524 Fünftes Buch. III: Fürstenbund gegen Heinrich VI.
hatten, ihn sobald zu wiederholen. Aber es war dem Herzoge auch gestattet,
durch Bestrafung der Verräter unter seinen eigenen Vasallen einesteils sein
Ansehen von neuem zu befestigen, und zugleich seine Begierde nach Rache zu
befriedigen. Ludolf von Braunschweig nämlich war zwar durch die Ver-
mittlung des Pfalzgrafen bei Rhein mit in den Frieden eingeschlossen worden,
hatte ihn aber sofort gebrochen und war mit Ekkebrecht von Wolfenbüttel ver-
wüstend in das Braunschweigische eingefallen. Jetzt sandte Heinrich ein
starkes Heer unter seinem ältesten Sohne und dem treuen Bernhard von
Wölpe aus, das Wolfenbüttel und Dahlum binnen kurzem eroberte, Ludolf
von Braunschweig nebst seinem jüngeren Sohne gefangen nahm. Das Schloß
Dahlum wurde Anhängern des Herzogs zur Nutznießung übergeben. Dann
wandte sich der junge Heinrich gegen den Grafen Ludolf von Peine, seincs
Vaters Jugendfreund, den dieser mit Wohltaten überhäuft und der zum
Dank dafür bei seinem Unglück von ihm abgefallen war, sogar den Grafen
Konrad von Rode zu gleicher Treulosigkeit veranlaßt hatte. Seine Burg
ward nun erobert und gänzlich zerstört").
Wieder brach das Gestirn des Welfen siegreich durch die Nebel, die es um-
geben hatten. Vermochte er noch nicht, seine letzten Verluste wieder gut zu
machen, Stade und Lübeck zurück zu erobern, Bernhard von Ratzeburg —
dessen Vater indes gestorben war — zu bestrafen: so hatte er doch in diesem
Sommer den Höhepunkt der Gefahr überstanden und konnte hoffen, im
nächsten Feldzuge den gedemütigten und vereinzelten Feind wirklich nieder-
zuwerfen. Endlich schien es auch, daß das, was er vom Beginne an in seine
Berechnung gezogen, um was er beständig gefleht hatte, in Erfüllung gehen
würde: Graf Adolf III. geriet mit König Knut von Dänemark in Krieg.
Dies hatte folgende Bewandtnis. Der König war kinderlos und suchte
deshalb sein Reich seinem Bruder Waldemar zu sichern. Aus diesem Grunde
hatte er das Herzogtum zu Schleswig dem Bischof Waldemar genommen
und es seinem eigenen Bruder übertragen. Darüber war der ehrgeizige Prä-
lat sehr erzürnt; und teils um sich zu rächen, teils weil er überhaupt auf das.
dänische Reich Anspruch machte — denn er gab sich für einen unechten Sohn
Knuts des Fünften aus, obwohl er als Beweis nur das Zeugnis seiner Mutter
beibringen konnte — begann er, sich gegen den König zu erheben. Er traf
zu diesem Angriff die umfassendsten Vorbereitungen und begab sich zu König
Swerrer von Norwegen, der besonders dem Erzbischof Absalon von Lund,
dem getreuen Freunde Waldemars I. und Knuts VI., feind war, sowie nach
Schweden, dessen König er gleichfalls für sich gewann. Auf der anderen
Seite knüpfte er mit der kaiserlichen Partei in Deutschland an, die natürlich
sich gern gegen den Feind ihres Oberherrn kehrte, sobald sie hierin einige
Aussicht auf Erfolg hatte. Außerdem wünschten die nordalbingischen Fürsten
der unbequemen Nachbarschaft des mächtigen und kühnen Dänenkönigs ent-
*) Ann. Stederb., p. 226 f.