Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

1135  Geschoß  —  Geschrei.

tasie;  das  wunder  ist  des  augenblicks  geschöpl  Goethe
nat.  Tocht.  4,  2;  —  von  Menschen,  nicht  in  ehrender
Rede:  Sie  wissen  ja,  was  die  mannspersonen  für  stolze
geschöpfe  sind  Weiße  bei  Adelung;  was  sind  wir
für  zweideutige  geschöpfe  Schiller  2,  392;  von  Kindern,
Mädchen:  eine  Mutter  schilt  du  bist  ein  dummes  geschöpf;
  das  kluge  geschöpf  (Philine)  Goethe  W.  Meister
4,  15;  das  unkluge  geschöpf  C  F  Meyer  Nov.  2,  85;
von  Männern,  mit  dem  verächtlichen  Beisinne,  wie  er
in  dem  fremden  Kreatur  liegt:  diese  sorte  von  geschöpfen
ist  zum  sacktragen  auf  der  welt  Schiller  Kab.  4,  9;
trotz  bot  euch  der  abscheuliche,  der  euer  geschöpf
war  M.  Stuart  1,  4.

Geschoß,  n.  Schießendes  und  Schießzeug,  ahd.  giscoz,
mhd.  geschoz  und  geschor,  in  mannigfachen  Bed.  des
Verbums  schieszen  (s.  d.);  1)  was  abgeschossen  wird,
Pseil,  Bolzen,  Kugel:  Ja###  geschosz,  gschos:
Dief.;  bat  darauf  (auf  den  Bogen)  gelegt  tödlich  geschos
  Ps.  7,  14;  wie  einer  beimlich  mit  geschos  und
pfeilen  scheust  Spr.  Sal.  26,  18;  geschosz,  allerlei  gewöhr,
  das  man  scheust  den  feind  zu  verletzen  Henisch;
nimm  den  schild  und  dies  geschosz  (den  Speer)  Stolberg
  1,  44;  das  gescbosz  (die  Ku  "nr  ist  aus  bleidraht
gepresst  Instr.  79;  —  auch  Schießzeug:  schlingen  und
schlaudern,  so  damals  der  kriegsleut  gschos  waren
Aventin  1,  322;  schnellend  mit  straffem  geschosz
(Bogen)  Voß  Odyfs.  12,  84.  Bildlich:  die  geschos  der
blitzen  Weish.  Sal.  5,  22;  der  sonne  gluhendes  geschosz
(Pseil)  Goethe  nat.  Tocht.  4,  2.  2)  Abgabe:  erdceio
geschosz  Dief.;  sechzehen  pfunt  geschosses  Weist.
3,  330  (v.  1481);  bei  Adelung  der  geschosz;  vgl.
schosz.  3)  Stockwerk  eines  Hauses:  des  kellers  geschoz
(mhd.)  Lexer  1,  901;  ein  baus  von  drei  geschossen
Adelung:  vgl.  erd-,  baupt-,  dachgeschosz  u.  a.  4)  geschosz
  an  Pflanzen,  der  zwischen  zwei  Absätzen  befindliche
  Teil  des  Stengels;  geschosz,  gewächs,  schosz,
paimes,  germen,  praegnans  in  arboribus  sureulus
Henisch.  5)  plötzliches  und  hestiges  Reißen  im  Körper:
geschosz  in  der  seiten,  lateris  marbus  7mans  ebd.;
in  Baiern  eine  Art  heftigen  Kopfwehs  Schmeller.

