Full text : Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Vierter Band. (4)

Mackensens  Einbruch  in  die  Dobrubscha  151

zwischen  beiden  Fllissen  zu  verzögern,  bis  eine  Angriffsarmee  zur  Stelle  war.
Mackensen  wurde  angewiesen,  mit  allem,  was  binnen  drei  Tagen  in  Nordbulgarien
  zusammengekehrt  werden  konnte,  in  die  Dobrudscha  einzufallen,
die  ihm  entgegentretenden  Kräfte  zu  schlagen  und  gegen  Konstantza  vorzudringen.
  Es  war  die  einzige  Aushilfe,  die  der  deutschen  Heeresleitung  blieb,
denn  zur  Dberschreitung  der  Donau  und  zum  unmittelbaren  Flonkenangriff
auf  den  Jentralraum  Bukarest  waren  die  Divisionen,  die  Mackensen  am
Südufer  des  Stromes  vereinigen  konnte,  viel  zu  schwach.  Sie  wären  vereinzelt
  geblieben  und  völliger  Vernichtung  anheimgefallen,  da  die  Walachei
nicht  gleichzeitig  von  Norden  oder  Westen  und  von  Süden  her  angegriffen
werden  konnte.

Aber  diese  Aushilfe  war  nicht  nur  al#  Ablenkung  und  Zeitgewinn  gedacht,
  sondern  wurde  zugleich  als  Einleitung  eines  konzenerischen  Angriffs
betrachtet,  um  den  Feind  an  einer  empfindlichen  Stelle  zu  treffen,  allen
Angriffsabsichten  aus  der  Dobrudscha  heraus  zuvorzukommen  und  ihm  das
Geseh  des  Handelns  zu  entreißen.  Es  war  ein  Unternehmen  von  großer
Kühnbeit,  ein  Angriff  ins  Unbekanmte  mie  verleglicher  linker  Flanke,  der  sich
von  der  Grundstellung  lösen  mußte,  um  den  Feind  in  einem  Löwensprung
zu  erreichen  und  ihn  niederzuschlagen,  ehe  er  sich  des  Anpralls  versah.  Es
war  Krieg,  wie  ihn  der  im  Stellungskompf  und  in  Materialschlachten  befangene
  Westen,  wie  ihn  auch  der  wieder  erstarrte  Osten  nicht  mehr  kannte,
Krieg  im  Simne  binreißender  Bewegung,  aus  Unsicherheiten  geboren,  aber
zu  sicher  gestalteten  Entschlüssen  verdichtet  und  von  Mänmern  geführt,  die
den  letzten  Hauch  und  die  letzte  Willensfaser  an  die  Verwirklichung  operatiner
  Gedanken  sechten.

Am  Tage,  da  die  rumänischen  Armeen  Kronstadt  besetzten,  brach
Mackensen  mie  zusammengerafften  Divisionen  in  die  Dobrudscha  ein  und
stürzte  sich  auf  die  russo-rumänischen  Sereitkräfte,  die  zwischen  Tutrakan
und  Dobric  aufmarschiert  standen.

Von  der  Somne  ausgeglüht,  die  tagsüber  auf  die  nackte,  wasserarme
Lößlandschaft  niederbrannte,  vom  Seewind  durchkläleet,  der  nachts  schneidend
vom  Schwarzen  Meer  herüberwehte,  lag  die  Dobrudscha  vor  Mackensen
ausgebreitet.  Sie  war  seit  alters  die  strategische  Landbrücke  von  Norden
kommender  Eroberer,  die  den  Weg  nach  Konstantinopel  und  den  asiatischen
Gestaden  suchten,  stellte  aber  einem  Angreifer,  der  von  Süden  lam,  große,
natürliche  Hindernisse  entgegen.  Im  Hochsommer  1854  war  die  französische
Division  Espinasse  auf  der  Verfolgung  der  nordwärts  weichenden  Russen
in  der  Dobrudschasteppe  beinahe  kampflos  zugrunde  gegangen.  Durst  und
Cholera  hatten  die  Kraft  der  Franzosen  verzehrt.  Wohl  waren  seite  den
Zeiten  des  Krimkrieges  in  der  Dobrudscha  Bahnen  und  Straßen  gebaut
worden,  aber  sie  kamen  im  Jahre  1916  nicht  dem  Angreifer,  sondern  dem
Verteidiger  zugut,  der  an  der  Südgrenze  stand  und  #wischen  der  Donau-