Full text: Denkwürdigkeiten des Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst. Zweiter Band. (2)

294 Botschafter in Paris (1874 bis 1885) 
Ducamp behauptet, Gambetta hasse Ferry und dieser jenen. Gam- 
betta habe Ferry in den Kulturkampf gehetzt, um ihn zu verderben, und 
freue sich über seine Niederlage. 
18. März. 
Wir aßen heute bei der Fürstin Wittgenstein mit Blacas. Nach 
Tisch suchte er eine Gelegenheit, mich allein zu sprechen, und sagte, es 
liege ihm daran, daß ich vor meiner Abreise über einen hier kursierenden 
Irrtum aufgeklärt werde. Man behaupte, und zwar in diplomatischen 
Kreisen, daß der Graf von Chambord den Gedanken an seine Rückkehr 
nach Frankreich aufgegeben habe. Das sei irrig. Der Graf von Cham- 
bord sei nach wie vor bereit, zurückzukommen und die Regierung zu über- 
nehmen, wenn er berufen sein werde, Frankreich zu retten. Nach der 
Ansicht der Legitimisten sei die legitime Monarchie die einzige Rettung 
Frankreichs. Ich sagte ihm, ich habe allerdings auch angenommen, daß 
der Graf von Chambord die Frage der weißen Fahne nur deshalb an- 
geregt hätte, um damit ein Hindernis seiner Rückkehr, zu der er keine 
Lust gehabt habe, zu schaffen. Das bestritt Graf Blacas. Der Graf von 
Chambord habe sich nur für verpflichtet gehalten, vorher zu sagen, daß 
er suchen werde, die Nation zum Aufgeben der Trikolore zu veranlassen. 
Er habe die weiße Fahne als die Fahne der Monarchie angesehen. Blacas 
fügte hinzu, selbst Decazes habe ihm zugegeben, die weiße Fahne würde 
überall erschienen sein, sowie Henri V. eingezogen wäre. Er tadelte dann 
den Marschall, der durch seine Haltung und seine Passivität das Scheitern 
des Restaurationsplans veranlaßt habe. Den 16. Mai bezeichnet Blacas 
als eine unverantwortliche Torheit, durch die er viel Unheil angerichtet 
und viele Leute unglücklich gemacht habe. Ueber die Möglichkeit einer 
Restauration im Jahre 1873 ist Blacas nicht im Zweifel. Die Sache 
sei aber unglücklich eingeleitet worden. Jetzt werde man nicht ohne eine 
Katastrophe zur Monarchie zurückkommen. 
Paris, 16. April 1880. 
Der Nunzius besprach heute ausführlich den Erlaß1) betreffend das 
Verhältnis der preußischen Regierung zum Papst. Er fragte mich, ob es 
notwendig sei, daß die Kurie weitere Schritte tue, damit die Regierung 
die in ihrem Erlasse angekündigte Vorlage an die Kammer mache. Ich 
bejahte dies und schrieb ihm noch später, daß ich es für unumgänglich 
  
1) Auf das Schreiben des Papstes an den Erzbischof von Köln vom 24. Februar, 
durch welches die Duldung der Anzeige an die Regierung vor Ernennung von 
Geistlichen in Aussicht gestellt wird, veröffentlichte die Regierung im April einen 
Beschluß des Staatsministeriums vom 17. März, welcher für den Fall tatsächlicher 
Erfüllung der Anzeigepflicht die Revision der Maigesetze verhieß.
	        
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