Full text: Deutsches Kolonialblatt. XV. Jahrgang, 1904. (15)

speise wird mitunter ein wenig rohes Wachs oder 
auch gewisse Blüten und Wurzeln vorher hinein- 
getan. Doch werden die meisten dieser künstlichen 
Bienenhäuschen von den Bienen selbst verschmäht. 
Im allgemeinen gibt es noch ziemlich viel Bienen 
hier, besonders in den angrenzenden trockenen, jedoch 
wald= und blütenreichen Hochländern. Eine Wein- 
flasche voll Honig kann man durchschnittlich für 8 bis 
10 Pesa (etwa 20 Pf.) kaufen. 
Dem diesjährigen Jahresberichte der Oblaten der 
Unbefleckten Jungfrau Maria entnehmen wir erfreu- 
liche Nachrichten über die Fortschritte der Mission 
in Südafrika. Im Schutzgebiet Deutsch-Südwest- 
afrika waren besetzt die Stationen: Groß-Windhuk, 
Klein-Windhuk, Epukiro und Aminuis. Nach Oka- 
wango, dessen Besetzung Anfang des Jahres nicht 
geglückt war, soll eine neue Karawane unter perfön- 
licher Führung des Präfekten, P. Augustin Nachtwey 
O. M. I., gesandt werden. Glänzende Erfolge hatte 
die Mission im englischen Südafrika, wo sie zwei 
apostolische Vikariate, Natal und Orangia, und zwei 
apostolische Präfekturen, Transvaal und Basutoland, 
besitzt. Besonders in Natal, dem ältesten und be- 
deutendsten Missionsgebiet der Oblaten, ist die Zahl 
der Missionsstationen auf 182, die der Katholiken 
auf 12 000 gestiegen. 
  
  
Der Missionsschrift „Kreuz und Schwert“ ent- 
nehmen wir folgende anschauliche Schilderung eines 
„Talolo“ in Samoa: 
Unter der Zahl der Gebräuche Samoas fällt 
besonders einer auf, der übrigens den Völkern Ozea- 
niens gemeinsam ist und sich bis heute unversehrt 
bewahrt hat. Die Samoaner bezeichnen ihn mit dem 
Worte „Talolo“. Es ist die größte Ehrung, die 
man einem vornehmen Besuche angedeihen lassen kann. 
Von zweien solcher „Talolo" war ich Augenzeuge 
bei Gelegenheit der feierlichen Einweihung unserer 
neuen Kirche in Lealatele. Sie galten dem hoch- 
würdigsten Herrn Bischof Broyer, der die religiöse 
Handlung vorgenommen hatte, und dem Könige 
Josefo Mataafa. 
Auf dem großen Platze der Ortschaft waren be- 
reits die Lebensmittel, die Lealatele seinen Gästen 
anbot, in geschmackvoller Ordnung zurechtgelegt wor- 
den. Wir hatten soeben Platz genommen, als wir 
in der Ferne eine dichtgedrängte Menge bemerkten, 
die sich zu ordnen suchte, um sich dann unter dem 
Klange der Trommel, die ein Eingeborener nach Art 
des chinesischen Tamtam schlug, iu Bewegung zu 
setzen. Nach einigem Zögern nähern sich uns zwei 
junge Häuptlinge, auf dem stolz erhobenen Haupte, 
mit dem reichen, heute ganz besonders gepflegten 
Kraushaar den prächtigen Kopfschmuck, das Abzeichen 
ihrer fürstlichen Herkunft. Es ist eine zierliche Feder- 
krone mit einem kleinen Spiegel in der Front, der 
  
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wie ein gewaltiger Diamant unter den Strahlen der 
Sonne sunkelt. Um den unteren Rand dieser Krone, 
den ein Lederband blildet, drängen sich in hübscher 
Anordnung Muscheln, Eberzähne, Papageienfedern usw. 
Um den Hals tragen sie eine Schnur von großen 
Perlen und wohlriechenden Körnern, von der eine 
Art leichter Fransen über den bronzefarbenen, mit 
Kokosöl reichlich gesalbten Oberkörper herabhängt. 
Um die Lenden schlingt sich ein Gürtel, ebenfalls 
mit den mannigfaltigsten Schmucksachen besetzt, und 
an denselben sind zahlreiche lange Blätter so ange- 
näht, daß sie einen aufgebauschten Rock bilden. Diese 
Grasblätter sind am Feuer getrocknet und verschieden- 
artig gefärbt, besonders rot und gelb. Oberarm und 
Wade schmücken ebenfalls ineinander geflochtene 
Gräser, die nicht getrocknet und nicht gefärbt, ge- 
wöhnlich aber mit Ol getränkt sind. In dieser 
sonderbaren Tracht nähern sich uuter dem Klange 
der Trommel die beiden jungen Häuptlinge, ihre 
Kriegsmesser schwingend, die Streitaxt in die Höhe 
werfend, um sie immer wieder mit derselben wunder- 
baren Geschicklichkeit aufzufangen, und dabel fort- 
während tanzend, springend und ein wildes Geschrei 
ausstoßend. 15 bis 20 m hinter den beiden mar- 
schiert eine große Anzahl Männer, alle auf dieselbe 
Welse gekleidet, aber verschieden von den Häuptlingen. 
Langsam bewegt sich der Zug. Man singt eine jener 
ozeamschen, für uns etwas eintönigen Hymnen, die 
aber vermittels der Modulation der Stimme im- 
stande sind, je nach der Gelegenheit Furcht, Wehmut 
oder Freude einzuflößen. Das Ohr des Europäers 
unterscheidet zuerst weiter nichts als mehr oder 
weniger wilde Laute, aber sobald es sich an den 
überschwenglichen Kraftaufwand dieser starken Kehlen 
gewöhnt hat, wird es bald entdecken, daß dieser ein- 
fache primitive Gesang einen feierlichen, ja religiösen 
Charakter trägt. Die Tellnehmer des Zuges haben 
inzwischen im Kreise auf dem freien Platze Stellung 
genommen, während die beiden Häuptlinge zwischen 
den Zelten der hohen Persönlichkeiten erschienen sind. 
der führen sie allerhand Tänze und tausenderlei 
unststückchen auf, die immer und immer wieder in 
der Menge laute Rufe des Berwunderns und der 
Zufriedenheit erzeugen. Nachdem sie ihre Kunst eine 
gewisse Zeit zur großen Ergötzlichkeit der Eingebo- 
renen gezeigt hatten und die Wirbel der Trommel 
sich in immer heftigerem Tempo folgten, simulierte 
plötzlich der ganze Zug einen gewaltigen Schrecken 
und entfloh unter einem unbeschreiblich wüsten Geschrei. 
Das war der „Talolo“ der Männer; er wieder- 
holt sich eben so oft, als es Dörfer gibt, die Häupt- 
linge aufzuweisen haben, welche befugt sind, den 
„Tuiga“ (Touin'ga), d. h. oben erwähnten Kopf- 
schmuck, zu tragen. Noch ein Wort vom „Talolo“ 
der Frauen, der unmittelbar auf ersteren folgt. Hier 
finden wir an Stelle der jungen Häuptlinge eine 
Person, die den Titel „Taupou“ trägt, das heißt 
Jungfrau des Landes. Es ist elne Häuptlingstochter, 
die vom Volke zur Stellvertreterin ihres Vaters in
	        
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