Geschrei,  u.  das  Schreien,  Rusen,  ahd.  gisereigi.
mhd.  geschreie  und  geschrie;  1)  Handlung  des  Schreiens:
elinnor  gescbrei  Dief.;  lautes,  fröhliches,  jubelndes,
klagendes,  jämmerliches  g.  erheben,  machen.  verführen;
das  ich  ein  geschrei  machte  und  rief  1.  Mos.  39,  15;
hat  man  ein  gescbrei  gehöret,  viel  klagens,  weinens
und  heulens  Matth.  2,  18;  es  ist  nicht  ein  gescbrei
gegen  ander,  dere  die  obligen  und  unpterligen,  sondern
ich  höre  ein  geschrei  eines  singentanzs  2.  Mos.  32,  18;
geschrei  um  rettung,  nach  brot,  hilfe;  hore  gott  mein
geschrei  (Var.  meine  klage)  Ps.  61,2;  mach  die  Deutschen
  frei,  dasz  endlich  das  geschrei  darnach  zu
ende  sei  Grillparzer  2,  32;  vgl.  kinder  -,  jubel-,
mord-,  zetergesehrei  u.  a.;  in  der  älteren  Rechtsspr.
geschrei  bei  Mord  und  Gewalt,  das  die  Klage  einleitet
Magdeburger  Blume  1,  41.  77  u.  ö.;  kriegsgeschrei,  auch
die  triegerische  Losung  bezeichnend,  kessera  Aventin;
jägergeschrei:  einen  birschen  mit  dem  geschrei  in  das
garn  jagen  Henisch;  von  Tieren:  ein  geschrei  von
rossen,  wagen  und  groszer  heerkraft  2.  Kön.  7,  6;  der
auch  der  jungen  rablein  geschrei  und  gebet  erböret
Schuppius  838;  die  helle  des  morgens  und  das  geschrei
  der  hüähne  Goethe  W.  Meister  1,  17;  klägliches
geschrei  (von  Hühnern)  Freytag  Handschr.  2,  46.
2)  lautes  Reden,  bei  einer  Klage  oder  Beschwerde:  er
macht  vicl  geschrei  und  aufhebens  von  der  sache;  das
geschrei  des  volkes  Adelung;  bei  Rühmen,  Preisen:
man  machbt  ja  viel  geschrei  von  dem  neuen  arzte;
sprichwörtlich:  viel  geschrei  und  wenig  wolle;  mehr
geschrei  als  woll,  ist  nicht  so  vil  im  werk  als  inn  der
red  Henisch.  3)  lautes,  verbreitetes  Gerücht,  Kunde:
da  das  geschrei  kam  in  Pharnao  haus,  das  Josepbs

Geschreibe  —  Geschwätz.  1136

brüder  komen  weren  1.  Mos.  45,  16;  kam  ein  erlogen
geschrei  aus  2.  Macc.  5,  5;  es  gehet  ein  gemein  geschrei.
I.  Cor.  5,  1;  solch  sag  und  geschrai  kam  dem  groszen
Alexander  zu  groszem  guet  Aventin  1,  363;  es  ist
ein  heftig  geschrei  vom  kriege  worden  Henisch;  das
geschrei  gieng,  man  sagte  ebd.;  persönlicher  Ruf,  Leumund:
  bringet  ein  böse  gesehrei  uber  sie  aus  5.  Mos.
22,  14;  Elisabeth,  die  im  geschrei  ist,  das  sie  unfruchtbar
  sei  Luc.  1,  36;  leut.  so  von  meniglich  ain  guet  lob
und  geschrai  gehabt  baben  Aventin  1,  82;  er  ist  in
einem  hösen  geschrei  Stieler;  meine  tochter  kommt
mit  dem  baron  ins  geschrei  Schiller  Kab.  1,  1;  in
diefer  Bed.  jetzt  veraltet.  —  Geschreibe,  v.  wiederholtes
Schreiben;  Geschriebenes  in  verächtlichem  Sinne:  Archenholzens
  Italien  wie  so  ein  geschreibe  am  ort  selbst
zusammenschrumpft  Goethe  ital.  Reise  I;  in  letzterer
Bed.  auch  Geschreibsel,  n.  —  Geschröt,  n.  Hodenfack
und  Hoden,  mhd.  geschrote.

