Full text: Materialien der Deutschen Reichs-Verfassung. Band III (3)

1236 1868. Art. 32. Diäten. 
wohl eine Logik, die man wahrlich nicht fassen kann. Meine Herren, es ist 
von meiner Person hier mehrfach die Rede gewesen, namentlich, glaube ich, 
hat der Herr Abgeordnete Wagener davon gesprochen, daß der Antrag gerade 
auf die Süddeutschen keinen guten Eindruck machen würde und hat gesagt, 
man hätte mich dort einer Führerschaft entkleidet. Ich weiß von keiner 
Führerschaft, am wenigsten in Süddeutschland, wo ich niemals eine politische 
oder parlamentarische Wirksamkeit ausgeübt habe. Wenn Sie aber der 
Sache etwas näher treten und jene Angriffe, die ich nur ganz zufällig aus 
andern hiesigen Zeitungen ersehen habe, sich klar machen wollen, — worin be- 
stehen sie eigentlich? Sie bestehen darin: die Süddeutschen Radikalen oder 
Demokraten haben keine Sympxathie mit unserm Regiment insofern als sie 
dieses Regiment für ein fendales und absolutes in seinen Kämpfen und Nei- 
gungen und Manifestationen halten. Meine Herren, das kann ich ihnen 
nicht verdenken; denn ein solcher Tadel war allerdings begründet. Was 
werfen sie nun uns vor, uns den Preußischen Demokraten oder Fortschritts- 
leuten, wie Sie uns nennen! Daß wir dessen ungachtet für den 
Preußischen Staat sind, daß wir diesen Norddeutschen Bund wollen, daß 
wir ihn allerdings noch ausdehnen wollen auf das Nichtösterreichische Deutsch- 
land insofern als es möglich ist, — wenn es aber nicht möglich ist, den Nord- 
deutschen Staat, vor allen Dingen den Preußischen Staat durchaus wollen, 
und daß wir zunächst den Staat wollen und daß wir nachher in dem 
Staate auch die Freiheit wollen! Warum kann eine solche in der Natur der 
Sache und in der Natur des Liberalismus und der Demokratie liegende 
Stellung, daß man sein eigenes Land zunächst vertritt, nur mit einem Scheine 
angegriffen werden? Lediglich und allein deshalb, weil die gegenwärtige Re- 
gierung nicht auf dem Standpunkte der liberalen Idee steht. Thäte sie das, 
dann wäre es unmöglich. Sie hat selbst nicht auf diesem Standpunkte ge- 
standen, sie hat sich bequemen müssen zu Manchem, was die öffentliche Mei- 
nung in Deutschland und in Europa will. Sie hält aber noch mit sehr vielen 
Rechten in der Gemeinde und in den Grundrechten zurück, und wenn diese 
vollständig gegeben wären, so bin ich fest überzeugt, daß der Preußische 
Staat in Süddeutschland einen ganz anderen Anklang finden würde, als er 
jetzt findet! (Rufe rechts:. Sonderbar!) Ich finde darin doch wahrlich nichts 
Sonderbares. Erlauben Sie einmal, find denn die Süddeutschen etwa — 
lassen Sie mich das gleich doch widerlegen — denken Sie denn, daß das 
Land, welches einen Hegel, einen Schiller erzeugt hat, etwa auf einem 
niedrigeren Standpunkt der Intelligenz und Freiheitsliebe stände wic wir? 
Daran ist nicht zu denken! Ist es denn wunderbar, daß sie sich erst recht 
für uns interessiren werden, wenn sie finden, daß die liberale Idee in 
Preußen obenan steht? Ich denke das ist so einfach als möglich und darum 
wesentlich machte ich darauf aufmerksam, daß die wirkliche Freiheit, der 
eigeutliche freie Bundesstaat der einzige Weg sein würde die Vereinigung 
mit Süddentschland hervorzubringen. Und, meine Herren, mögen die Worte
	        
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