118 Historische Einleitung.
dem Vertrage geschehen ist. Und wenn ich diesen Standpunkt eingenommen
habe, so darf ich mich auf das Beispiel anderer Föderationen berufen, die
in der That in Bezug auf die Zusammenfassung der nationalen Kräfte nicht
weniger leisten, als wir vielleicht zu leisten im Stande sein werden, und
doch auch auf dem Gebiete nicht so weit unifizirend vorgegangen sind, als
die deutsche Bundesverfassung dieses thut. Ich crinnere in dieser Beziehung
an Amerika, an die Schweiz. In dem Standpunkte, den ich in dieser Be-
ziehung eingenommen habe, wurde ich — ich werde wohl nicht mißverstanden
wenn ich diese Ausdrücke gebrauche — von Patrioten Baierns und baieri-
schen Staatsmännern emstlichst unterstütt. Wir haben damals auch noch
mit ganz entschiedenem Gewichte die Unmöglichkeit betont, ein so hehes
Militärbudget für des Land zu übernehmen, wie es die Norddeutsche Bun-
des-Verfassung den einzelnen Staaten auflegt. Wir verzweifelten damals nicht
an der Möglichkeit, die Militärlast nicht etwa für uns allein — denn das hielt
ich für meinen Theil für absolut unmöglich — aber für ganz Deutschland
abzumindern, wenn der neue Bund geschaffen wäre. Auf unsere hiesigen
Propositionen, an deren Mittheilung, wie es scheint, das hohe Haus kaum
noch Interesse hat, wurde uns von Preußen zunächst eine Mittheilung nicht,
und zwar um deswillen nicht, weil früher, als es möglich war, daß uns eine
Erwiderung zuging, von Seite Würtembergs im Hauptquarticre der Antrag
gestellt worden ist, nunmehr die Verhandlungen in Versailles wieder auf-
zunehmen und dort mündlich zu Ende zu führen. Darauf hin, meine
Herren, wurde auch die baierische Regierung eingeladen, soferne es ihr zu-
sagte, nach Versailles Abgeordnete zu senden, um dort an den Verhandlungen
Theil zu nehmen. Man ließ es uns aber doch auch frei, wenn wir es vor-
zögen, die Rückkehr des Herrn Staatsministers Delbrück hieher abzuwarten.
Wir glaubten, daß es richtiger wäre, gemeinschaftlich mit den anderen Staaten
vorzugehen und so wurde der Beschluß gefaßt, einen Theil der Staatsregierung
nach Versailles zu weiteren Verhandlungen abzuordnen. Dort trat alsbald
gegen die von uns gehegten Erwartungen eine Trennung der Verhandlungen
ein. Nicht allein daß der Bundeskanzler den Vorschlag machte, es sollte
Staatsminister Delbrück zunächst mit den Abgeordneten der einzelnen
Staaten die Angelegenheit durchsprechen, sondern auch in der Weise ward
eine Trennung vorgenommen, daß man die sogenannten civilen Angelegen-
heiten, wenn Sie mir den Auddruck gestatten, ven den militärischen abge-
trennt hat. Es wurde im Reichstage gesagt, Baiern habe die Trennung
der Verhandlungen gewünscht. Nun ja, meine Herren, dieses ist insoferne
auch richtig, als von den baierischen Vertretern bei einer Gelegenheit geäußert
wurde, wir hätten die Absicht und den Wunsch nicht, störend in die Ver-
handlungen mit den übrigen Staaten einzugreifen und den Abschluß der-
selben zu verhindern. Sie erlassen es mir, meine Herren, nun noch auf die
weiteren Einzelnheiten des Verhandlungsstadiums einzugehen. Manches davon
entzieht sich jetzt, wo, wie ich glaube, ein gedeihliches Ende erzielt ist, der