— 65 —
hast du gut geraten“, sagte Georg. Da beham das Schwesterchen den
Kpfel und aß ihn auf. Kls sie aber an das Häuschen ham, besah
sie sich genau die Wände und die Kämmerchen mit den schwarzen
Mohrenkinderchen und zählte sorgfältig, wieviel es waren.
90. Der Star des Jägers Moritz.
Der alte Jäger Moritz hatte in seiner Stube einen
abgerichteten Star, der einige Worte sPrechen konnte.
Wenn zum Beispiel der Jäger rief: „Stärlein, wo bist
du?“ so schrie der Star allemal: „Hier bin ich!“
Der kleine Karl aus dem Nachbarhause hatte an
dem Vogel eine ganz besondere Freude und machte ihm
öfters einen Besuch. Als Karl wieder einmal hinkam,
war der Jäger gerade nicht in der Stube. Karl fing
geschwind den Vogel, stedtte ihn in die Tasche und
wollte damit fortschleichen.
Allein eben in dem Augenblike kam der Jäger
zur Tür herein. Er dachte dem Knaben eine Freude
zu machen und rief wie gewöhnlich: „Stärlein, wo bist
dun“ Da schrie der Vogel in der Tasche des Knaben,
so laut er konnte: „Hier bin ich!“
91. Das wohltätige Kind.
Rudolf war vom Felde heimgekommen. Da erhielt er
von der Mutter ein großes Stück Weißbrot zum Abendessen.
Er ging damit in den Hof und freute sich, denn er war
recht hungrig. Da kam Ernst, der Sohn des armen
Nachbarn, zu ihm. Der sah das Brot und sprach: „Oh,
meine kranke Schwester hat schon oft um weißes Brot
gebeten. Wir haben aber keins und können auch keins
kaufen.“ Rudolf sah Ernst an, brach das Brot in zwei
Teile, gab ihm das größere Stück und sprach: „Da
nimm und trag es geschwind zu deiner Kranken Schwester!“
Lesebuch für Unterklassen. Rh. 5