II. Die deutsche Frage und die Dreresreorganikation.
1857—1862.
1# enn von moralischen Eroberungen Preußens, wie sie
der Prinzregent in der Ansprache an seine Minister gefordert
hatte (S. 343) überhaupt gesprochen werden konnte, so war
der Ausdruck berechtigt angesichts des Wandels, den die
Stellung Preußens Europa und Deutschland gegenüber durch
seine Haltung während des italienischen Krieges erfahren hatte.
Allerdings hatte es das, was es eigentlich erstrebt, schließlich
ja nicht erreicht. Wenn aber nachmals Bismarck die Politik
Preußens in jener Krisis besonders abfällig beurteilt hat,
indem er sie als das Werk der Prinzessin von Preußen und
des von ihr an die Spitze des Auswärtigen gebrachten
Ministers Grafen Schleinitz darstellt und in ihr nichts sieht
als das gewohnheitsmäßige Bestreben, sich den Beifall der
deutschen Fürsten, des Kaisers von Oesterreich und zugleich
der deutschen Presse zu erwerben, und sie herleitet aus dem
unklaren Bemühen um einen idealen Tugendpreis für Hingebung
an Deutschland, so entspringt das doch zum Teil der
begreiflichen Mißstimmung über die Erfolglosigkeit seiner eigenen
Bemühungen ihr eine andere, Oesterreich feindliche Richtung
zu geben. Außerdem wirkt dabei mit seine durch spätere Vorgänge
gesteigerte Abneigung gegen des Prinzregenten nach
politischem Einfluß strebende Gemahlin und ihren ihm besonders
antipathischen Günstling. Andererseits aber offenbart sich darin
doch auch die Geringschätzung, die der größte Realpolitiker,
den Deutschland hervorgebracht hat, gegen die in der Geschichte
wirkenden idealen Mächte eigentlich allezeit empfunden hat.
Thatsächlich aber wurde Preußen eben jetzt zum erstenmal
wieder als ein Faktor anerkannt, mit dem die europäische