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Sieh, wie so herrlich mich Gott hat geschmückt!
Flügel hab' ich, mit Gold gesticht,
einen Mantel, mit Sammet belegt,
10 wie ihn der Kaiser nicht schöner trägt!
fich, und die ganze prächtige Sier
wolltest du grausam zerstören mir?
Wolltest mit deinem spitzigen Eisen
mir das fröhliche Herz zerreißen?
15 Lieber Knabe, ach laß mich leben!
Gott hat uns beiden den Sommer gegeben;
mir und dir auch ein herz dabei,
das gern glüchlich schlägt und frei.“
Da ließ der Knabe die Nadel sinken.
20 „Geh,“ rief er, „wohin dir die Blumen winken!
Wir wollen uns beide des Sommers freun
und springen und jauchzen und lustig sein!“
38. Das Kätzchen und die Stricknadeln.
Von Ludwig Bechstein.
Es war einmal eine arme Frau, die ging in den Wald, um Holz
zu lesen. Als sie mit ihrer Bürde auf dem Rückwege war,
sah sie ein krankes Kätchen hinter einem Zaune liegen, das kläglich
schrie. Die arme Frau nahm es mitleidig in ihre Schürze und
trug es nach Hause. Auf dem Wege kamen ihre beiden Kinder
ihr entgegen, und als sie sahen, daß die Mutter etwas trug, fragten
sie: „Mutter, was trägst du?“ und wollten gleich das Käthen
haben. Aber die mitleidige Frau gab es ihnen nicht, aus Sorge,
sie möchten es quälen, sondern sie legte das Kätzchen zu Hause auf
alte weiche Kleider und gab ihm Milch zu trinken. Als das Kät
chen sich gelabt hatte und wieder gesund war, war es mit einem
Male fort und verschwunden.
Nach einiger Zeit ging die arme Frau wieder in den Wald,
und als sie mit ihrer Bürde Holz wieder an die Stelle kam, wo
das kranke Kätzchen gelegen hatte, da stand eine ganz vornehme
Dame dort. Die winkte die arme Frau zu sich und warf ihr fünf
Stricknadeln in die Schürze. Die Frau wußte nicht recht, was sie
denken sollte; es dünkte diese absonderliche Gabe sie gar zu gering.
Doch nahm sie die fünf Stricknadeln mit sich und legte sie des
Abends auf den Tisch. Aber als die Frau am andern Morgen
ihr Lager verließ, da lag ein Paar neue fertig gestrickte Strümpfe
auf dem Tische. Das wunderte die arme Frau über alle Maßen:
Lesebuch für Mittelklassen. D. 3