Geschütz,  n.  größeres  Schießwerkzeug  (zu  schieszen,
schusz,  s.  d.,  gehörig),  mhd.  geschutze  noch  im  weiteren
Sinne  der  Schießwaffen  überhaupt  und  des  Geschosses:
swaz  2e  jagen  ist  nutze,  netze  und  guot  geschutze
Erec  7185;  ebenso  noch  im  älteren  Nhd.:  die  da  trotzen
auf  jre  macht,  wagen,  spies  und  geschutze  Judith  9,  8;
Jaculzm,  missile,  telum  geschutz  Dief.;  geschutz,
pfeil  Henisch;  im  16.  Ih.  bezogen  und  bald  eingeengt
auf  die  schweren  Feuerwaffen:  allerlei  schwür  und
arbeitsam  geschutz,  als  kartbhonen  und  nottschlangen
Maaler;  bringens  erst  aufs  höchst,  wie  bei  unsern
zeiten  mit  der  druckerei,  mit  dem  gschuz  und  in  andern
dingen  mer  geschiecht  Aventin  1,  266;  im  zusammenfassenden
  Sing.:  grobes  geschutz,  schwere  Kanonen  und
Mörser,  kleines  geschutz,  Feldkanonen;  im  feuer  des
englichen  geschutzes  Schiller  Karl.  3,  6;  uberzabl  an
mannschaft  und  geschurz  Treitsfchke  1,  498;  vereinzelnd:
  eisern,  metallin  geschutz  Stieler;  geschutze
aufpflanzen,  laden,  losbrennen,  vernageln;  batterie  von
80  geschmzen  Treitschke  1,  499;  durch  geschutze  gedeckt
  502.  Bildlich:  grobes  geschutz  gegen  seinen
gegner  brauchen,  ihm  grob  entgegentreten;  mein  vater
wird  alle  geschutze  gegen  uns  richten  Schiller  Kab.
3,  4.  —  Zusemmensehungen  Geschützseucr,  u.  Feuer
aus  Geschützen.  —  Geschützkunde,  t.  Kunde  des  Geschützwesens.
  —  Geschützkunst,  t.  Kunst  mit  dem  Geschütz
  umzugehen,  Artillerie.  —  Geschützrohr,  n.  Rohr
eines  Geschützes.  —  Geschützweitc,  k.  Kaliber;  auch  Tragweite
  eines  Geschützes.  —  Geschützwesen,  n.  was  zum
Geschütz  und  dessen  Bedienung  gehört.

Geschwader,  n.  Reiter-,  Heeres-,  Flottenabteilung,
Lehnwort  des  16.  Ih.  aus  ital.  squadra,  Viereck  von
Leuten,  Rotte;  niederl.  gheswadder,  gheswade,  rot
Kilian;  bezogen  auf  Reiter:  ein  schon  geschwader
von  reisigen  pterden  Wickram  Goldf.  a  35;  versamlet
ein  geschwader  der  reiter  .  bracht  auf  zehen  pferd
zusamen  be;  grosz  geschwader,  legio,  ala  equitum
Stieler:  einige  geschwader  leichter  reuter  Schiller
7,  304;  auf  Schiffe,  wie  franz.  escadre:  ein  anschnliches
  geschwader  türkischer  galeeren  4,  130;  auf  Bewaffnete
  zu  Fuß:  Schweizer  ab  mit  einem  geschwader
Räub.  4,  5;  geschwader  grosz  wie  heere  Lichtwer  Fab.
1,  23;  in  freierem  Sinne,  von  anderen  Vereinigungen:
der  bienen  dunkelnde  geschwader  Schiller  Jungfr.,
Prol.  3;  (Kraniche,  die)  nach  des  sudens  wärme  in
graulichtem  geschwader  ziehn  Kraniche  des  Ib.  18;
zu  stehn  mit  seinen  brudern  im  geschwader  Geibel
1,  240.  —  Geschwär,  u.  s.  geschwür.  —  Geschwätz,  n.
das  Schwatzen  und  Geschwatztes,  mhd.  geswetze;  in
älterer  Spr.  ohne  übeln  Nebensinn,  —  Rede,  Darlegung:
  das  evangelion  ist  ein  rede  und  geschwetz  von
Cbristo  Luther  Ausleg.  der  Evang.  v.  Ostern  1527;  da
wider  setzen  sich  scine  (Hiobs)  freundo,  und  treiben
gros  und  lange  geschwetz  Vorrede  zu  Hiob;  in  etwas