Full text: Materialien der Deutschen Reichs-Verfassung. Band II (2)

Artikel 53—56. Allgemeine Diecussion. Saviguy. Veber. 249 
zeitig Deutsche Güter zu wahren, indem dieselben ohne vorher besteuert wor- 
den zu sein, aus dem Entrepot zurllckgezogen werden konnten. 
Weder (Stade).") Meine Herren, der Herr Kriegs- und Marine- 
minister hat schon hervorgehoben, daß der große Theil der Versammlung wohl 
nicht einverstanden sein würde mit den Ansichten, welche die Vertreter 
von Hamburg und Altona heute in der Kriegsmarine-Frage ge- 
äußert haben. Ich halte es nach den Erwiderungen, die von Seiten des 
Regierungsvertreters gekommen sind, kaum für nothwendig, noch etwas hin- 
zuzufligen; es scheint doch aber zweckmäßig, daß auch aus der Versammlung 
heraus ein Widerspruch erfolge, sowohl in Bezug auf das Nationalgesühl, 
welches durch diese Herren verletzt ist, als in Bezug auf sachliche Gründe. 
Wenn man die Herren Vertreter von Hamburg und Altona sprechen hört, 
so sollte man allerdings glauben, es würe viel zweckmäßiger, wir schafften 
uns gar keine Flotte an, und unfer Handel würde dann weit besser stehen. 
Und in der That ist die auffällige Bemerkung in der General- 
Debatte von dem Herrn Vertreter für Altona schon ausg estellt 
worden: die Hansestädte würden zu der Blüthe ihres Handels nicht gelangt 
sein, wenn sie eine große Flotte gehabt hätten..“) Diese Aeußerung halte ich für 
so fehlsam, wie nur irgend etwas. Die Hansestädte sind zu der Blüthe ihres 
Handels nicht gelangt, weil sie keine Flotte hatten, sondern sie sind dazu ge- 
langt, trotzdem sie keine Flotte hatten. Wenn andere Staaten, wie England, 
Frankreich und Amerika ebenso verfahren wären, wenn sie auch keine Flotten 
gehabt hütten, so wollte ich einmal sehen, wie es mit dem Handel der Hanse- 
städte gestanden hätte. Noch im Anfange dieses Jahrhunderts haben die 
Hanfestädte einen Tribut an die Barbarceken. Staaten dafür zahlen müssen, 
daß diese die Schiffe der Hansestädte nicht angriffen, wegnahmen und deren 
Aagehörige in die Sklaverei führten. Erst durch die Intervention Englands 
und anderer Staaten ist dieser Tribut abgeschafft worden. Die Hansestädte 
und Hamburg namentlich haben vielleicht davon profitirt; es ist möglich, daß 
ein Hamburger so calculirt: was kostet mehr? Bezahlst Du den Tribut an 
die Barbaresken, oder willst Du eine Flotte anschaffen? Und es ist möglich, 
daß er bei diesem Calcul zu dem Resultate kommt, lieber den Tribut zu be- 
j#ahlen, weil das weniger kostet, als eine Flotte zu unterhalten. (Heiterkeit.) 
Nun, meine Herren, wenn das auch bei einem Kleinstaate wie Hamburg 
nicht gerade aufsallen würde, so wäre es doch der Deutschen Nation nicht 
wirdig; (Lebhastes Bravol) wir würden so nicht sagen können. 
(Wiederholtes Bravol) Meine Herren, ich mache auf einen anderen 
Punkt noch aufmerksam. Der Deutsche Handel ist kaum irgendwo so engagirt 
wie in den Ostasiatischen Gewässern. Eine große Menge unserer Kaussahrtei- 
schiffe ist dort beständig in Dienst gestellt; diese Gewässer werden aber durch 
St. Ber. S. 526. 
S. B-d. I. S. 239.
	        
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