Volltext : Blätter für Rechtsanwendung. LIX. Band. (59)

88  Die  Vaterschaftsvermuthung  nach  gemeinem  u.  Bayer.  LR.

als  ehelich  geltenden  Kindes  festgestellt  sein  müsse,  bevor
  gegen  den  wirklichen  Vater  klagend  vorgegangen
werden  könne.  So  das  in  Kübel  u.  Sarweys  Archiv,
Bd.  2  S.  16  N.  16  und  Seufferts  Arch.,  Bd.  2  Nr.  296
citirte  Urtheil  des  OAG.  München  vom  15.  Januar  1847
und  das  Urtheil  des  gleichen  Gerichts  vom  30.  März
1880  (Seufferts  Arch.,  Bd.  35  Nr.  267);  vgl.  die  Urtheile
  des  OAG.  Berlin  vom  24.  Juli  1867  (Seufferts
  Arch.  Bd.  22  Nr.  287  Nachschrift)  und  des  O.  Trib.
Berlin  vom  12.  Juli  1877  (Seufferts  Arch.,  Bd.  33
Nr.  280)7).  Dagegen  wendet  sich  mit  Recht  Lang,
(württ.  Pers.-R.  §  76  N.  5)  und  die  Entsch,  des  OAG.
München  vom  22.  Juli  1872  (Bl.  f.  RA.  Bd.  37  S.  288,
Samml.  Bd.  2  S.  321)  **).

Daß  auch  der  mit  der  Vaterschafts=  oder  Alimentationsklage
  in  Anspruch  genommene  Dritte  die  für  den
Beweis  und  Gegenbeweis  bez.  der  ehelichen  Vaterschaft
aufgestellten  Rechtsvermuthungen  zu  seinen  Gunsten
verwerthen  kann,  ist  selbstverständlich).

*)  Die  Urtheile  des  OAG.  Celle  vom  21.  Mai  1819  und
des  OAG.  Jena  vom  29.  Juli  1842  (Seufferts  Arch.  Bd.  5
Nr.  292,  Bd.  6  Nr.  46)  verlangen,  daß  der  Ehemann  wenigstens
vorher  gehört  werde.  Aehnlich  Urtheil  des  CAUG.  München  vom
6.  November  1843  (Bl.  f.  RA.  Bd.  13  S.  222).

##)  Die  gleiche  Ansicht  liegt  wohl  auch  den  Erk.  des  OAG.
Dresden  (Senfferts  Arch.  Bd.  2  Nr.  186)  und  des  OAG.
Wiesbaden  vom  42.  April  1837  (Seufferts  Arch.  Bd.  5  Nr.  176,
Bd.  10  Nr.  54)  zu  Grunde.

***)  S.  Roth,  deutsches  Privatr.  Bd.  2  S.  282  Nr.  28  und
Urtheil  des  O.-Trib.  Berlin  vom  13.  December  1877  (Seufferts
Arch.  Bd.  34  Nr.  87);  unrichtig  Curtius,  Handbuch  des  im  K.
Sachsen  gelt.  Ciollr.  §  55  und  Bülow,  Abhandl.  II.  Theil
2.  Heft  S.  265.  Zweisellos  falsch  ist  das  Urtheil  des  OAG.  Jena
vom  7.  Juli  1835  (Seufferts  Arch.  Bd  4  Nr.  234),  demzufolge
  eln  Kind  zugleich  einen  ehelichen  und  unehelichen  Vater
haben  könnte.