Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1905. (96)

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same  Gerüchte  verbreiteten  sich  über  ihr  Dahinscheiden;  feierlich
wurde  sie  zur  Erde  bestattet  und  mit  Grauen  gedachte  man  der
Puppe,  die  still  in  ihrer  Lade  lag.

Allein  nach  dem  Begräbnisse  der  Hausmutter  hatte  dieselbe
keine  Ruhe  mehr;  in  nächtlicher  Weile  stand  sie  auf,  suchte  ihre
Kleider,  die  der  neue  Besitzer  an  sich  genommen,  und  lief  im  ganzen
Hause  umher,  so  daß  jeder  Einwohner  sich  in  der  Nacht  nicht  getraute,
  über  die  ängstlich  verschlossene  Kammer  zu  schreiten.  Selbst
an  Sonn=  und  Festtagen,  wenn  sich  das  junge  Volk  durch  Spiel
und  Tanz  ein  Bergnügen  bereitete,  trippelte  sie  hinter  den  kräftigen
Bergburschen  und  den  rotwangigen  Mlädchen  her,  so  daß  man
anfangs  floh,  später  aber,  an  die  Erscheinung  gewöhnt,  sich  nicht
sonderlich  mehr  stören  ließ.  Der  Wirt  aber  nahm  sich  ernstlich  vor,  dem
Spuk  ein  Ende  zu  machen.  In  St.  Michaelis  wohnte  nämlich  in  einem
einsamen  halbverfallenen  Häuslein  eine  alte  triefäugige  Frau,  von  der
man  behauptete,  es  sei  nicht  ganz  richtig  mit  ihr,  auch  habe  man
in  ihrer  Stube  einst  ein  Geschöpf,  einer  Fledermaus  ähnlich,  bemerkt.
Sie  wurde  nur  die  Haldenhexe  genannt.  An  diese  Person  wandte
sich  der  Wirt  in  seiner  peinlichen  Lage,  und  sie  versprach  unter
seltsamen  Gebärden  die  Puppe  in  der  Lade.  Allein  die  Geschichte
scheint  nicht  geholfen  zu  haben,  vielmehr  rumorte  die  Puppe  mehr
als  je,  und  es  schien  ihr  gar  nicht  in  der  zugenagelten  Lade  zu  gefallen.
  Kurze  Zeit  darauf  kam  auch  das  letzte  Stündlein  der  Hexe
und  sie  starb  eines  rätselhaften  Todes.  In  seiner  Not  wandte
sich  nun  der  geplagte  Erbgerichtsbesitzer  an  den  Ortsgeistlichen  in
Erbisdorf.  Der  Pastor  erschien,  las  einige  lateinische  Gebete  vor,
beschwor  die  Gestalt  und  schloß  mit  den  Worten  apage  Satanas!
Darauf  entfernte  sich  der  Geistliche.  Unterwegs  aber  hörte  er  ein
leises  Husten  und  als  er  sich  umdrehte,  tanzte  die  Puppe  spottend
hinter  ihm  her,  so  daß  er  voll  Grausen  eilends  nach  Hause  lief
und  Tür  und  Tor  fest  zuschloß.  Und  so  blieb  denn  die  Puppe
ungebannt  im  Hause.  Lange  Zeit  wohl  mochte  sich  dieselbe  ruhig
verhalten  haben,  bis  sie  dann  endlich  wieder  mit  ihrem  Spuke
auftrat.  Ihrem  Treiben  sollte  aber  nunmehr  ein  baldiges  Ende
bereitet  werden.  An  einem  sonnenhellen  Nachmittage  wurde  die
Lade  mit  allem  Zubehör  auf  einen  Schubkarren  geladen  und  von
einem  Tagelöhner  dem  dunklen  Spitalwalde  zugefahren.  Je  näher
er  demselben  Rkam,  desto  schwerer  wurde  die  Lade,  so  daß  ihm  der