Erneuerung de3 Imperium Romanum. Machtentwidlung des Bapfttums. 101
Gemeinde, ein ariftofratisches in der Kirche — der über daS ganze
römische Reich fich verbreitenden chrijtlichen Gemeinjchaft — in Die
Höhe, und zugleich jchuf das bei jedem großen Organismus bervortretende
Bedürfnis der Arbeitsteilung und die Erinnerung an das
altteftamentliche Beijpiel des Stammes Levi einen bejonderen Beruf3-Stand,
dem der Dienst am Heiligen und die notwendige Vorbereitung
für diefen zufam, einen Briejteritand gegenüber dem Wolf, einen
Klerus gegenüber den Laien. In diefer Kirche innerhalb der
Kirche bildeten die Bilchöfe die Spibe. Shr Amt erforderte, jeitdem
man auch mit der Wiffenjchaft der höheren Kreife, der griechiichen
Philojophie, und mit den römischen Gejegen und Beamten fich auseinanderzufegen
hatte, Träger von perjönlicher Bedeutung: bei den
Verfolgungen durch die Stantsgewalt, überhaupt in dem langen
Kampf mit der alten Ordnung blicten die Öläubigen zu ihren
Bildhöfen auf und Dieje erhielten reichliche Gelegenheit, Klugheit,
seltigfeit, Märtyrermut zu beweilen. Um die Mitte des Dritten
Sahrhundert® war diefe Organifation vollendet, war aus der Gemeinde
die Kirche und aus dem Glauben eine Theologie erwachlen,
und binnen wenigen Menjchenaltern, al3 nach dem lebten Sturm
unter Diocletian und nach dem furzen VBerjuch, das Heidentum zu
reftaurieren duch Sultan, das Chriftentum längft eine die Zeit
beherrichende Macht und die Religion des Staates geworden war,
traten Die Bilchöfe der großen Hauptjtädte Antiochia, Serufalem,
Alerandria, Konjtantinopolis, Nom bejonders hervor. Unter diejen
hatte Nom den alten weltlichen Sauber der Neichshauptftadt und
ihrer ruhmvollen Gefchichte und die Xegende von der Gründung ihrer
Gemeinde durch den Heiligen Betrus — der einfache Filcher vom
gahtläifchen See war in der Vorstellung der Menjchen mittlerweile
zum „Fürften der Apoftel" geworden — vor den übrigen Städten
voraus. Die Stellung des dortigen Bilchofs, die wie von felbit
da8 Bewußtfein einer Art von Brimat bervorrief, befejtigte fich
dur) die theologijchen Streitigkeiten und Spaltungen, denen der
Dften anheimfiel und von denen der Weften verhältnismäßig wenig
berührt wurde. Die fchiedsrichterliche unpartetische Autorität, welche