Full text : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

102  Bayern  unter  Ludwig  J,  dem  Kelheimer.

von  Bamberg  und  Heinrich,  Markgraf  von  Istrien  und
Graf  von  Andechs,  dem  ruchlosen  Unternehmen  des  Pfalzgrafen
Vorschub  geleistet,  schwebt  im  Dunkel  —  möglich,  daß  Philipp
von  Schwaben  den  Herzog  Otto  von  Meran  bei  der  Theilung
der  väterlichen  Hinterlassenschaft  zum  Nachtheile  der  beiden  genannten
  Brüder  begünstigt  hatte.

Otto  IV  von  Braunschweig,  der  nach  der  Ermordung
seines  Gegners  allgemein  als  deutscher  König  anerkannt  wurde,
sah  ein,  daß  ihm  in  seiner  Lage  der  Beistand  des  Bayernherzogs
Ludwig  I  nicht  wohl  entbehrlich  sei.  Um  sich  dessen  zu  versichern,
  ließ  er  es  geschehen,  daß  die  Markgrafschaft  Cham,  die
Ludwig  nach  dem  kinderlosen  Absterben  seines  Schwestermannes,
des  Berthold  von  Vohburg,  Markgrafen  zu  Cham
(1  25.  May  1204  auf  einem  Heereszuge  nach  Palästina),  als
verfallenes  Allode  wie  ein  Lehen  eingezogen  hatte,  bei  Bayern
blieb,  obgleich  noch  ein  Bruder  Bertholds,  Dietpold  (der  als
Gemahl  der  Wittwe  des  letzten  Grafen  von  Hohenburg  die
markgräflich-hohenburg'sche  Seitenlinie  begründete),  am  Leben  war.
Ueberdieß  verlieh  er  dem  Bayernherzog  durch  eine  eigene  Urkunde
(15.  November  1208)  Alles,  was  einst  sein  Vater,  Heinrich  der
Löwe,  in  Bayern  besessen  hatte,  sammt  einigen  den  Töchtern
Philipps  gehörigen  Gütern  am  Lechufer  und  sprach  durch  eine
weitere  Urkunde  von  Frankfurt  am  Main  (15.  November
1208)  die  Erblichkeit  der  Herzogswürde  im  Hause  der
Wittelsbacher  aus.

Gegen  den  Pfalzgrafen  Otto  VIII  und  die,  welche  sich  an
seinem  Verbrechen  betheiligt,  verfuhr  König  Otto  IV  mit  der
ganzen  Strenge  des  Gesetzes:  er  belegte  (6.  Januar  1209)  den
Pfalzgrafen  und  ebenso  den  Bischof  Eckbert  von  Bamberg
und  dessen  Bruder  Heinrich,  Markgrafen  von  Istrien  und
Grafen  von  Andechs,  mit  Acht  und  Aberacht  und  erklärte  sie
all'  ihrer  Aemter  und  Güter  verlustig.  Die  beiden  Brüder
Eckbert  und  Heinrich  flüchteten  eiligst  nach  Ungarn  zu  ihrem
Schwager,  dem  Könige  Andreas;  Otto  VIII  von  Wittelsbach,
  der  ihnen  nacheilen  wollte,  wurde  zu  Pärndorf  (Oberndorf)
  zwischen  Abbach  und  Regensburg  durch  des  Reiches