Nahrungsmittel. 103
Die Wirkung des kalten oder warmen Wassers ist dagegen in erster
Linie eine auslaugende, d. h. es entzieht den Nahrungsmitteln lösliche Stoffe,
entwertet sie also; wird gleichzeitig noch ein bestimmter Hitzegrad erreicht, so
geht in das heiße Wasser immer auch ein Teil des Eiweißgehaltes und des
Fettes über; mit dem Dampf aber werden aromatische Stoffe in die Luft
fortgerissen. Wenn z. B. Sellerie abgekocht wird, riecht man sie in allen
Räumen; im Kochwasser aber, in welchem man die Knollen erweichte, sind
die verschiedensten Bestandteile aufgelöst enthalten; das feste Pflanzengewebe
hat manches verloren und ist lockerer, „weich" geworden. Eine Bereicherung
erfahren die Nahrungsmittel durch das Abkochen im Wasser also keineswegs, das
Kochwasser wird aber wertvoll. Beim Abkochen des Fleisches kennt man diesen
Umstand; man schätzt deshalb die „Fleischbrühe"“, die dem Fleische so viel entzogen,
und sucht ihren Wert durch allerlei Zutaten noch zu erhöhen. Wenn
man aber Kartoffeln oder Gemüse abkocht, schätzt man die Brühen, die oft bräunlich
gefärbt sind und starken Geruch zeigen, gar nicht; niemand denkt an ihren
Inhalt, und man gießt sie weg. Dieses Verfahren bringt uns große Verluste.
Durch Verwendung der eigenen Flüssigkeit eines Nahrungsmittels
können wir durch die Form des „Dämpfens“" die gründlichste Erweichung
erzielen. Dies geschieht nur bei guter Bedeckung des Kochgefäßes, gleichmäßiger
Hitze und indem die geringe äußerlich angesammelte Flüssigkeit immer
wieder eingesogen wird. Ein Verlust des Nährstoffgehaltes findet dabei nicht
statt, und die Erweichung ist durch die eingetretenen chemischen Veränderungen
eine vollständige. Es steht demnach das „Dämpfen“ weit über dem „Kochen“
und sollte viel ausgebreitetere Anwendung sinden. Jedes Gemüse, jedes
Fleisch, jedes Obst läßt sich dämpfen; nur sind Hitzegrade, Zeitdauer und
natürliche Flüssigkeitsmengen verschieden. Die Benützung großer Wassermengen
beim Abkochen ist einfacher und schneller auszuführen; das Dämpfen
erfordert sorgfältigere Behandlung, mehr Aufmerksamkeit; daher findet man
das rohe „Abquellen“ in allen Haushaltungen, in welchen man von wissenschastlichem
Kochen, chemischen und physikalischen Erscheinungen am Herde noch
nichts vernommen hat, das „Dämpfen“ dagegen da, wo man feine Geschmackswirkungen
zu berechnen weiß und sich Zeit nimmt.
Das „Garmachen“ in Fett heißt „braten“; doch ist beim Braten im
Rohre, wobei immer Saft ausfließt, indem die Gewebe etwas schrumpfen,
auch ein „Dämpfen“ mit dabei, weil die Fleischstücke mit dem Safte begossen
werden, der gleichfalls zur Erweichung beiträgt. Setzt man feuchte Gerichte
trockener Wärme aus, so „bäckt“" man; Teig wird poröser und trockener, weil
Wasser und Kohlensäure durch die Einwirkung der Hitze entweichen. Von
„Rösten“ spricht man, wenn rohe Nahrungsmittel ohne Lustabschluß auf einer
Platte oder ähnlicher Vorrichtung der Hitze ausgesetzt werden.
überall ist ein Zusammenwirken von Wärme und Feuchtigkeit, welche
die Hülle der Nahrungsmittel verändern, ihre löslichen Bestandteile in Be-