Full text: Materialien der Deutschen Reichs-Verfassung. Band III (3)

706 Baiern. Kammer der Abgeordneten. 
Art ihrer Ausführung festsetzen kann. Wie diese Exekution ausgeführt wird, 
z. B. gegen Baiem, hat Ihnen klar bereits der Herr Kriegsminister gesagt, 
und ich brauche deshalb nicht darauf zurückzukommen. Die Sicherung gegen 
Uebergriffe liegt nicht in den Paragraphen einer Verfassung, sondern sie liegt 
in der Vertragstreuc, und wenn Baiern die Stellung, welche es in letzter 
Zeit eingenommen hat, auch fernerhin einnimmt, seien Sie sicher, Niemand 
wird die Stellung, welche Baiern vollberechtigt einnimmt, auch nur im Aller- 
geringsten anzutasten wagen. Ich bin durch die Natur der Verhältnisse 
darauf hingewiesen gewesen, die Acußerungen des Herrn Vorredners zu wider- 
legen; ich will mich auch darauf beschränken; ich will auf Niemandes 
Ueberzeugung irgend einen Einfluß zu üben versuchen, weil ich sowie Sie 
die Ihrer Entscheidung unterstellte Frage als die wichtigste, folgenschwerste 
ansehe, die je in diesem Hause zur Lösung gekommen ist. Erlauben Sie 
mir, daß ich noch einer Empfindung Worte verleihe, die mich in diesem 
Augeublicke ergreift. Wir sind im Verlaufe eines Jahres ziemlich oft in 
diesen Räumen versammelt gewesen. Ich weiß nicht, ob Jeder von Ihnen 
volle Befriedigung empfindet, wenn er sich an die Vergangenheit erinnert. 
Ich habe Grund anzunehmen, daß es nicht der Fall ist. Der geehrte Herr 
Vorredner hat gemeint, es wäre Alles gut gegangen, wenn die Staatsregie- 
rung sich bätte eutschließen können, auf die Majorität dieses Hauses sich zu 
stützen. Meine Herren! Wenn das möglich gewesen wäre, so will ich Ihnen 
sagen, was nach meiner individuellen Anschauung, die ja nicht maßgebend 
sein kann, die Regienmg gethan hätte. Sie würde Ihnen es überlassen 
haben, die Geschicke des Landes zu leiten. Ich für meinen Theil würde 
dazu gerathen haben, weun die Majorität dieses Hauses so gewesen wäre, 
daß daraufhin eine Regierung unbedingt Ihre Prinzipien zur Entwicklung 
hätte bringen können. Das war nicht der Fall, eine Majorität von 6 oder 
8 Stimmen, meine Herren, bringt jedes Land in eine sehr große Verlegen- 
heit, und deshalb hat vielleicht die Regierung eine Pflicht erfüllt, wenn sie 
bei ihren Handlungen sich lediglich auf das stützte, was sie von ihrem Stand- 
punkte aus als das Beste des Landes erkannte. Nun, meine Herren, was 
ist denn in dieser abgelaufenen Zeit geschehen? Mir hat es oft den Eindruck 
gemacht, als ob zwei Frauen sich stritten um das Recht auf ein Kind. Jede 
behauptet, sie sei die rechte Mutter, und unter dem Streite, — wer, glauben 
Sie, meine Herren, daß unter dem Streite leidet? Das Kleinod, das beide 
Streitenden retten wollen. Glauben Sie, daß die rechte Mutter die Thei- 
lung des Kindes verlange, um ihren Antheil zu bekommen? Gewiß nicht! 
Hier, meine Herren, ist Gelegenheit geboten, mit der Vergangenheit abzu- 
schließen. Es hat mir wehe gethan, und es thut mir jedesmal wehe — 
nehmen Sie mir das offene Geständniß nicht übel —, wenn man in diesem 
Saale sich bezieht auf das, was außerhalb dieses Saales vorkommt. Es 
widerspricht der Stellung, die dieses Haus einnimmt, wenn der Kampf, der 
draußen geführt wird, er mag geführt werden, wie er wolle, hier zum Aus-
	        
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