Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

 

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Uummer  230  ERosenelmen  Anzelgert.  bienstag,  6.  Oktober  614
unterrichleter  Seile  mitge-  Krise  stehe.  Das  Ministerium  weigerc  sich,  die
*’  E  EWoln  sichr  8  offene  Stadt  ge-  KFelagerungegeschütze.  *  Maßnahmen  des  englischen  Kommandanten  anten
  kann,  weil  sie  ein  Forl  und  drei  Batterien  Unsere  photographische  Aufnahme,  die  vom  dasselbe  in  Feuerbereitschaft,  daneben  durchzuerkennen  und  zu  verössentlichen.  Der  englische
mit  etwa  20  Geschutzen  verschiedenen  Kallbers,Generalstab  zur  Verössennichung  genehmigt  seppelin  Bomben  zerstörte  Wohnhäuser  inKommandant  lasse  alle  Gebäude  militärisch  bebesitzt.
  wurde,  zeigt  unten  ein  moderner  VelagerungeAntwerpen.  '  setzen.
Saag,  4.  Oll.  Der  Kreuzer  „Leipzig“  hat  geschutz,  traus  —#3  oben  in  der  Miite  —  Die  Deutschen  in  Aegypten.

in  den  nordpernanischen  Gewässern  den  englischen
  Dampfer,  Banisield“  mit  6000  Tonnen
Zucker,  die  für  Liverpool  bestimmt  waren,  und
einen  Wert  von  zweieinhalb  Millionen  Mark
darstellten,  versenkt.  Die  Mannschaften  der
„Bankfield“  wurde  von  einem  anderen  Dampser
  nach  Calao  gebracht.
Der  Kamofs  um  Tsingtau.
Berlin,  3.  Olt.  (Nicht  amtlich.))  Wenn
mar  die  bisher  vorliegenden,  um  Teil  allerdings
  englischen  Quellen  entstammenden  Nachrichten
  über  den  Angriff  unferer  Gegner  auf
Tsingtau  msammenfaßt,  ergibt  sich  fsolgendes
Bild:  Vereinigte  japanische  und  englische  Streitträtte
  gelangten  am  Sonntag,  den  27.  Sept.
nach,  unbedeutenden  Scharmüßein  nit  vorge-Wchebenen
  deutschen  Streitkräften  bi;  an  den
Siiunfluuß.  Hier  murde  ihr  reduer  Flügel  vm
Innern  der  Bucht  aus  durch  drei  oeutsche
Schiffe  beschofsen:  bis  iapanische  Flieger  ein-Oreisen
  Die  Flieger  wurden  dabei  beschädigt.
S#%  Gesamtverlust  des  Gegners  beirug  150
Thte.  Die  deutschen  Verluste  sind  unbelannt.
Während  der  Kämpfe  hat  ein  deutichhes  Ka—
nonenboot  die  deutschen  andtruppein  in  voreüg#icher
  Weise  unterstützt.  Das  Kandnenkoet
wurde  von  der  japanischen  Flotte  angegriff.  nun
scheint  aber  unbeschädigt  geblieben  zu  sein.  Am
23.  September,  v  während  Tsingian:  zu  Land  ganz
ab  geich'ossen  wurde,  beschoß  eine  sapanicche  Linienschiffsdivision
  zwei  deutiche  Küftenb#alterien
dic  kräftig  antworteten.  Die  deutschen  Verluste
sind  unbekannt.  Am  folgenden  Tage  be  zamn  die
Hecresmecht  der  Verbündelen  ihren  Annrifj  auf
vorgei  ick  obene  deutsche  Stellungen.  An-  Geineno
din  der  Angriff  auf  die  deutsche  Hauptvertei
digungelinie.  Von  deutscher  Seite  vurde  8.
Einsebung  aller  Kräfte  geantwortet.
Indische  Truppen.
London,  4.  Olt.  Die  Ausschiffung  der  inrdiichen
  Truppen  fand  in  Marseille  siatt.  Unter
ihnen  befinden  sich  Ghurka-Truppen  aus  dem
Pendschab  und  aus  dem  Beiutschistan.  Die
„Times“  melden  aus  Marseille:  An  der  Beförderung
  der  indischen  Truppen  haben  20  Dampfer
  teilgenommen.
Die  engltichen  Oftiziere-London,
  4.  Okt.  Ein  an  der  Fromt  ilehender
  Offier  joreibt  in  der  Times:  Dis  meisen
englischen  Offiziere  haben  sich  in  ganz  falicher
Weise  ausgerustet,  als  bb  sie  in  einen  Kolonialkrieg
  oder  auf  eine  Expedition  King:  en  oder
als  #l  sie  erwarteten,  spät  im  Freien  zu  Ichlafen.
  Andere  nahmen  große  Mengen  von  Kerzen,
Seifen,  Geschirt,  Patent-  Medirin,  Betten  usw.
mit,  als  ↄb  die  Franzojen  im  Dunkeln  lebten.  sich
niemals  wüschen  oder  äßen  und  auf  dem  Fußboden
  schliefen.
Ein  englisches  Kriegsschit  in
Aifiabon.
Paris,  4.  Olt.  Nach  einer  Meldung  der
„Daily  Mail“  traf  ein  englisches  Kriegsschiff  om
Montag  in  Lissabon  ein.  Der  Präsident  der
Repubeit  begab  sich  von  Cascaes  nach  Lissabon,
um  den  Kapitän  zu  empfangen.  Man  bringt
den  Besuch  in  Verbindung  mit  einer  vorungegangenen
  Konferenz  in  der  englüchen  Fesandtschaf"#welcher
  der  englische  und  er  anzösisch:
GWesandte  und  der  porkugiesische  Ministerpräsident
  beiwohnten.
Der  Zar  aus  dem  Kriegsichaupla.
platz.

