Full text: Deutsches Kolonialblatt. XV. Jahrgang, 1904. (15)

Von der Ugandabahn. 
Über die Betriebsverwoltung der Ugandabahn 
berichtet der deutsche Vizekonsul in Mombassa: 
Der Betriebsleiter (manager) der Ugandabahn 
ist zugleich erster Ingenteur (chief engineer). Die 
Bahn, deren Länge 584 Meilen oder 940 km be- 
trägt, ist für technische Zwecke in zwei Hälften 
(distriets oder maintenance divisions) eingetellt, 
deren Grenze durch Nairobi bezeichnet wird. Der 
höchste Ingenieur unter dem Betriebsleiter ist der 
Superintendent of Ways and Works, es folgen 
zwei district engineers, zwei senior assistant 
engineers und zwei junior assistant engineers. 
Für die Leitung des Verkehrs stehen dem Be- 
triebsleiter zur Seite elin traffc manager, ein 
senior assistant traffic manager und zwei assistant 
trafktoc managers. Der traffic manager hat mit 
einem Assistenten seinen Sitz in Nairobi, der senior 
assistent traffic manager leitet den Verkehr von 
Kisumu aus, ein Assistent leitet den Verkehr von 
Mombassa aus. 
An Maschinenmeistern gibt es drei (einen loco 
superintendent und zwei assistant loco superin- 
tendents). Etwa alle 100 Mellen sind Maschinen- 
wechselstatlonen, woselbst die Maschinen nebst dem 
Personal und den Schaffnern des Zuges gewechselt 
werden, nämlich in 
Voi- (Meile 102), 
Makindd (= 209), 
Nairobi. (. 320, 
Naluru. ( . 4439, 
Kisumus) (. 584). 
Bahnmeister (permanent way inspectors) gibt 
es auf je 40 oder 50 Meilen einen, und zwar 
Europäer, im gonzen also 12 oder 13. Ihnen nach- 
geordnet sind vier subordinate permanent way 
inspectors (Inder). Alle vier Meilen ist ein Ar- 
beiter= und Gerätehaus aus Wellblech errichtet (gang- 
hut), zu dem auf leicht zu erhaltenden Strecken 8, 
auf schwer zu erhaltenden 12 Arbeiter gehören. 
Unter den Stationsvorstehern sind vier Europäer 
(Mombasa, Nairobi, Nakuru, Kisumu), in Nakuru 
noch von der Zeit her, wo die Bahn nur bis dorthin 
dauernd hergestellt war und Materialnachschübe für 
den Weiterbau von dort aus erfolgten. 
Das Abrechnungswesen wird von einem Abrech- 
nungsbeamten, dem chief accountant, geleitet, dem 
ein senior assistant chief accountant sowie ein 
Stab von 30 Bureaubeamten zur Seite steht. Unter 
diesen 30, die alle Subalternbeamte sind, befinden 
sich drei Europäer, die übrigen sind Goonesen und 
mnder. Außer der Abrechnung werden durch ihn 
die Aufstellungen der Ingenieure über die Bahn 
und Bahngebäude sowie die Statistik bearbeitet. 
An der Spitze der Rechnungsrevision steht formell 
*) Kisumu wird von der Eisenbahn, nicht aber von 
der Regierung, Pork Florence genannt. Es handelt sich 
also nicht um zwei verschiedene Orte. 
  
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der auditor, welcher zur Hälfte von der Eisenbahn 
besoldet wird, aber zugleich der Revisor für die 
allgemeine Landesverwaltung ist und nur für diese 
arbeitet. Die Rechnungsrevision der Ugandabahn 
wird von dem (von ihr ganz bezahlten) assistant 
auditor geleitet. 
Schließlich ist noch die wichtige Stelle des Ma- 
terlalverwalters (chief store-keeper) zu erwähnen, 
durch den ausschließlich die Bestellung von Material 
erfolgt, und zwar entweder durch die Kronagenten 
oder direkt. 
Überblick über das südafrikanische wirtschaftsleben im 
ersten Halbjahr 1904. 
In der allgemeinen Gestaltung der wirtschaft- 
lichen Verhältnisse Südafrikas ist selt Beginn dieses 
Jahres keine wesentliche Anderung eingetreten. Im 
Gegentell, der Druck, der auf Handel und Wandel 
über ganz Südafrika selt nunmehr über einem Jahre 
lastet, ist eher verschärft worden, und dies wird 
offen in allen Geschäftskreisen ausgesprochen. Nicht 
zum mindesten beklagen sich auch die Schiffahrts- 
linien über den schlechten Gang der Geschäfte. Im 
Transvaal hat die Notlage der Burenbevölkerung 
die Aufmerksamkeit der Regierung neuerdings wieder 
auf sich gezogen. 
Bezeichnend für die Lage sind die Einfuhrziffern 
und die Entwicklung der öffentlichen Finanzen. Die 
bis jetzt vorläufig veröffentlichten Einfuhrziffern der 
Kapkolonie für die ersten fünf Monate des Jahres 
1904 weisen eine Gesamt-Wareneinfuhr von 
9 868 157 &K gegen 15 466 000 2 im gleichen Zeit- 
raum des Vorjahres auf. In den elf Monaten 
von Juli 1902 bis Ende Mai 1903, also ungefähr 
der Periode der Uberspekulation, wurden Waren im 
Werte von 33 128 427 2 eingeführt; — der ent- 
sprechende Zeltraum bis Ende Mai 1904 verzeichnet 
eine Wareneinfuhr von nur 25 616 527 L. Die 
ordentlichen Elnnahmen der Kolonie, die im Finanz-- 
jahre 1908/04 bis Ende Mai 1904: 9 200 564 K. 
gebracht haben, dürften am Schlusse des Finanz- 
jahres den Betrag von 9 830 000 2 kaum über- 
steigen, und somit nicht einmal die vorsichtige im 
Mat aufgestellte Schätzung der Regierung 
(10 012 000 ) erreichen. Die Zolleinnahmen sind 
von 311 845 K im August v. Is. in stetiger Folge 
auf 155 537 K im April und 157 849 è im Mai 
d. Is. gesunken. Die Eisenbahneinnahmen der Kap- 
kolonte, die Juli bis Oktober 1903 stets über 
400 000 K stunden und im Dezember noch einmal 
vorübergehend emporgeschnellt waren, sind vergangenen 
März auf 389 495 E., im Aprll auf 368 953 . 
und im Mai auf 342 217 K heruntergegangen. Es 
werden Meinungsäußerungen laut, die damit den 
Tiefstand der Entwicklung erreicht sehen wollen. Be- 
stimmte Anhaltspunkte fehlen dafür aber, und ledig- 
lich allgemein gehaltene, wohl meist in Zusammen-
	        
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