Metadata : Für unsere Kleinen. Hessische Fibel. 2. Teil. (2)

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2.  Caut  donnert  der  Kanonen  Schall;
vom  Turme  tönt  Geläute;
aus  jeder  Brust  ein  Widerhall
wünscht  Glück  dem  Kaiser  heute.
Um  seinen  Thron  das  Dolk  sich  drängt;
da  will  auch  ich  es  wagen:
wie  heut  ein  deutscher  Knabe  denkt,
das  soll  mein  TLied  ihm  sagen.

5.  Ich  wünschte  oft:  Wär'  ich  ein  Mann!
Da  wüßt’  ich,  was  ich  täte:
ich  schnallte  mir  den  Säbel  an
und  folgte  der  Trompete.
Ich  stieg'  aufs  Pferd,  und  nach  Zerlin
zum  Kaiser  würd'  ich  reiten,
und  müßten  wir  zum  Kampfe  ziehn,
da  wollt'  ich  für  ihn  streiten.

4.  Doch  ach!  ich  bin  ein  Knabe  noch;
ein  Schwert  kann  ich  nicht  schwingen.
Mein  Koiser,  ich  will  dir  ein  Doch
aus  voller  Kehle  bringen.

Dein  liebes  Bild  umkränze  ich
mit  Grün  der  Tannenreiser,
und  —  lieben,  lieben  will  ich  dich.

eil  dir,  mein  deutscher  Kaiser!
5  J  sch  S6  Friedrich  Stillcke.

124.  Der  Kaiser  und  sein  Patenkind.

In  einem  Dorfe  wohnte  ein  Arbeiter,  der  hatte  sieben  gesunde
Knaben.  Bei  dem  jüngsten  war  der  Kaiser  Pate  geworden.  Als
nun  einst  der  Kaiser  durch  das  Dorf  kam,  wünschte  er  sein  Patenkind
  zu  sehen.  Da  erschien  die  ganze  Familie  des  Arbeiters:  der
Vater,  die  Mutter  und  sieben  Knaben,  der  jüngste  freilich  auf  dem
Arm  der  Mutter.  Der  Kaiser  ritt  sofort  an  die  Familie  heran
und  fragte:  „Wo  ist  denn  mein  Patenkind?“

Die  Frau  des  Arbeiters  hob  nun  ihren  Kleinsten  in  die  Höhe,
und  der  Kaiser  neigte  sich  vom  Pferde  herab  gegen  das  Kind,  faßte
seine  beiden  Händchen  und  sagte:  „Guten  Morgen,  Kleiner!“