speise wird mitunter ein wenig rohes Wachs oder
auch gewisse Blüten und Wurzeln vorher hinein-
getan. Doch werden die meisten dieser künstlichen
Bienenhäuschen von den Bienen selbst verschmäht.
Im allgemeinen gibt es noch ziemlich viel Bienen
hier, besonders in den angrenzenden trockenen, jedoch
wald= und blütenreichen Hochländern. Eine Wein-
flasche voll Honig kann man durchschnittlich für 8 bis
10 Pesa (etwa 20 Pf.) kaufen.
Dem diesjährigen Jahresberichte der Oblaten der
Unbefleckten Jungfrau Maria entnehmen wir erfreu-
liche Nachrichten über die Fortschritte der Mission
in Südafrika. Im Schutzgebiet Deutsch-Südwest-
afrika waren besetzt die Stationen: Groß-Windhuk,
Klein-Windhuk, Epukiro und Aminuis. Nach Oka-
wango, dessen Besetzung Anfang des Jahres nicht
geglückt war, soll eine neue Karawane unter perfön-
licher Führung des Präfekten, P. Augustin Nachtwey
O. M. I., gesandt werden. Glänzende Erfolge hatte
die Mission im englischen Südafrika, wo sie zwei
apostolische Vikariate, Natal und Orangia, und zwei
apostolische Präfekturen, Transvaal und Basutoland,
besitzt. Besonders in Natal, dem ältesten und be-
deutendsten Missionsgebiet der Oblaten, ist die Zahl
der Missionsstationen auf 182, die der Katholiken
auf 12 000 gestiegen.
Der Missionsschrift „Kreuz und Schwert“ ent-
nehmen wir folgende anschauliche Schilderung eines
„Talolo“ in Samoa:
Unter der Zahl der Gebräuche Samoas fällt
besonders einer auf, der übrigens den Völkern Ozea-
niens gemeinsam ist und sich bis heute unversehrt
bewahrt hat. Die Samoaner bezeichnen ihn mit dem
Worte „Talolo“. Es ist die größte Ehrung, die
man einem vornehmen Besuche angedeihen lassen kann.
Von zweien solcher „Talolo" war ich Augenzeuge
bei Gelegenheit der feierlichen Einweihung unserer
neuen Kirche in Lealatele. Sie galten dem hoch-
würdigsten Herrn Bischof Broyer, der die religiöse
Handlung vorgenommen hatte, und dem Könige
Josefo Mataafa.
Auf dem großen Platze der Ortschaft waren be-
reits die Lebensmittel, die Lealatele seinen Gästen
anbot, in geschmackvoller Ordnung zurechtgelegt wor-
den. Wir hatten soeben Platz genommen, als wir
in der Ferne eine dichtgedrängte Menge bemerkten,
die sich zu ordnen suchte, um sich dann unter dem
Klange der Trommel, die ein Eingeborener nach Art
des chinesischen Tamtam schlug, iu Bewegung zu
setzen. Nach einigem Zögern nähern sich uns zwei
junge Häuptlinge, auf dem stolz erhobenen Haupte,
mit dem reichen, heute ganz besonders gepflegten
Kraushaar den prächtigen Kopfschmuck, das Abzeichen
ihrer fürstlichen Herkunft. Es ist eine zierliche Feder-
krone mit einem kleinen Spiegel in der Front, der
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wie ein gewaltiger Diamant unter den Strahlen der
Sonne sunkelt. Um den unteren Rand dieser Krone,
den ein Lederband blildet, drängen sich in hübscher
Anordnung Muscheln, Eberzähne, Papageienfedern usw.
Um den Hals tragen sie eine Schnur von großen
Perlen und wohlriechenden Körnern, von der eine
Art leichter Fransen über den bronzefarbenen, mit
Kokosöl reichlich gesalbten Oberkörper herabhängt.
Um die Lenden schlingt sich ein Gürtel, ebenfalls
mit den mannigfaltigsten Schmucksachen besetzt, und
an denselben sind zahlreiche lange Blätter so ange-
näht, daß sie einen aufgebauschten Rock bilden. Diese
Grasblätter sind am Feuer getrocknet und verschieden-
artig gefärbt, besonders rot und gelb. Oberarm und
Wade schmücken ebenfalls ineinander geflochtene
Gräser, die nicht getrocknet und nicht gefärbt, ge-
wöhnlich aber mit Ol getränkt sind. In dieser
sonderbaren Tracht nähern sich uuter dem Klange
der Trommel die beiden jungen Häuptlinge, ihre
Kriegsmesser schwingend, die Streitaxt in die Höhe
werfend, um sie immer wieder mit derselben wunder-
baren Geschicklichkeit aufzufangen, und dabel fort-
während tanzend, springend und ein wildes Geschrei
ausstoßend. 15 bis 20 m hinter den beiden mar-
schiert eine große Anzahl Männer, alle auf dieselbe
Welse gekleidet, aber verschieden von den Häuptlingen.
Langsam bewegt sich der Zug. Man singt eine jener
ozeamschen, für uns etwas eintönigen Hymnen, die
aber vermittels der Modulation der Stimme im-
stande sind, je nach der Gelegenheit Furcht, Wehmut
oder Freude einzuflößen. Das Ohr des Europäers
unterscheidet zuerst weiter nichts als mehr oder
weniger wilde Laute, aber sobald es sich an den
überschwenglichen Kraftaufwand dieser starken Kehlen
gewöhnt hat, wird es bald entdecken, daß dieser ein-
fache primitive Gesang einen feierlichen, ja religiösen
Charakter trägt. Die Tellnehmer des Zuges haben
inzwischen im Kreise auf dem freien Platze Stellung
genommen, während die beiden Häuptlinge zwischen
den Zelten der hohen Persönlichkeiten erschienen sind.
der führen sie allerhand Tänze und tausenderlei
unststückchen auf, die immer und immer wieder in
der Menge laute Rufe des Berwunderns und der
Zufriedenheit erzeugen. Nachdem sie ihre Kunst eine
gewisse Zeit zur großen Ergötzlichkeit der Eingebo-
renen gezeigt hatten und die Wirbel der Trommel
sich in immer heftigerem Tempo folgten, simulierte
plötzlich der ganze Zug einen gewaltigen Schrecken
und entfloh unter einem unbeschreiblich wüsten Geschrei.
Das war der „Talolo“ der Männer; er wieder-
holt sich eben so oft, als es Dörfer gibt, die Häupt-
linge aufzuweisen haben, welche befugt sind, den
„Tuiga“ (Touin'ga), d. h. oben erwähnten Kopf-
schmuck, zu tragen. Noch ein Wort vom „Talolo“
der Frauen, der unmittelbar auf ersteren folgt. Hier
finden wir an Stelle der jungen Häuptlinge eine
Person, die den Titel „Taupou“ trägt, das heißt
Jungfrau des Landes. Es ist elne Häuptlingstochter,
die vom Volke zur Stellvertreterin ihres Vaters in