Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Zweiter Teil. (2)

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find,  ab,  sich  mit  einem  Vorschlage  ohne  Aufrichtigkeit
  und  ohne  Bedeutung  zu  befassen.

Sie  versichern  noch  einmal,  daß  ein  Friede  nicht
möglich  ist,  solange  nicht  Gewähr  besteht  für  die
Wiederherstellung  (reparation)  der  verletzten  Rechte
und  Freiheiten.  für  die  Anerkennung  des  Grundgesetzes
der  Nationalitäten  und  der  freien  Existenz  der  kleinen
Staaten,  solange  nicht  eine  Regelung  sicher  ist,  die

eeignet  ist.  egal  die  Ursachen  zu  beseitigen,  die
#  lange  die  Völker  bedroht  haben,  und  die  einzig
wirisamen  Bürgschaften  für  die  Sicherung  der  Welt
zu  geben.
ie  alliierten  Mächte  halten  darauf,  sum  Schluß
die  folgenden  Betrachtungen  anzustellen,  die  dieeigentümliche
  Lage  hervorheben  sollen,  in  der  sich  Belgien
nach  zweieinhalbjährigem  Kriege  befindet.  Kraft  der
durch  fünf  Grohmächie  Europas,  unter  denen  sich
auch  Deutschland  befand,  unterzeichneten  Verträge
erfreute  sich  Belgien  vor  dem  Kriege  einer  besonderen
Satzung,  die  sein  Gebiet  unverletzlich  machte  und  es
selbst  unter  die  Garantie  dieser  Mächte  stellte,  in
Sicherheit  vor  den  europäischen  Konflikten.  Gleichwohl
  hat  Belgien  in  Mißachtung  dieser  Verträge  den
ersten  Angriff  Deutschlands  über  sich  ergehen  lassen
müssen.  Deshalb  hält  es  die  belgische  Regierung  für
notwendig-  genau  den  Zweck  auseinanderzusetzen,
weshalb  Belgien  niemals  aufgehört  hat,  in  den  Kampf
an  der  Seite  der  Ententemächte  für  die  Sache  des
Rechts  und  der  Gerechtigkeit  einzutreten.

Belgien  hat  immer  peinlich  die  Pflichten  beobachtet,
die  ihm  seine  Neutralität  auferlegt.  Es  hat  zu  den
Waffen  gegriffen,  um  seine  Unabhängigkeit  und  seine
Neutralitäl  zu  verteidigen,  die  durch  Deutschland  verletzt
  worden  sind,  und  um  seinen  internationalen  Ver-Ppflichtungen
  treu  zu  bleiben.  Am  4.  August  hat  der
Reichskanzler  im  Reichstag  anerkannt,  dan-  dieser  Anriff

  ein  Unrecht  gegen  das  Völkerrecht  sei,  und  hat
66  im  Namen  Deutschlands  verpflichtet,  es  wieder
gutzumachen.

Seit  zweieinhalb  Jahren  hat  sich  diese  Ungerechtigkeit
  grausam  verschärft  durch  die  Keiegsmahnahmer
und  eine  Besetzung,  welche  die  Hilfsmittel  des  Landes
erschöpft,  seine  Industrien  zugrunde  gerichtet,  seine
Städte  und  Dörfer  zerstört  und  die  Niedermetzelunen,

  Me  Hinrichtungen  und  Einkerkerungen  gehäuft
taben.  Und  in  dem  Augenblick.  in  dem  Deutschland

3  Welt  von  Frieden  und  von  Menschlichkeit  spricht,

ührt  es  belgische  Bürger  zu  Tausenden  weg  und
bringt  sie  in  Sklaverei.

Belgien  hat  vor  dem  Krieg  nur  danach  gestrebt,
in  gutem  Einvernehmen  mit  allen  seinen  Nachbarn
zu  leben.  Sein  König  und  seine  Regierung  haben
nur  ein  Ziel:  die  Wiederherstellung  des  Friedens  und
des  Rechtes.  Aber  sie  wollen  nur  einen  Frieden
haben,  der  ihrem  Lande  berechtigte  Wiedergutmachunen

  (reparations),  Garantien  und  Sicherheiten  für  die
Hnrunf=  verbürgen  würde.

Aufrufe  Kaiser  Wilhelms.

Die  Ablehnung  beantwortete  Kaiser  Wilhelm  durch  folgenden
  Erlaß  an  Heer  und  Flotte:

An  Mein  Heer  und  Meine  Marine!

Im  Verein  mit  den  Mir  verbündeten  Herrschern
hatte  Ich  Unseren  Feinden  vorgeschlagen,  alsbald  in
Friedensverhandlungen  einzutreten.  *  Feinde  haben
  Meinen  Vorschlag  abgelehnt.  Ihr  Machthunger
will  Deutschlands  Vernichtung.

