Full text : Illustrierte Geschichte der Sächsischen Lande und ihrer Herrscher. I. Band, 2. Abteilung. Von der Landesteilung von 1382 bis zum Übergange der Kurwürde an die Albertiner (1547). (2)

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bergischen  Besitzungen  gekauft,  die  jener  gern  hingab,  da  sie  ihm  zu
weit  ablagen.  Doch  mußte  der  verschuldete  Prälat  das  dazu  gehörige
Amt  Königsberg  wieder  an  den  Herzog  verpfänden  und  dieser  übertrug
  sein  Pfandrecht  den  drei  osterländischen  Fürsten,  die  sich  1400  nit
dem  Bischof  durch  einen  sogenannten  Erbverkauf  für  19600  Gulden
über  diese  Besitzung  vertrugen.  Um  die  nämliche  Zeit  brachten  die
Osterländer  von  den  reußischen  Grafen  Schmölln,  Ronneburg  und
Weida  an  sich.

Welche  Stellung  die  Wettiner  nach  dem  Vorgange  ihres  Vetters
und  Oheims  einnahmen  gegenüber  der  Absetzung  Wenzels  und  Neuwahl
  Ruprechts,  ist  schon  früher  erzählt  worden.  Auch  Friedrich  hatte
bekanntlich  Abrechnung  mit  dem  Hause  Luxemburg  zu  halten  wegen
der  unterbliebenen  Verheiratung  mit  Anna,  der  Schwester  Wenzels,  die
dem  König  von  England  die  Hand  gereicht  hatte,  und  wegen  der  nicht
eingehaltenen  Entschädigungsversprechen.  Er  begleitete  deshalb,  wie  die
anderen  Wettiner  auch,  den  Oheim  Wilhelm  auf  seinem  Zuge  gegen
Prag,  dessen  früher  gedacht  wurde.  UÜbrigens  vermählte  sich  Friedrich
der  Streitbare  1402  mit  Katharina,  einer  Tochter  Herzog  Heinrichs
des  Milden  von  Braunschweig,  und  zwar  in  recht  glücklicher  Ehe,  wie
u.  a.  auch  daraus  hervorgeht,  daß  er  ihr  anfängliches  Leibgedinge,
nämlich  Naunhof,  Grimma  und  Colditz,  im  Jahre  1427  durch  Eilenburg,
  Greitzsch  und  Pegan  wesentlich  vermehrte  und  das  damit  begründete,
daß  er  derjenigen  nicht  vergessen  wolle,  an  der  er  die  allergrößte  Treue,
Liebe  und  Freundschaft  erprobt  habe.

Allen  diesen  Irrungen  gegenüber  brachten  nun  aber  die  nächsten
Jahre  des  anhebenden  15.  Jahrhunderts  Ereignisse  von  viel  größerer
Bedeutung,  die  auch  auf  die  wettinischen  Lande  einen  ungewöhnlichen
  Einfluß  haben  sollten.  Sie  nahmen  ihren  Ausgang  von  der
durch  den  Magister  Johann  Hus  entflammten  ebenso  sehr  nationalen
als  religiösen  Bewegung  in  Böhmen.  Schon  der  Umstand,  daß  unter
der  Regierung  Karls  IV.  eine  Reihe  von  ernstdenkenden  Geistlichen
unter  besonderer  Begünstigung  des  Königs  gegen  die  verweltlichte
Kirche  geeifert  hatte,  wie  Erzbischof  Arnest  von  Prag  oder  der  aus
Osterreich  als  Prediger  an  die  Theinkirche  berufene  Konrad  von  Waldhausen
  (gestorben  1369)  und  sein  Nachfolger,  der  Mähre  Milich  von
Kremsier  (gestorben  1374),  oder  ferner  die  beiden  Tschechen  Adalbert