436 Bundeskriegswesen.
ordinaire Bedürfnisse wird die Militalrverwaltung mit Anträgen vor
den Reichstag treten können und treten müssen; und was den
zweiten Punkt aubelangt, so würde ich in dieser Beziehung nicht im Stande
sein, den Herrn Abgeordneten für Hagen a priori zu widerlegen.
Wenn wir nichtsdestoweniger versuchen, eine Reihe von Jahren
mit dem bezeichneten Satze aus zukommen, so bedeutet das nichts
Anderes, als daß wir den guten Willen haben, so sparsam zu
verwalten, als es damit möglich sein wird. Ich muß dabei bemer-
ken, daß alle fremde, hinlänglich bekannte Militairbudgets bei
der Vergleichung zu sehr bedeutend höheren Quoten kommen.
Ich will mich darüber in Einzelheiten nicht vertiesen, wohl aber ganz aus-
drücklich bemerken, daß, wenn die Summe, welche nach unserer Erwartung
bei einer sparsamen Verwaltung eine Reihe von Jahren ausreichen dürfste,
dennoch nicht ausreichen dürste, mit der dann nöthlgen vermehrten Forderung,
wie ich hoffe, keinesweges eine verbitterte Stimmung des Reichstages hervor-
gerusen werden wird; ich fürchte mich davor nicht. Wenn der Reichstag, wie
ich hoffe und wünsche, in derselben patriotisch gehobenen Stimmung bleidt,
die ihn heute beseelt, so wird er sich auch den Anforderungen nicht ver-
schließen, die von der Nothwendigkeit für das wichtigste Bedürfniß des Bun-
des dictirt werden. Der Herr Abgeordnete für Osnabrück hat gemeint,
daß wenn nun audere Anforderungen an den Reichstag heran-
träten, so würde man damit eine Kritik her vorrufen gegen das
Ordinarium, dir nothwendigerweise in kurzer Zeit dahin führen
würde, daß man von selbst verzichtete auf ein fixirtes Normal-
Budget. Er führte aus seinem speciellen Vaterlande die Erfah-
rung an: „Sobald die schlechte Verwaltung eingerissen war, so fand sich
auch, daß dieses ganze Arrangement aufgegeben werden mußte“. Meine
Herren, sobald die schlechte Verwaltung bei uns eingerifsen seis
wird, werde ich der Erste fein, der dazu räth, ein strengeres Re-
giment ein zuführen. So lauge sich aber unsere Verwaltung mit Recht
des Nufes der Sparsamkeit und Ordnung erfreut, kann und darf
ich wohl annehmen, daß Sie mir das Vertrauen nicht schmälern
werden, was die Preußische Verwaltung seit Jahrhunderten sich
zu eigen gemacht hat. (Bravok rechts.) Ich sehe die 225 Thaler
nicht an als ein Pauschquantum, als einen Factor, welcher durch die
Murltiplication mit 300,000 eine Pauschsumme ergiebt, mit der ich
frei schalten möchte; ich sehe diese Summe vielmehr als eine Mini-
malbewilligung an, welche die Existenz der Aruee, dieses wichtigsten
Instituts des neuen Bundes sicher stellt. So wie in gewissen Deichordnum=
gen allen Ubrigen Anforderungen an die Privateu die Forderungen für die
Erhaltung des Deiches gesetzlich voranstehen, so muß auch in uuserer Ver-
fassung die Erhaltung der Armee unter allen Umständen gesichert sein und
zwar gesichert fein gegen alle zufälligen Strsmungen der öffentlichen Meinung