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Warum sollt' ich nicht weinen?
Der bittre Tod ist mein,
:: Das Himmelreich ist sein! ::
Der Grundstock dieses aus Nordböhmen stammenden Passionsliedes, dem das
alte Lied von der wandernden Mutter, die ihren Sohn sucht, zu Grunde liegt,
findet sich schon in Koler's Ruefbuechl. Vgl. Erk-Böhme III, 2060. Mittler 342 ff.
Köhler-Meier, Nr. 1. Böckel, S. 7. Ditfurth, Nr. 260. ·
Nicht selten stimmen auch die Gäste in den Schankwirtschaften
irgend einen Weihnachtsgesang an (Schn.).
In Wo. zieht am h. Abend der Nachtwächter von Haus zu Haus
und singt Weihnachtslieder und -choräle. Erwachsene begleiten ihn,
stimmen auch in seinen Gesang mit ein, nehmen dafür aber auch an
bestimmten Gaben teil, wie an Grog und Bier, während Geld allein
dem Nachtwächter gehört.
In Br. ziehen vom dritten Weihnachtsfeiertage bis zum Silvester
Musikanten von Haus zu Haus, Choräle und Tänze spielend.
Liebesorakel. Mit einem Apfel, der seit seiner Reife im Bette
des Mädchens lag, stellt sich dieses am 1. Feiertage, wenn die Glocken
zur Kirche rufen, unter die Haustür. In die Verwandtschaft des sich
zuerst nahenden Mannes heiratet es (A. 364). Der Apfel ist das
Sinnbild sinnlicher Liebe. Ein solonisches Gesetz empfahl den Bräuten,
bevor sie in das Brautgemach eintraten, einen cydonischen Apfel zu
essen; im ganzen Altertume galten nämlich die Apfel als ein symbolisches
Werkzeug Liebe zu erwecken.
Silvester.
Als Gipfelpunkt der Bedeutung der Zwölften gilt die an Wahr-
sagerei und Zauberwesen reiche Silvester= oder Neujahrsnacht. Blei-
gießen, Salzhäuschensetzen und Schuhwerfen sind an diesem Abend
weithin üblich. Der von der Hausfrau geworfene und mit seiner
Spitze nach der Tür zeigende Schuh kündet Wohnungswechsel im neuen
Jahre an (A., Cr., Ge.), dem Werfer Tod (Schl.). So viele Särge man
in der Ofenpfanne, in der Esse erblickt, so viele Todesfälle stehen in
der Familie bevor (Ei., Gey. 358). Verbreitet ist das Horchen auf
Kreuzwegen. Hört man Kanonenschüsse und Donner, so kommt Krieg,
sieht man einen Erntewagen, so ist eine reiche Ernte zu erwarten, sieht
der Betreffende aber einen Leichenzug auf dem Dache seines Hauses,
so muß er sterben (Ei. 359"). Der Horcher zieht drei Kreise um sich
herum und bleibt eine Stunde lang, ohne zu sprechen und sich zu rühren,
im kleinsten stehen. Während dieser Zeit werden ihm kommende Un-
glücks= und Todesfälle, teure und billige Zeiten kund. Alle Enthüllungen
müssen ein Geheimnis bleiben (Nie. — Mtt. d. V. f. s. V. III. S. 319.).
Unter dem Zwölfuhrschlagen späht man vom Kirchturme aus nach den
vier Himmelsgegenden; die Häuser, hinter denen sich ein rötlicher Schein
zeigt, brennen im kommenden Jahre ab. Man gießt drei volle Mäßchen
Wasser in eine Schüssel und stellt diese in einen leeren Kasten. Nachts
drei Uhr gießt man das Wasser zurück. Ist's weniger geworden, so
geht man den Krebsgang; wenn mehr, so ist das Gegenteil der Fall.