Full text: Deutsches Kolonialblatt. III. Jahrgang, 1892. (3)

schläge für die Verbesserung der Einrichtungen 
jener Linie und befürwortet eine Revision des 
mit derselben geschlossenen Vertrages. Eine 
solche sei im Hinblick auf die Eröffnung einer 
direkten deutschen Dampferverbindung zwischen 
Deutsch-Ostafrika und Indien dringend geboten. 
Die letztere Einrichtung bedentet nach Ansicht 
des Verfassers „die Bankerotterklärung des 
deutschen Kapitals gegenüber dem kolonial= 
politischen Prinzip, daß die Kolonie das beste 
Absatzgebiet für die Industrie des Mutterlandes 
sein soll“. Dr. Kaerger fürchtet, daß, falls 
wir verabsäumen, einen direkten Verkehr der 
Kolonie mit dem Mutterlande schon jetzt durch 
eingreisende Maßnahmen anzubahnen, dies mit 
jedem Jahre sich erweiternde Absatzfeld uns 
verloren gehen wird. 
Was die Beförderung der Einfuhr kolo- 
nialer Produkte in das Mutterland betrisft, so- 
befürwortet Dr. Kaerger für gewisse Früchte, 
als Ananas. Mango-Marmeladen, Jugwer, 
getrocknete Bananen Zollvergünstigungen bei 
der Einfuhr in Deutschland; wichtiger noch er- 
scheint ihm, daß bei der Ausfuhr aus der 
Kolonie ein höherer Zollsatz — 10 bis 15 Pro- 
zent mehr — von allen Erzeugnissen erhoben 
wird, welche nicht nach Deutschland verschifft 
werden. 
Den Ausfuhrzoll auf Tabak und Nelken 
empfiehlt er gänzlich aufzuheben, da deren durch 
weisse Unternehmer betriebene Kultur möglichst 
zu begünstigen sei; den Ausfuhrzoll auf die 
von Eingeborenen angebanten Produkte dagegen 
will er bestehen lassen, da derselbe ein vor- 
treffliches Mittel bietet, die Eingeborenen zu 
besteuern und auf diese Weise ein Entgelt für 
unseren Schutz zu erhalten. Um den Anban 
des Kaffee, Kakao und anderer Gewächse zu 
fördern, welche vermöge ihres langsameren 
Wachsthums längere Zeit gebrauchen, ehe sie 
Ertrag liefern, befürworket er die Gewährung 
von Ausfuhrprämien. Auch spricht er sich für 
die Ertheilung von Gewerbemonopolen unter 
näherer Darlegung der Gründe aus, welche 
dieselben für junge Kolonien nühßlich erscheinen 
lassen. 
Bedeutende Erfolge in finanzieller Hinsicht 
verspricht sich der Verfasser, wenn die Dorf- 
häuptlinge angehalten würden, längs der dentsch- 
ostafrikanischen Küste bis zu 10 km landein- 
wärts Kokospalmen anzupflanzen. Nachdem er 
ferner seine Ansicht über die einzuschlagende 
Methode der Landvertheilung und die noth- 
wendigen Vorarbeiten für die Ansiedelung im 
Hinterland von Tanga längs der Eisenbahn 
nach Korogwe dargelegt hat, empfiehlt er ins- 
besondere die Aulage einer landwirthschaftlichen 
Versuchsanstalt in Vondö. 
217 
  
Wenngleich nicht unerwähnt bleiben soll, 
daß manche Vorschläge des Verfassers, wie dic- 
jenigen über „Kolonisation im großen Stil“, 
sich kaum als durchführbar erweisen dürften 
und daß seinc Auffassung gewisser internationaler 
Vereinbarungen nicht durchweg als zutreffend 
bezeichnet werden kann, so zeugt doch das vor- 
liegende Buch von umfassenden Kenntnissen 
und enthält auch eine Reihe auregender Ge- 
danken, so daß es als eine immerhin bemerkens- 
werthe Erscheinung der neueren bolonialen 
Litteratur zu bezeichnen ist. 
Die Baumwolle, ihre Kultur, Struklur 
und Verbreitung. Von Heinrich Kuhn. 
Wien, Pest, Leipzig. A. Hartlebens Ver- 
lag. Preis 7,20 M. 
Das Werk ist bemüht, vor allen Dingen 
den Vertretern der Baumwollenindustrie und 
den in ihren Etablissements angestellten Per- 
sonen eine genaue Kenntniß des zu verar- 
beitenden Rohproduktes und damit diejenige 
wissenschaftliche Basis zu verschaffen, ohne 
welche eine erfolgreiche Konkurrenz nicht mög- 
lich ist. Es bezeichnet sich als eine Zusammen- 
fassung unserer gegenwärtigen Kenntnisse über 
die Faser. Seinem Zwecke, dem praktischen 
Bedürfnisse zu entsprechen, wird das Buch in 
vollstem Maße gerecht, indem es nach einer nur 
kurzen botanischen Beschreibung zunächst die 
Kultur der Pflanze im Allgemeinen eingehend 
behandelt und dann nach Produktionsländerns) 
geordnete Schilderungen über Anban und Qua- 
lität der kultivirten Arten giebt. Darau schließen 
sich, nachdem vorher eine kurze Betrachtung 
dem Baumwollensaatöl als Nebeuprodukt der 
Pflanze gewidmet worden war, mit großer 
Sachkenntniß geschriebene Abhandlungen über 
das Hauptprodult, die Baumwollenfaser- Hier 
finden aber außerdem die übrigen Spinnfasern, 
Wolle, Seide, Hauf, Ramie und Inte, ge- 
bührende Berücksichtigung. Den Schluß bildet 
eine Beschreibung des Umfangs der Baum- 
wollenindustrie in den einzelnen Staaten, wobei 
die historische Entwickelung und das Konkurrenz- 
verhältuiß zu anderen Ländern mit in Betracht 
gezogen ist. Zahlreiches statistisches Material, 
eine kolorirte Abbbildung der Pflanze und 
vier Tafeln mit mikroskopischen Darstellungen 
der Faser vervollständigen die interessanten 
Schilderungen. 
*) Auf einem Jrrihmm beruht es, wenn S. 100 
des 2rudl gesagt ist, daß die Deuisch Ostafrika= 
nische Gesellschaft in Togo und Kamerun Baum- 
wollenplantagen anlege. D Die genannte Gesellschaft 
beschränkt sich in dieser Beziehung auf Ostafrika, 
während in Togo und Kamerun zpeennngsseieg der 
Anbau der Baumwolle befördert wird.
	        
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