Full text: Deutsches Kolonialblatt. III. Jahrgang, 1892. (3)

Bauwerken empfängt, nachdem man sich müh- 
sam durch Gesträuch und Mauertrümmer einen 
Weg bis zum Eingang gebahnt hat, ist ein 
sehr günstiger und fast großartiger, da alle 
Dimensionen im Halbdunkel bis ins Unend- 
liche vergrößert erscheinen und durch die eigen- 
artige, grünliche Beleuchtung, welche durch den 
Reflex der Sonnenstrahlen im Laub hervor- 
gerufen wird, das Innere der Moschec wie 
mit einem grünen Lichtschimmer übergossen ist. 
Das Dach der Moschee besteht aus kleinen 
flachen Kuppeln, welche auf rechteckigen Säulen 
mit einfachen Kapitälern ruhen: an den Wänden 
und an der Innenseite des Gewölbes erkennt 
man noch Spuren einer rohen Farbenverzierung. 
Ein merkwürdiger Schmuck sind eine Reihe von 
Tellern und Tassen, welche in den Kuppeln 
eingemauert sind. Ueber den Ursprung dieser 
Teller, welche dem seinsten chinesischen Porzellan 
gleichen, ist man nicht ganz einig. Während 
einige aus dem blanen Brand auf der Rück- 
seite schließen wollen, daß dies Erzeugnisse der 
ältesten holländischen Porzellan = Manufaktur 
sind, glauben andere, daß die Teller, welche 
besonders häufig in Mombassa und Lamn in 
alten Gräbern und Moscheen gefunden wurden, 
von Portugiesen aus China hierher gebracht 
sind. Ganze Exemplare finden sich jetzt nur 
noch sehr selten, da die werthvolleren Stücke 
von früheren Reisenden bereits ausgebrochen 
sind. Wenn auch dieses Bauwerkt als das best 
erhaltene einige Beachtung verdient, so sind 
doch die Verhältnisse so zwerghaft, und die Aus- 
sührung so plump, daß diese Bauresie eher 
gegen als für eine entwickelte arabische Kultur 
an der ostafrikanischen Küste sprechen würden. 
Daß v. d. Decken dieses Bamwerk begeistert 
mit der Alhambra vergleichen konnte, ist mir 
gänzlich unverständlich. 
Einer zweiten für sich abgeschlossenen 
Periode gehören die portugiesischen Bauten 
im Westen der Insel an, welche tro#tz 
ihres hohen Alters von 300 bis 100 
Jahren noch zum Theil vollständig erhalten 
sind; es ist dies ein grofßzes, burgähnliches 
Gebäude, an welches sich eine Umfassungs- 
mauer mit Eckthürmen auschließt. Dieses ganze 
Bauwerk entspricht vollkommen der Beschreibung, 
welche uns durch einen Augsburger Kaufherrn, 
der Kilwa im 16. Jahrhundert besuchte, über. 
liefert wurde. Die innere Einrichtung der Burg, 
welche drei Höfe umsaßt, läst auf einen kriege- 
rischen Zweck schließen: später ist die Burg, 
wie einzelne Ausbesserungen erkennen lassen, 
von Arabern bewohnt worden. 
Einc große Zahl behauener Steine und 
die Reste von Gewölben und Bogengängen 
beweisen, daß die Burg von tüchtigen Bau- 
sein, 
  
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meistern erbaut ist, und zur damaligen Zeit 
muß Kilwa eine stolze Zwingburg gewesen 
welche mit den großen schmiedeeisernen 
Kanonen, von denen ich noch neun unter den 
Trümmern ausgesunden habe, den Portugiesen 
eine achtunggebietende Stellung gab. 
Von der Decken erwähnt in seinem 
Bericht die Ruinen einer Moschee mit 
360 Säulen, welche in dem Mangroven- 
Dickicht im Westen der Insel verborgen liegen 
sollen. Den Eingeborenen war von diesen 
Ruinen nichts bekannt, und auch bei niedrigstem 
Wasserstande scheint es unmöglich, durch dieses 
Mangroven-Dickicht und den knietiefen Schlamm 
vorzudringen. Die Existenz einer solchen 
Ruine im Vereich der Fluth wäre auch nur 
möglich, wenn die Küste sich gesenkt hätte. 
Die ganze Ostlüste Afrikas ist aber, wie die 
Korallensormationen beweisen, in einem stän- 
digen Wachsthum begriffen. Dies läßt sich 
bei der Insel Kissiwani noch speziell nach- 
weisen, da wir aus den alten portugiesischen 
Berichten wissen, daß die Insel damals noch 
von großen Segelschiffen umschifft werden 
konnte. Dies würde jeßzt selbst für kleinc 
arabische Dhaus unmöglich sein. Diese An- 
gaben von der Deckens werden daher wohl 
auf einem Irrthum bernhen, dem ein Reisender 
in Afrika so leicht ausgesetzt ist. 
Bei meinen Streifzügen durch die Insel 
wurde ich von meinen Führern noch auf ein 
Trümmerfeld aufmertsam gemacht, welches, 
zwischen dichtem Vuschwerk verborgen, auf der 
westlichen Seite der Jusel liegt. Dieser Ruinen 
ist von keinem früheren Reisenden Erwähnung 
gethan, trotzdem sie ein erhöhtes Interesse be- 
anspruchen können, da sie sich wesentlich von 
allen übrigen Bauresten auf der Insel unter- 
scheiden. Wir entdeckten diese RNuinen ganz 
zusällig, als wir in das dichte Ufergebüsch 
eindrangen, um eine Juschrift zu entziffern, 
welche in einen mächtigen Affenbrodbaum ein- 
gegraben war. Es waren dies jedoch nur 
einzelne englische Namen, welche voraussichtlich 
von den Matrosen eines Kriegsschiffs herrührten 
und kein weiteres Interesse beanspruchen konnten. 
Von diesem erhöhten Standpunkt aus sahen 
wir auf einer tleinen Anhöhe einige Ruinen, 
welche mein Interesse erregten: nur mit Mühe 
gelang es uns, einen Weg durch das dichte 
Buschwert zu bahnen und auf den ziemlich 
schroff ins Meer abfallenden Berg zu gelangen. 
Hier fand ich auf dem zuseersten Bergrande 
die Reste einer Befestigung, welche, nach der 
vorgeschrittenen Verwitterung der Kalksteine zu 
urtheilen, ein viel höheres Alter haben müssen, 
als die portugiesischen Bauten. Die ganze 
Besestigung ist in der Form eines Parallelo=
	        
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