II. Die Erwerbung des Kaisertumo. 130
General Lebrun in Wien bereits den Plan dazu. Frankreich
sollte die Aktion zwar beginnen, aber Zeit zu gewinnen suchen,
um Oesterreich und Italien die Vollendung ihrer Rüstungen zu
ermöglichen. Daraufhin scheint der Angriff für Ende Juli beschlossen
gewesen zu sein. Doch durchkrenzten die Ereignisse
dieses Vorhaben, indem sie der französischen Regierung zwar
einen erwünschten Vorwand zum Kriege boten, sie zugleich
aber durch die zu früh entfesselte öffentliche Meinung zu einer
Uebereilung drängten, die sie offenbar ins Unrecht setzte und
so Preußen eben der moralischen Vorteile versicherte, die man
ihm hatte entziehen wollen, um Deutschlands einmütigen Anschluß
zu hindern.
Den Anlaß dazu gaben bekanntlich die Vorgänge in
Spanien, wo nach der Verjagung der Königin Isabella 1868
die Cortes die Berufung eines fremden Fürsten auf den Thron
erwogen. Unter den Kandidaten dafür befand sich gleich anfangs
Erbprinz Leopold von Hohenzollern, der Sohn des
Fürsten Anton, der auch geneigt war, dem Rufe zu folgen.
Wie er dazu gekommen, ist kontrovers. Daß, wie neuerdings
behauptet ist, Bismarck dabei die Hand im Spiel gehabt habe
in der Absicht, Frankreich herauszufordern und zu vorzeitigem
Losschlagen zu veranlassen, ist jedenfalls nicht bewiesen worden.
Auch würde ein so verwegenes Spiel gerade mit seiner vorsichtig
abwägenden Gewissenhaftigkeit, welche, so entschieden er
diesen Krieg für unvermeidlich hielt, doch das ungeheure Wagnis
desselben voll erkannte, nicht im Einklang stehen, zumal er
des spanischen Volkes doch nicht gewiß war. Hätte er nur
den Krieg provozieren wollen, er hätte dazu einfachere und
sicherer wirkende Mittel gehabt. Aber eben weil die Auseinandersetzung
mit Frankreich dereinst erfolgen mußte, konnte er
der spanischen Königswahl auch nicht teilnahmlos gegenüber
stehen. Hat er die Kandidatur des Hohenzollern auch nicht
veranlaßt, so durfte er doch die Möglichkeiten nicht außer acht
lassen, die sie Preußen erschloß, und that nur seine Pflicht,
wenn er sie benntzte. Er will dabei nur handelspolitische Ziele
im Auge gehabt haben: näher aber lagen doch die Vorteile,
die beim Ausbruch eines Krieges mit Frankreich Preußen er-