Petersber,  4.  Ott.  Der  Jar  hat  sich
zu  dem  Kriegsschauplatze  begeben.

Gundula.

2  Noman  von  A.  von  Trunledl.

„Vielleicht  wirst  du  über  kurz  oder  lang
iä  die  Lage  kommen,.  Gundel  wieder  unter
deinen  versonlichen  Schun  nehmen  zu  müssen  —“
das?  Regt  sich  die  Lust  zu  einem
abenteuerlichen  Leben  wieder  in  dir
„Das  weniger.  Aber  man  Aera  ja  niemals
  wissen,  wie  es  kommt.  Ich  habe  mein
Haus  bestellt.  Gundula  ist  meine  Universalerbin
—  nach  meinem  Heimgange  ein  reiches  Mädchen.
Willft  du  mir  versprechen,  Gundula  nach  eigem
Tode  wieder  zu  dir  zu  nehmen?  Ihre  Vereinsamung
  macht  mir  so  große  Sorge:  sineigt
  sehr  dazu,  sich  von  den  Menschen  abzuschließen,
  und  das  taugt  nicht  für  ein  junges
Mädchen.  Du  brauchst  nicht  zu  fürchten,  daß
dir  Ungelegenheiten  aus  Gundulas  Anwesenheit
  erwachsen;  sie  ist  ja  kein  Kind  mehr  und
sicher  taktvoll  genug,  um  allen  Konflikten  in
deinem  Hause  sorgsam  aus  dem  Wege  zu  gehen.“
„Aber  mein  lieber,  bester  Olto,  was  sind
das  für  Reden?  Seloftverstandlich  kann  Gundulao
  jederzeit  in  das  Haus  ihres  Vaters  zurück.
kehren,  und  gegebenenfalls  werde  ich  meine
jungste  Tochter  zu  schützen  wissen.  24  bin  doch
kein  Pantoffelheld,  wenn  ich  auch  den  Frieden
über  alles  liebe  und  aus  diesem  Grunde  meine
Frau  nach  Gesallen  schalten  lasse.  Gundula  ist
mein  Herzenskind,  und  ich  wäre  glücklich,  se
wieder  in  meiner  Nähe  zu  haben.  Nur  u
diesen  Preis  möchte  ich  es  nicht.  Der  n
erhalte  d  une  -  lange,  das  ist  mein  auftiger


*-  n  t  Schwager.  So  wöre  auch
diese  2  d  geordnet,  die  mir  schwer

 

  

 

 

 

 

Die  Rufsen  in  den  Karpaten
geschlagen.

