Full text : Kaiser Wilhelm II als Schloßherr auf elsässischem und auf lothringischem Boden.

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Die  ergreifende  Tragik  unserer  beiden  Grenzprovinzen  liegt  ja
gerade  darin  begründet,  daß  sie  in  einer  mehr  als  2000  jährigen
Entwicklung  so  viele  und  so  heftige  Stürme  über  sich  haben  hinein—

s  sischer  Geschichtsschreiber  aus  dem

brechen  sehen.  Wenn  ein  elsä

18.  Jahrhundert  F.  J.  Woog  schreibt:  „Die  P  ist  so
vielen  Veränderungen  jederzeit  unterworfen  gewesen  und  mit  so
vielen  Kriegen  und  anderen  Verhängnissen  überfallen  worden,  daß
kaum  eine  Landschaft  in  Europa  zu  finden  ist,  welche  so  vielen
Schicksalen  unterliegen  mußte,  als  eben  sie,“  so  gilt  das  fast  ebensosehr
  von  Lothringen.  So  mancher  alteingesessene  blühende  Stamm
wurde  entwurzelt.  Neue  wirtschaftliche  und  kulturelle  Werte  traten
an  die  Stelle  der  alten  und  erhielten  jeweils  das  Gepräge  einer
anderen  Zeit  und  den  Stempel  der  politischen  Macht,  die  sie  ge—
schaffen.  Ode  ist  aber  der  alte  reiche  Kulturboden  an  Ill  und  Mo

Kosel
nie  geblieben  und  zeugte  durch  die  Fülle  seiner  Gaben  von  der
ihm  innewohnenden  Fruchtbarkeit  und  Kraft.  In  der  Erhaltung  der
bodenständigen  Eigenart,  ihrer  angestammten  Einrichtungen  und
Sprache  sind  die  Bewohner  von  Elsaß  und  Lothringen,  beide  in
ihrer  Art,  Jahrhunderte  hindurch  kaum  von  anderen  Provinzen
jemals  übertroffen  worden.

Insere  würdigen  Altvorderen  im  deutschen  Sprachgebiet  huldigten
keineswegs  einer  gleichgültigen  Auffassung  oder  gar  einer  Verkennung
ihres  von  Haus  aus  mehr  germanischen  Wesens.  Sie  vergaßen
auch  in  der  Zeit,  als  sie  die  großen  Wohltaten  des  französischen
Kulturstaakes  genossen,  niemals  das  deutsche  Idiom  und  die  ihm
verwandten  Sitten  und  Bräuche,  mochten  sie  auch  die  geistige  Habe
früherer  Jahrhunderte  fast  verloren  haben.  Der  elsässische  Dichtergarken
  der  ersten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  übte  sogar  eine  so
mächtige  Anziehungskraft  aus,  daß  sich  sogar  Nationalfranzosen,
wie  die  Gebrüder  Parmentier  darin  ergingen.  Diesen  Namen  ließen
sich  verschiedene  andere,  selbst  von  hohen  französischen  Beamten
anfügen,  wollte  man  zeigen,  in  welchem  Ansehen  damals  deutrsche