Full text: Materialien der Deutschen Reichs-Verfassung. Band II (2)

520 Bundeefinanzen. 
hende Einrichtungen und Gesetze weg#ustreichen, daß die Majorität 
damit die Macht haben soll, der alleinige Gesetzgeber zu sein, ja sogar 
dadurch bei einer zu großen speziellen Behaudlung des Etats auch alleini- 
ger Machtvollstrecker der Verwaltung! Das ift ja das, wogegen wir 
ankämpfen, und was ja auf das Klarste und Deutlichste Herr Dr. Gneist 
Ihnen hier entwickelt hat, so daß ich glaube, daß es von keiner Seite be- 
stritten werden kann. Die Herren auf jenen Bänken (linke) bestreiten es im 
Princip, und ich bin fehr begierig, zu hören, wie weit auch aus dem Schoß: 
der eigentlich ministeriellen Partei diesen Budgetprincipien der Demekratie 
gehuldigt wird! Diese Budgektheorie des Dr. Gaeift erkenne ich als richtig 
an! Nun aber, meine Herren, was haben wir am Ende gehört? Die De- 
duction des Herrn Abgeordneten Dr. Gneist war fo: Es darf durchaus nicht 
durch die Majorität des künftigen Reichstages die Friedensstärke, Organi- 
sation u. s. w. in Frage gestellt werden. Das ift die gesetzliche Basie, aber 
ich erkläre mich gegen die Pauschsumme, und insofern verlange ich eine Vor- 
lage des Militairbudgets in einzelnen Titeln, wie wir sie sonft gehabt haben, 
und das Votum des künftigen Reichstages — so fagte er, wenn ich ihn 
richtig verstanden habe — ist ein decisives. Was heißt das, meine Her- 
ren? Also der Reichstag foll durch die Vorlage befugt sein, mit einem cin- 
zigen Striche einzelne Positionen in dieser gesetzlich beftehenden Organisation 
auf's Neue zu streichen! Ich bin doch begierig zu hören, ob ich richtig ge- 
hört habe, oder ob es nur an meiner Auffassung gelegen hat. Ist es aber 
der Fall, meine Herren, dann werdeu Sie mir einräumen, daß die ganzen 
Deductionen zu Kopse fortfallen durch die Deductionen am Ende (Schr 
richtig! rechts), und ich bin uun auch noch sehr neugierig, zu erfahren, wie 
der Herr Abgeordnete nachher stimmen wird, denn nach meiner Auffassung 
kann er und muß er nach diesen Deductiouen nur für den Artikel 65 der 
Regierungsvorlage stimmen. Meine Herren, ich sollte doch glauben, wir 
hätten alle Ursachen, uns durch dieses räthselhafte Wort, das sein Gorgonen- 
haupt wieder erhebt: „Budgetrecht , nicht auf beiden Seiten in die Flucht 
schlagen zu laffen! Das Vertrauen der eigentlich minifteriellen Partei, deren 
gr üne Farbe ja so hoffnungsvoll auch für die Zukunft ist, aus derm 
Reihen, wie das Vaterland gewiß erwarten wird, die klnftigen Minister ge- 
nommen werden, — scheint zu schwanken! (Heiterkeit.) Meinc Herren, Sie 
sollten sich doch nicht fo leicht erschrecken lassen, — Sie haben ja nun durch 
die Deductiouen des Herrn Dr. Gueist, durch unsere Reden, durch Ihre eige- 
nen Reden, durch die Rede des Herrn Waldeck und Genossen, — durch Alles 
dies haben Sie ja gehört, daß es wirklich ein sphinxartiges Gesicht hat dieses 
Wort: „Budgetrecht!“ So wie das Wort hineingeworfen wird in dicse 
parlamentarische Versammlung, so hört das Vertrauen der ministerlellen 
Partei zur Führung des Ministeriums, auf das hin Sie sa gewählt 
worden sind, wie ich ja neulich schon Ihnen vorgehalten habe (Grohe 
Heiterkeit links), sofort auf und verwandelt sich in Mißtrauen. (Sehr
	        
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