
..—
ben die Juneigungen der Kriegs — Aur
die westlichen Stadtteile auch bewirkt, daß die
Wehnung= preise allgemein eine sehr beträcht
liche Steigerung erfuhren, und daß aus
einem Ueberfluß ein bedenklicher Mangel an
Wohnungen dort eimstanden imt. Noch jcht hält
das Hautermieten durch die Kriegsgesellschaf
len in unrenninderter Slärle an, die Mietsver.
träge werden in der Regel wohl auf wei Jahre
geschloßfen. mas iin Hinblick auf die dauer der
IZwangeun#schaft schlinmen Befurchlungen
Raum geien konnte. Von- allgemeinen Gesichtspunkten
aus wird man aber fragen dürsen: Ist
es notmerdig, daß die Kriegsgesellschaften gerade
in den teuersten Stadtteilen des Westens
ihrc ohnehin recht anfechtbare Ta#igkeit aus.
üben, oder daß sie sich mit einem Lurus aus.
katien, der nachgerade dein Spott anheimgefallen
it? F Arbeit, die dort wirklich ge—
Für die
leistei witd, genugen sicherlich weniger prunkvoll
aurget tattele Raume, um so mehr. weil die Eri
stenz dieiet Gesellschaften Got: sei Dank zeitlich
begreum it. Eine weilere Anregung zu fparsamerer
Wirtichaft mußte weiterhin die Erwägung
bieten, daß es schließlich doch die (Gesarnt.=heit
der Burger ifl, welche die Mittel fur den
prunkvollen Haushalt aufbringen muß- Aber
am beschuerlichiten wird empfunden, daß so ungesählte
Vamilien durch die Kriegogesellschaften
in Not und Sorge versetzt werden, weil sie ausgemietet
vorden sind.
Folikische Rundschau.
Zur Jollfrage in Salzburg.
Die Jentralelelle der Handelspolitischen Vereinigung
der landwirtschaftlichen Korperschaften
Banerns einschließlich Mullerei und Mäljerei
äußert sich zu der Nachricht der „Deutichen Bergwerls#zeitung“,
wonach inan sich in Salzburg auf
den neuen Voischlag eines Provisorimns volli
ger Jollireiheil auf die Dauer von iu; if Jahren
einigen nolle, u. a. mie folgt: Wa diesen Vorschlag
anlangt, so enthalt der Gedanke, sofern
man den Nachdruck auf das Provisorium
ohne jede Nebenabsicht legl. ##ifellos einen gusen
Kern. Es ware ünmerhin recht wunschenswerl,
wemn man die an sich durchaus begrüßensmerle
Verliefung des politischen Bundnsses der
Mitlehnachte zunäch ## bon dem schuierigen Vebiet
der ni frlick ....
heiten loslosen lonnte. Fr eine Loiung der
Zollfragen it eine möglichite Veschleunigung
angesichts der auch in der Uebergangszeit noch
lange anoimal bleibenden wirtschafltlichen Verhältnisse
ja nicht geboten. Solange die Knappheit
an Nahrn ng muitteln und Rohftoffen anhatlt.
ist sogar ein Weg z empfehlen, der in der
Ueberganger#i# ein Sy#ein moglichster gegen:
seiliger Auebilse unter Angleichung der hierm
nolmendigen Mahnahmen im Gebiet der Mit
telmächte ermöglicht. In dieser Uebergangszeit
bedarf es eines gegenseitigen Jollschutzes naturgemäß
nicht; auch in den Kreisen der Landwirtschaft,
Mullerei und Malerrei denkt kein vernünftiger
Nensch daran, einen Verkehr mit Zollschutz
in dieser Zeit zu fordern. Die Forderungen
wirlchaftlicher Körperschaften nach Aufrechlerhallung
des bemährten Prinzips der
Schugzollpolitik auch Oesterreich Ungarn gegen
über sind jelbitverständlich Forderungen, die fur
die spälere Friedenszeit berechnet sind, wenn der
Abbau der anormalen kriegewirtschaftlichen Verhältmisse
beginnt. Gegenüber dem Gedanken
eines Ausnahmeustandes mit Jollfreiheit im
gegenseitigen Verkehr der Mittelmachte in der
anonnalen Uebergangszeit ware also an sich
nichts einmwenden, wohl aber gegen die Befristung
emes solchen Prooisoriums gleich auf
fünf Jahre. Cine solche Befristung muß ohne
weitercs ben Eindruck erweden, als wolle man
die spätere Zollfreiheit vorbereiten. Gegenüber
solchen Ablichten hat naturgemän die bayerische
Landwirticafl, Mullerei und Maleerei denselben
energischen Einsoruch zu cerheben, wie gegenüber
den Planen einer Jollunion, eines teilweisen
Zolladbaues und dergl. Vielleicht kann
aber der Cedanke des Provisoriums einen Schritt
meiter führen, indem man die Jolkfragen Fweckmahig
aln mnächi uherhanpt nicht vordringlich
chi eden