II.  Kriegsgeographie  und  Kriegsgeschichte

Der  Krieg  nimmt  seinen  Fortgang!

Vor  Gott  und  der  Menschheit  fällt  den  feindlichen
Regierungen  allein  die  schwere  Verastwortung  r
alle  weiteren  furchtbaren  Opfer  zu,  die  Mein  Wille
Euch  hat  ersparen  wollen.

In  der  gerechten  Emphrung  über  der  Feinde  anmaßenden
  Frevel,  in  dem  Willen,  unsere  heiligsten
Güter  zu  verteidigen  und  dem  Vaterlande  eine  glückliche
  Zukunft  zu  sichern,  werdet  Ihr  zu  Stahl
werden.

Unsere  Feinde  haben  die  von  Mir  angebotene  Berständigung
  nicht  gewollt.  Mit  Gottes  Hilfe  werden
unsere  Waffen  sie  dazu  zwingen.

Großes  Hauptauartier,  den  5.  Januar  1917.

Wilhelm  I.  R.

Diesem  folgte  am  12.  Januar  der  Aufruf:
An  das  deutsche  Volk!

Unsere  Feinde  haben  die  Maske  fallen  lassen.

Erst  haben  sie  mit  Hohn  und  heuchlerischen  Worten
von  Freiheitsliebe  und  Menschlichkeit  unser  ehrliches
Friedensangebot  Kgewiesen  In  #  Antwort
an  die  Vereinigten  Staaten  haben  sie  sich  jetzt  darüber
  hinaus  zu  einer  Eroberungssucht  bekannt,  deren
Schändlichkeit  durch  ihre  verleumderische  Begründung
noch  gesteigert  wird.

Ihr  Ziel  ist  die  Niederwerfung  Deutschlands,  die
Zerstückelung  der  mit  uns  verbündeten  Mächte  und
die  Knechtung  der  Freiheit  Europas  und  der  Meere
unter  dasselbe  Joch,  das  zähneknirschend  jetzt  Griechenland
  trägt.

Aber  was  sie  in  dreißig  Monaten  des  blutigsten
Kampfes  und  des  gewissenlosesten  Wictschasterriege
nicht  erreichen  konnten,  das  werden  sie  auch  in  aller
Zukunft  nicht  vollbringen.  Unsere  glorreichen  Siege
und  die  eherne  Willenskraft,  mit  der  unser  kämpfendes
  Volk  vor  dem  Feind  und  daheim  jedwede  Mühsal
und  Not  des  Krieges  getragen  hat,  bürgen  dafür,
daß  unser  geliebtes  Vaterland  auch  fernerhin  nichts

u  fürchten  hat.  Hellflammende  Entrüstung  und
zeut  er  Zorn  werden  jedes  deutschen  Mannes  und
Weibes  Kraft  verdoppeln,  gleichviel,  ob  siedem  Kampf,
der  Arbeit  oder  dem  opferbereiten  Dulden  geweiht  ist.

Der  Gott,  der  diesen  herrlichen  Geist  der  Freiheit
in  unseres  tapferen  Bolkes  Herz  gepflanzt  hat,  wird,
ums  und  unseren  treuen,  sturmerprobten  Verbündeten
  auch  den  vollen  Sieg  über  alle  feindliche  Machtgier
  und  Vernichtungswut  geben.

Wilhelm  I.  R.

Deutsche  und  österreichisch-ungarische  Antwortnote

vom  11.  Jannar  1917  an  die  Neutralen  auf  die

Ablehnung  des  A#ette  durch  die  feindlichen
taaten.

Die  deutsche  Note  lautete:

Die  Kaiserliche  Regierung  hat  durch  Vermittlung
der  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  von  Ameriko,
der  Königlich  spanischen  Regierung  und  der  Regierung
der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  die  Antwort
ihrer  Gegner  auf  die  Note  vom  12.  Dezember  eralten,

  in  der  Deutschland  im  Einklang  mit  seinen
erbündeten  den  alsbaldigen  Eintritt  in  Friedensverhandlungen
  vorschlug.

Die  Gegner  lehnen  diesen  Vorschlag  mit  der  Beündung

  ab,  daß  es  ein  Vorschlag  ohne  Aufrichtigeit

  und  ohne  Bedeutung  sei.  Die  Form,  in  die  14
ihre  Mitteilung  kleiden,  Ss#czt  eine  Antwort  an  sie
aus.  Die  Kaiserliche  Regierung  legt  aber  Wert  dar-