schaft Mubeleye erreicht, ohne daß nennenswerter
Widerstand von der Bevölkerung geleistet worden
wäre. Die täglich abgesandten Verbindungs= und
Aufklärungspatrouillen wurden indessen fast überall
von den Eingeborenen angegriffen. Die Abteilung
Bismarckburg nahm ihren Weg über Ikiganda und
Muramwya, wo sich der Mwezi Kisabo lkurz vorher
ausgehalten haben sollte. Nördlich Muramwya
wurde am 7. Mai der Muwoarazi überschritten —
vom Isagaberg konnte Usumbura I den übergang
beobachten — und am gleichen Tage mittags Mube-
keye errelcht. Das Verhalten der Bevölkerung war
dasselbe wie auf dem Vormarsch der Abteilung
Usumbura I. Verpflegung mußte überall beigetrieben
werden. Die linke Flügelabteilung Usumbura II
nahm ihren Weg über Kihense und Rdago und traf
erst am 7. Mal nachts im Lager von Mubekeye ein,
da der Marsch im Urwald größere Zeit, wie ange-
nommen, erfordert hatte.
Beim Eintreffen der drei Abteilungen in Mube-
keye, welche unterwegs stets Fühlung miteinander
behalten hatten, war die ganze Landschaft von den
arundi geräumt worden. Do während des Vor-
marsches die Bevölkerung meist vor den Abtellungen
zurückwich und die ständigen Verbindungspatrouillen
ein Entweichen von größeren Trupps zwischen den
Abteilungen verhinderten, so konnte Kisabo und seine
Anhänger nur auf einem der belden Flügel ent-
kommen sein. Usumbura II hatte in ausgiebigster
Weise den Urwald abgesucht und nichts gefunden,
was auf eine Flucht Kisabos nach dieser Richtung
bin schließen ließe. Es blieb daher nur die Mög-
lichkelt, daß er auf dem unbesetzt gebliebenen rechten
Flügel entkommen sein könne. Um dieses zu er-
kunden und um festzustellen, ob Kisabo sich in dem
von den Abtellungen durchzogenen Gebiet aufhielte,
wurden am 10. Mai drei größere Patrouillen in
südlicher Richtung fortgesandt. Diese Patrouillen
waren: 1. Unteroffizier Gebel mit 30 Gewehren,
2. Unteroffizier Federowski mit 30 Gewehren und
3. Schausch Sald Achmed mit 28 Gewehren. Am
9. Mai war mittlerweile auch Leutnant Pfeiffer mit
der Abtellung Ishangl in Mubekeye eingetrofsen.
Diese Abteilung hatte am 4. Mai den Akanyarufluß
etwa zwei Stunden unterhalb seiner Quelle über-
schritten und das Gebiet des befreundeten Kitinwa
erreicht. Hier hatte Kisabo wenige Tage vorher
Einfälle gemacht, um dle Eingeborenen vor einem
gemeinsamen Zusammengehen mit den Europäern
gegen ihn einzuschüchtern. In der Nacht vom 5.
zum 6. Mai wurde der Grenzfluß zwischen Kitinwas
und Kisabos Gebiet passiert und in südwestlicher
Richtung vorgegangen. Auf diesem Vormarsch lei-
steten die Anhänger Kisabos hartnäckigen Widerstand.
In Mubekeye verblieben die Abtellungen bis
zum 20. Mai. Während dieser Zeit traten Kitinwa
und Matshontsho mit der allmählich zurückkehrenden
Bevölkerung in Verbindung, und gelang es, diese
zu überzeugen, daß die Maßnahmen nicht gegen die
Warundi, sondern lediglich gegen den Mwezi Kisabo
und seine Anhänger gerichtet seien. Es erschienen
daher auch insgesamt an 4000 Warundi, um sich
zu unterwerfen und Verpflegung zu liesern. Unter
diesen befanden sich nebst wielen angesehenen Watusi
auch zwei Söhne des Kisabo mit Namen Kabundo
und Mayabo, welchen ich unverkürzten Besitz ihres
Eigentums zusicherte und einen Tell der erbeuteten
Rinder zurückgab. Daß diese Unterwerfung der Be-
völkerung hier eine wahrhafte war, beweist wohl das
Erscheinen von vielen Warundiweibern im Lager.
Mit der Missionsstation Mugera wurde ständige
Verbindung aufrecht erhalten, um über den Verblelb
Kisobos jederzeit orientlert zu werden. Die von
dort eingegangenen Nachrichten bestätigten dann auch
die aussührlichen Meldungen der am 17. Mai zurück-
gekehrten Patrouillen. Diese lauteten, daß Kisabo
auf dem rechten Flügel über Inbuye entkommen sei
und sich nach der Landschaft Kungara, an der Grenze
von Ubututsi, begeben habe. Um ein Zurückkehren
des Kisabo nach Mubekeye und Muramwya nun zu
verhindern und damit der Expeditlon bei weiterem
Vormarsch nach Süden den Rücken zu sichern, auch
um den Kitinwa und Matshontsho für ihre Hilfe
und regierungsfreundliche Gesinnung zu belohnen,
gab ich die Landschaft Mubekeye an Kitinwa und
die Landschaft Muramwya an Matshontsho mit der
Weisung, daß sie vom Kisabo, auch wenn er sich
später noch freiwillig stellen sollte, nicht abhängig
seien, sondern ihre Befehle lediglich von der Muitär=
station Usumbura erhalten würden. Zu ihrem Schutze
setzte ich bei jedem der genannten einen ständigen
Posten von drei Askaris ein. Der Aufenthalt in
Mubekeye, in einer Höhenlage von 1900 m, verdient
als ein wenig angenehmer erwähnt zu werden, da
Tag und Nacht andauernde Regengüsse die Tempe-
ratur zu einer empfindlich kalten machten, unter
welcher Europäer, Askaris und Träger sehr zu
leiden hatten.
Am 20. Mal marschierte Leutnant Pfeiffer mit
seiner Abteilung wieder nach Ishangi zurück, da
Nachricht eingetroffen war, daß ein Askarl des
Postens Kishenyi von der Bevölkerung der Landschaft
Bugoie, nördlich des Kiwusees, ermordet worden
wäre. Dieses Vergehen sowie die Ermordung eines
deutschen und kongolesischen Askaris südlich von
Ishangi und eines zweiten kongolesischen Askaris in
Bugoie machten die Anwesenheit des Postenchefs am
Kiwusee notwendig. .
Zur Beruhigung der Landschaft Mubekeye unter-
nahm die Abteilung Bismarckburg vom 14. bis
18. Mai einen fünftägigen Rundmarsch. Die Be-
völkerung der durchzogenen Gegend hielt sich zum
Teil scheu zurück, nahm jedoch nirgends eine feind-
selige Haltung an, zum Teil erschien sie mit Ver-
pflegung im Lager.
Da während des 14tägigen Aufenthalts der Ab-
teilungen in Mubekeye nichts dafür sprach, daß Kisabo
sich freiwillig stellen und unterwersen würde, so