Budapest,  J.  Olt.  Das  Ungarische  Korrlespondembureau
  meldet  aus  Nyiregy-DaiG:
Nach  einer  von  dem  Obergespan  des  Komita:s
Mar#zmarasch  eingegangenen  Meldung  haben
unsere  Truppen  in  der  Gegend  von  Oelörm5
in  siegreicher  Schlacht  die  in  Marmaros  eingedrungenen
  Russen  geschlagen.  Der  Feind  3og
sich  in  Unordnung  nach  der  Grenze  mrüd.  Unsere
  in  der  Umgebung  von  Körösme  recsammelten
  Truppen  haben  gleichsalls  den  Kamof
mit  den  Russen  aufgenommen,  deren  Verjagung
binnen  lurzem  erfolgen  wird.

Rußland  und  England.

Franlfurt  a—M.,  4.  Okt.  Der  „GEranlf.
Zig.“  wird  von  ihrem  Korrespondenten  aus
Konstantinopel  gemeldet:  Jwischen  dem  rusjiHschen
  und  dem  englischen  Volschafter  hat  ein
erregter  Wortwechsel  statlgesunden.  Rußland
wirft  England  vor,  durch  übereilte  Handlungen
des  englischen  Geschwaderchefe  wichtige  kussische
Interessen  auf  das  Empfindlichste  geschädigt  zu
haben.  Ich  erfahre  zuverlässig,  Nußland  machte
  mit  einer  neutralen  Heeresverwaltung  größere
  Arschlüsse  zur  Lieferung  von  Kriegsmaterial,
  besonders  eines  Artillerieparls,  deren
Zusieilung  durch  die  Dardanellensperre  jetzt
größtenteils  unterbunden  ist.

Eine  italieniiche  Warnung.

Rom,  4.  Olt.  „„Giornale  d'IJlalia“  druct
einen  Teil  eines  BVrieses  an  das  Fiorentiner
Wgcchenblatt  „Voce“  ab,  in  dem  don  der  Art
und  Weise  die  Rede  ist,  wie  Htalienisch.  Freiwiilige
  in  Frantreich  behandelt  werden.  Die  italienischen
  Freiwilligen  werden  in  die  Fremdenl=  gion
gesteckt  und  als  Kanonenfutter  verwendei.  Man
bhot  ihnen  als  Ofsiziere  Korporale  gegeben.  Die
materiellen  Bedingungen  lind  einfach  furchker-Iich,
  sodaß  man  alle  möglichen  Seuchen  eriberten
darf.  Drei  Leute  sind  schon  an  einer  verdächtigen
  Krankheit  gestorben.  10  0  Tage  lang  habe

 

 

mon  sie  mil  einer  unglaublichen  Nachlästigleit
behandelt  und  aus  sgebildet  und  diese  kräslinen
überzeugten  Menschen  in  einen  Hausen  Mutlo##
vermrdelt.  Der  Artikel,  mit  dem  das  ,  Giarnal:
  d'Italia““  den  Abdrud  des  Briefes  einleitel,
  räl  vom  Eintritte  in  die  Fremdenlegion
ab  und  hebt  hervor,  daß  Jlalien  seine  Söhne
ietzt  ĩelbĩt  braucht.
Serbien  vor  dem  Zusammenbruch.
Wien,  4.  Olt.  Die  Sudflavische  Korrespondenz
  meldet  aus  Serajewo,  Aussagen  dec  den
iineeliigenteren  Ständen  angehörigen  jüdflavif  chen
Hriegsgefangenen  stimmen  darin  überein,  daß
die.  politische  und  mililärische  Lage  Serbieno
überaus  ernst  sei.  Nur  mit  (Gewaitmitteln  gelänge
  es  der  um  den  Kronprinzen  gescharten
Osffi-  ierspartei,  die  blindlings  den  Befehlen
Rustlands  gehorche.  den  allgeme:  nen  Zulammenbruch
  zu  verkindern.  Die  röllig  erschöpfte
Berellerung  des  Landes  wunnsche  das  Ende
des  Krieges  herbei  und  werde  keinen  Moment
zgern,  sich  von  denjenigen  Elementen  los  zu
machen,  die  man  als  Ursache  des  unaufhaitsamen
  Niederbruches  in  Serbien  ansehe.

Gegen  die  rumänischen
Kriegs-Heh#er.

