2. Die innere Festigung durch Kaiser Friedrich III. und Kaiser Wilhelm II. 333
beiden ihm voraufgegangenen Söhne Sigismund und Waldemar ihre Nuhestätte
gefunden haben, feierlich beigesetzt.
„Nur wenige Monate,“ so sprach Kaiser Wilhelm II. zu dem versammelten
Landtage, „hat das Scepter in Meines dahingeschiedenen
Vaters Hand geruht, aber lange genug, um zu erkennen, welchen
Herrscher das Vaterland in ihm verloren hat. Die Hoheit
Seiner Erscheinung, der Adel Seiner Gesinnung, Sein ruhmvoller
Anteil an den großen Geschicken des Vaterlandes und der
Heldenmut christlicher Ergebung, mit dem Er gegen die Todeskrankheit
kämpfte, haben Ihm im Herzen Seines Volkes ein unvergängliches
Denkmal gesetzt.“
2. Raiser Wilhelm II., seit 15. Juni 1888.
Wilhelm II. wurde am 27. Januar 1859 als der älteste Sohn Kaiser
Friedrichs III. geboren. Die Jugend des Prinzen fiel in die ruhmreiche
Regierungszeit seines erhabenen Großvaters, in die Zeit der Wiederaufrichtung
des Deutschen Reiches. Von dem gewöhnlichen Wege fürstlicher Erziehung
abweichend, sandte Kronprinz Friedrich Wilhelm seine beiden Söhne, die
Prinzen Wilhelm und Heinrich, nach Kassel, wo Prinz Wilhelm über zwei
Jahre das Gymnasium besuchte und mit Auszeichnung die Abgangsprüfung
bestand. Hierauf hörte derselbe auch noch zwei Jahre lang Vorlesungen auf
der Universität Bonn und gab sich dann der militärischen Ausbildung
hin. Obwohl mit Leib und Seele Soldat, versäumte der Prinz doch nicht,
sich auch mit den andern Zweigen des hohen Amtes, das seiner wartete,
bekannt zu machen; er ließ sich von gelehrten und in der Staatsverwaltung
erfahrenen Männern Vorträge halten und nahm längere Zeit an den Arbeiten
verschiedener Verwaltungsbehörden teil. So gereift, konnte der Prinz
wiederholt seinen Großvater und später seinen erkrankten Vater vertreten und
ihnen einen Teil ihrer Arbeiten abnehmen. Am 27. Februar 1881 vermählte
sich Prinz Wilhelm mit Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Augustenburg,
der Tochter des Herzogs Friedrich von Augustenburg (S. 264).
Sie ist am 22. Oktober 1858 auf dem Gute Dolzig in der Niederlausitz
geboren; als sie sechs Jahre alt war, siedelten die Eltern nach dem Schlosse
Primkenau in Schlesien über. Der Vater kümmerte sich auf das genaueste
um die Erziehung seiner Kinder, die er bei ihrer Konfirmation nach edler
deutscher Fürstenart mit Wort und Hand segnete, indem er sie auf den Familien-=spruch
hinwies: „Ohn' Gottes Gunst all Thun umsunst.“ Prinzessin Auguste
Viktoria blühte zu einer echtdeutschen Jungfrau auf; ihre liebste Beschäftigung
war, Armen und Kranken Hilfe und Trost zu spenden. Gleich bei der Verlobung
auf Schloß Babelsberg und bei der Vermählungsfeier in Berlin gewann
sie die Liebe des Volkes. Aus echt deutschem Stamme entsprossen,
ist sie eine wahrhaft deutsche Hausfrau geworden; als Kaiserin unterstützt sie
ihren hohen Gemahl, die Not der unteren Stände zu mildern, namentlich
durch eine thatkräftige Förderung der inneren Mission. Am 6. Mai 1882
wurde dem fürstlichen Ehepaar ein Sohn geboren, der nach dem Urgroß--vater
Wilhelm genannt wurde.