1352 Abschnitt XXVII. Wildschaden-Gesetz.
12. alle nicht im Binnenlande brütende Möven,
13. Kormorane,
14. Taucher (Eistaucher und Haubentaucher).
Auch wird der in der bisher üblichen Weise betriebene Krammetsvogelfang,
jedoch nur in der Zeit vom 21. September bis 31. Dezember je einschließlich,
durch die Vorschriften dieses Gesetzes nicht berührt.
Diie Berechtigten, welche in Ausübung des Krammetvogelfangs außer den
eigentlichen Krammetsvögeln auch andere, nach diesem Gesetze geschützte Vögel
unbeabsichtigt mitfangen, bleiben straflos.
§. 9. Die landesrechtlichen Bestimmungen, welche zum Schutze der Vögel
weitergehende Verbote enthalten, bleiben unberührt. Die auf Grund derselben
zu erkennenden Strafen dürfen jedoch den Höchstbetrag der in diesem Gesetze
angedrohten Strafen nicht übersteigen.
§. 10. Dieses Gesetz tritt am 1. Juli 1888 in Kraft.
Wildschaden-Gesetz.
Vom 11. Juli 1891 (G. S. S. 307) h.
Wir Wilhelm 2c. verordnen, unter Zustimmung beider Häuser des Land-
tages, für den Umfang Unserer Monarchie, mit Ausschluß der Provinz Hannover
und des vormaligen Kurfürstenthums Hessen, was folgt:
§. 1. Der durch Schwarz-, Roth-, Elch= und Damwild, sowie
Rehwild und Fasanen auf und an Grundstücken angerichtete
Schaden ist dem Nutzungsberechtigten nach Maßgabe der folgenden
Bestimmungen zu ersetzen. Z „
§. 2. Ersatzpflichtig sind in einem gemeinschaftlichen Jagdbezirke die
Grundbesitzer des Jagdbezirks nach Verhältniß der Größe der betheiligten
Fläche. Dieselben werden durch die Gemeindebehörde vertreten.
Hat bei Verpachtung der Jagd in gemeinschaftlichen Jagdbezirken die
Gemeindebehörde die vollständige Wiedererstattung der zu zahlenden Wild-
schadensbeträge durch den Jagdpächter nicht ausbedungen, so müssen solche
Jagdpachtverträge nach ortsüblicher Bekanntmachung eine Woche öffentlich aus-
gelegt werden. Sie bedürfen zu ihrer Gültigkeit der Genehmigung des Kreis-
ausschusses, in Stadtkreisen des Stadtausschusses, wenn seitens auch nur eines
Nutzungsberechtigten innerhalb zwei Wochen nach dieser Auslegung Wider-
spruch erhoben wird?).
§. 3. Ersatzpflichtig ist bei Enklaven (F. 7 des Jagdpolizeigesetzes vom
7. März 1850, G. S. S. 165, §. 9 des Gesetzes vom 30. März 1867, G. S.
S. 426 und F. 11 des Lauenburgischen Gesetzes vom 17. Juli 1872, Offiz.
Wochenblatt für Lauenburg S. 218) der Inhaber des umschließenden Jagd-
bezirks, sofern er die Jagd auf der Enklave angepachtet oder die angebotene
Anpachtung abgelehnt hat. Z
§. 4. Ein Ersatz für Wildschaden findet nicht statt, wenn die Umstände
ergeben, daß die Bodenerzeugnisse in der Absicht gezogen oder erheblich über
die gewöhnliche Erntezeit hinaus auf dem Felde belassen sind, um Schadens-
ersatz zu erzielen.
§. 5. Sofern Bodenerzeugnisse, deren voller Werth sich erst zur Zeit der
Ernte bemessen läßt, vor diesem Zeitpunkte beschädigt werden 6. 1), so ist der
Schaden in demjenigen Umfange zu erstatten, in welchem er sich zur Zeit der
Ernte darstellt. Z #
7 6. Der Beschädigte, welcher auf Grund der §§. 1 bis 3 Ersatz für
Wildschaden fordern will, hat diesen Anspruch bei der für das geschädigte
1) Kommentar von Holtgreven, Berlin 1891.
2) Ein Jagdpachtvertrag, der den Pächter nicht zum Ersatze der vergüteten
Wildschäden verpflichtet, und nicht auf die im §. 2 Abs. 2 vorgesehene Weise zu
Stande gekommen ist, entbehrt jeder Gültigkeit, E. Crim. XXVI. 147.