Berlin,  4.  Oll.  Nach  einer  Meloung  aus
Bularest  hat  der  Kronprinz  von  Rumänien

die  russenfreundlichen  Elemenie,  welch:  darauf
ausgingen,  König  Karol  zur  Abdankung  zu
treiben.  und  mit  Hilfe  des  Thronerbens  Rumänien
  auf  die  Seite  des  Dreiverbandes  zu
bringen,  in  unzweidentigster  Weise  abgeschütltelt.
  Er  erklärte  ihnen,  er  werde  niemals  den
rumänischen  Thron  besteigen,  wenn  die  Treibereien
  der  Nassophilen  den  König  zum  Rücktritte
  veranlaßten.  Damit  wird  das“  von  russischen
  Agenten  verbreitete  Märchen  hinfällig,
daß  der  Thronerbe  sich  mit  jeinen  politischen
  Anschauungen  bezüglich  der  wahren  Inleressen
  Rumäniens  im  Gegensatze  zu  König
Karol  befinde.

Aegypten  vor  der  Krise.
Wien,  4.  Olt.  Die  „Wiener  Reichspost“
meldet,  daß  Aegyplen  un.nittelbar  vor  einer

 

London,  4.  Olt.  Die  „Times“  melden  aus
Kairo:  Der  Oberbefehlshaber  der  Oklupalionsarmee
  hat  verfügt,  daß  alle  sich  in  egyplen
  aufhaltenden  Deutschen  und  Oeslerreicher
  bei  Strase  der  Verhaftung  durch  die  Militärbehörden
  sich  bis  zum  10.  ds.  Mte.  registrieren
  lassen  müssen.  Die  Verfsügung  ist  für
den  Sudan  ergangen,  wo  Deutsche  und  Oenterreicher
  ihren  Wohnort  nicht  ohne  Pah  verlassen
dürfen.

Japan  und  China.

Tolio,  4.  Okt.  Von  maßgebender  Sielle
verlautel.  baß  die  japanische  Regierung  als  Aut
wort  auf  die  Vorstellung  der  de#ineiischen  Regierung
  wegen  der  Besetung  der  Schantungbahn
  durch  die  Truppen  der  Verbündelen  eilicren
  wird,  die  Linie  werde  von  den  Deut—
ichen  beuupzi,  um  die  Besestigungzu  erlte  on
Tsingtau  gegen  die  englisch-iananischen  Truppen
  m  verstärlen;  ferner  müsse  ihre  Besehung
als  unbedingte  militärische  Naitwendizzleit  betrachtet
  werden,  die  den  Rechten  Chenas  nach
Beendigung  des  Krieges  in  keiner  Weiee  schaden
werde.

1  (Lichtamtliche  Meldungen.“

Unsere  wirtschaftliche  Kraft.

Beriin,  1.  Oll.  Aufs  die  Kriegsanleihen
war  bis  gestern  bereils  eine  Bareinzanlung  bei
der  Reichsbank  in  der  Höhe  von  918  Mill.
Mark  gelciste!  zarpete  oowbohl,  kr  erste  Einzeichnungslag
  der  5.  ds.  Mte.  ·

Ein  deutscher  an
mde

Berlin,  4.  cin.  Die  „Lof.  319“  schreibt:
Der  „Times“  wird  aus  Colombo  (Cemon)
gemeldet,  daß  sich  rin  Vetter  des  Deutschen
Kaisers  an  Vord  des  Kreuzers  „Emden“  befinde.
Einem  gesunkenen  britischen  Oberil  von  einem
der  Handelsschifse  sagte  der  Kommandaut  des
Krenuzers,  daß  er  wohl  damit  rechne,  von  englischen
  Kriegsschiffen  angegrissen  zu  werden,
daß  er  es  aber  den  Engländern  schmer  machen

Bord  der

werde.  Mit  dem  Vetter  des  Kaisers  isl  der
Prinz  Franz  Joseph  von  Hohenzollern,  ein
Sohn  des  Fürsten  von  Hohenzollern  und

Schwager  des  Erlönige  Manuel,  gemeinte.  Der

24  jährige  Prinz  ist  als  Leutnant  z.  S.  auf  den

Krenzer  „Emden“  lkommandiert.

Die  sozialdemoklratiichen
Gewerkschaften  im  Krieg.

Berlin,  4.  Okt.  Nach  den  Angaben  der
Verhandsvorstände  find  589  755  Gewerkschaft
mitglieder  bis  Anfang  September  zum  Heere
eingergen.  Die  Zahl  der  tatsächlich  Eingezogenen
  dürfte  wesentlich  höher  sein,  denn  bei  dem
Verband  der  Fabrikarbeiter  find  z.  V.  nur
69,5  Prozent  der  Mitglieder  von  der  Crhebung
crfahßzt.

Zu  den  Kämpfen
riegs  F  ichaupla#,

Berlin,  4.  Olt.  Der  Sresal  Teiponoent
des  „Verliner  Vokalan#zeigers“,  Stoffers,  meldet
  aus  Düsseldorf:  Ich  habe  am  Mittwoch,
den  30.  September  im  Operationsgebiet  des
Argonnenwaldes  und  nördlich  von  Verdun  geme(ilt.
  Drei  französische  Fesselballons  waren
über  der  belagerten  Stadt  sichtbar.  In  der
Nähe  des  Bahnhofes  von  Verdun  zeigte  sich
reg'e  militärisches  Teben.  Zur  Jeruhigung  der
lunftbegeisterten  Engländer  lann  milgeteilt  werden,
  daß  die  Kathedrale  unversehrt  ist.  West
lich  von  Verdun  auf  den  Höhen  und  im  Tal  des
Argonnenwaldes  waren  Ceschützgesechte  im
Cange  und  die  Franzosen  schossen  ihre  eigenen

ntnt———————8—8—————“

am  westklichen

 

auf  der  Seele  lag.  Müinndlich  läßt  sich  so  etwas
immer  belter  estedigen  als  schriftlich.“

„Gewiß.  Ich  an  deiner  Stelle  würde  freilich
nicht  des  Teusel  an  die  Wand  gemalt  haben.
Aber  nun,  mein  Freund,  müssen  wir  aufbrechen,
es  ist  die  höchste  Zeit,  wenn  wir  unseren  Zug
noch  erreichen  wollen.“

Eine  Viertelstunde  später  fuhr  der  Bankier
dem  neuen  Automobil  seines  Schwagers  zur

hn.

Vera  winkte  lachend  mit  dem  Tuche:  In
zebn  Jahren  sehen  wir  uns  wieder!“  rief  sie
lachend  zurück,  ofsenbar  froh  darüber,  daß  der
Besuch  überstanden  war.

13.  Kapitel.

Schloß  Chatelaine  liegt  auf  einer  waldigen
Anhöhe  im  nordlichen  Frankreich.  Ein  ziemioh
steiler,  beschwerlicher  Weg  führt  hinauf.  Und
wehte  im  Tal  die  Oktoberluft  milde  und  erquickend,
  lo-  strich  hier  oben  ein  eisiger  Ost
über  kahle  Felsvorsprünge,  die  mit  niedrigem
Heidekraut  spärlich  bedecht  ware

n  der  Mittagsstunde  war  der  Weg,  welcher
stellenweise  an  steilen  Abgründen  vorbeiführte,
hemiaich  beleb

Einige  Tone,  welche  Lebensmittel  im
Schlosse  abzuliesern  hotten,  waren  unterwegs,
ebenso  der  Postbote  und  ein  kleiner  Trupp

Reisender,  denen  man  die  herrliche  Aussicht
ins  Tol  gerühmt  hatte.

Unter  ihnen  befand  sich  auch  der  Bankien
Eicke  aus  Berlin.  Ihn  führte  aber  noch  ein
anderer  Zweck  vorn  hinauf,  als  Naturschönbeiten,
  4  bewunder

ckehatte  lenter.  Gatiun  die  längst  vergrecher
  sat  nach  Paris  bewllligt,  seinen
amen  selbst  dorthin  das  Geleit  gegeben  und

 

wei  volle  Wochen  mit  ipuen  zusamm
alerien  und  Salons  #eucht.

Nun  rief  die  gi.  ihn  heim.  Seine
Damen  aber  haue  e  unter  dem  Schutze  eines
Kavaliers,  des  Herra  von  Chatelaine  zurückgelassen,
  welcher  sah  innen  schon  auf  der  Reise
nach  Paris  angeschlolsen  hatte  und  seitdem  ihr
ständiger  Berater  und  Begleiter  gewesen  war

Anatole  de  Chatelaine  hatte  von  der  ersten
Stunde  ihrer  Bekunntschaft  an  ein  feuriges
Interesse  für  Bera  ganz  unverhohlen  zur  Schau
gelragen.  Zu#re  Schönheit,  ihr  Geist  schienen
ihn  unlöslich  gesesselt  zu  haben;  denn  sie  behandelte
  ihn  sehr  schlecht,  war  launisch  und  so
unberechenbarer  ihm  gegenüber,  denn  je.

hu  aber  schien  das  nicht  anzufsechten,  er
warb  mit  einer  bewundernswerten  Langmut
und  Zürtlichkeit  um  die  reizende  Tyrannin.
So  viel  Ergebenheit  schien  ihr  Herz  endlich

u  rühren:  denn  als  Chatelaine  ihr  einen
Antrag  machte,  wies  sie  ihn  nicht  zurück.

Er  schien  überglücklich,  daß  sie  ihn  erhörte
und  gab  seiner  Freude  in  der  seinen  Wesen
eigenen  Koidenschaktlichkein  Ausdruck.  Er  1
auch  durchblicken,  daß  er  zu  den  reichsten  und
angesehensten  Kavalieren  des  Landes  gehöre
und  später  mit  seiner  Gattin  auf  dem  Schlosse
seiner  Väter,  dem  alten,  wettersesten  Chatelaine,
Jagd-=  und  andere  Feste  zu  halten  gedenke,
von  denen,  wie  in  füberen  Jahren,  die  ganze
Umgegend  sprechen

Diese  Al#sichten  5#  g#n  ängende,  hervorragende
  Rolle  in  der  ersten  Parlser  Gesellschaft
zu  pielen,  befriedigten  Vera  ungemein,  und
sie  malte  sich  bereits  in  leuchtenden  Farben
das  Leben  aus,  welches  sie  als  Schloßherrin
lühren  würde.  Sie  war  ihrem  heimlich  Verlobten
  gegenüber  —  Anatole  hatte  bei  Eicke  in

 

aller  Form  um  Veras  Hand  angehalten  —
jetzt  nicht  mehr  so  spröde  und  kapriziös  wie
fruher,  wenn  sie  ihn  auch  immer  noch  fühten
ließ,  daß  er  es  sich  sur  Ehre  schätzen  konnte,  von
ihr  bevorzugt  zu  werden

Eicke  aber  hane  8  dieser  ganzen  Sache
seine  eigenen  Gedanke

was  in  dem  Wesen  des  jungen
Mannes  flößte  dem  welterfahrenen  Bankier
Mißtrauen  ein.  Er  äußerte  sich  darüber  weder
seiner  Gattin,  noch  Vera  gegenüber,  aber  er
auf  se  ner  Rückreise  nach  Berlin  heimlich
  und  in  aller  Stille  zu  ersorschen,  ob  ein
Schloß  Chatelaine  existiere.

Zu  seiner  (Gemugtuung  ersuhr  er  alsbald,
daß  Schloß  Thatelaine  zu  den  ältesten  und
imposantesten  Burgen  gehöre,  die  Frankreich
aufzuweisen  habe,  und  daß  der  letzte  Sproß
der  Adelsherren  ein  sehr  reicher,  Cutherziger
und  von  seinen  Untergebenen  vergötterter,  bei
den  Standesenofsen  bochangesehener  junger
Aristokrat  sei.

iese  Auskunft  genügte  dem  Bankier
eigentlich  schon,  und  in  der  Stille  bat  er  seinem
zukünftigen  Schwiegersohn  das  ihm  entgegengebrachte
  Mißtrauen  ab  «

Aber  dem  schönen.  alten  Schlosee,
in  welchem  a  2  seine  älteste  Tochter  idre
Heimat  finden  sollte,  wollte  er  es  nun  auch  aus
nächster  Nähe  in  Augenschein  nehmen.

Darum  hatte  er  sich  den  anderen  Reisen.
den  e5  und  er  scheute  den  beschwer.
Hichen-  00  zur  selsigen  4½  tinauf  nicht,  trotz.

hi  sauer  genug

ön  t  Fels  antc,  ern  vorüber,  und
stellenwelse  gewann  man  einen  Bllck  ins  Tal,

 

·C
r.
r—N

 

wo  ein  klelner  Fluß  in  vielen  Windungen
Von  bier  oben  aus  aesehen

dahinrauschte.