Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

564  1611  243.

Juni  20.  müssen.  3.  Man  hat  verhindert,  dass  das  passauer  Volk  ins  Reich

un
Juli  19.

kam.  4.  An  den  jälicher  Landen  ist  gemeinem  evangelischen
Wesen  doch  viel  gelegen,  wenigstens  nach  Ansicht  der  Gegner;
diese  Lande  sind  nun  durch  Vermittlung  der  Union  an  evangelische
Fürsten  statt  an  Teopold  und  an  die  Spanier  gekommen,  wodarch
den  Evangelischen  unerträglicho  Bedrängnis  erspart  wurde,  wie  aus
Tengnagels  Aussagen  zu  sehen  ist.  5.  Man  hört,  dass  das  Has
Sachsen  beim  jüterbogker  Vergleich  nicht  wenig  Rücksicht  auf  die
Union  genommen  habe,  weil  es  sah,  dass  diese  von  den  Pos#
dierenden  nicht  absetzen  wolle.  6.  Wären  wir  nicht  in  der
Union,  hätte  man  seitdem  den  Kaiser  gewiss  in  unserer  Stadt
gehabt  oder  wären  wir  mit  schweren  Forderungen  geplagt  wordes,
die  uns  saurer  angekommen  wären  als  die  der  Union.  7.  Was
für  Schaden  wäre  der  Stadt  erwachsen,  wenn  des  Markgrafen  Volk
sich  auf  deren  Untertanen  gelegt  hätte,  was  gewiss  geschehen
wäre,  wenn  wir  nicht  in  der  Union  gewesen  wären;  der  Schaden  der
Würzburger  soll  sich  auf  200000  fl.  belaufen.  —  Diese  Grände
muss  man  jetzt  noch  mehr  erwägen  als  bevor  man  in  die  Union  trat;
damals  hatte  man  noch  alle  Katholischen  zu  Freunden,  die  begehrten,
dass  unsere  Herrn  zu  ihnen  treten.  Jetzt  sind  sie  uns  entfremdet:
dazu  tragen  wir  auch  den  Unwillen  der  mitunierten  Kurfürsten
und  Fürsten,  weil  wir  uns  des  jülicher  und  elsässer  Zugs  nicht
annehmen  wollten  und  den  Neuburgs  noch  besonders,  weil  wir
ihm  im  Administrations-Streit  nicht  beipflichteten  und  wird  der  Unwille
noch  zunehmen,  wenn  wir,  nachdem  es  mit  dem  Kaiser  und  Sachsen
in  anderen  Stand  gekommen  ist  und  Strassburg  neben  den  rheinischen
Städten  sich  willig  finden  lässt,  uns  widrig  erzeigen  und  noch
andere  Städte  abwendig  machen.  —  Darum  möge  man  sich  wehren,  so
lang  man  kann;  wenn  es  aber  nichts  hilf,  so  muss  ınan  anf
Mittel  denken,  sich  soviel  als  möglich  bei  voriger  Erklärung  zu
erhalten  und  dabei  doch  den  Kurfürsten  und  Fürsten  nicht  vor  den
Kopf  zu  stossen.  —  Dazu  wären  aber  folgende  von  Dr.  Oelbafen  und
Dr.  Burkhard  vorgeschlagene  Mittel  gut,  die  man  der  Instruktiva
einrerleiben  könnte:  1.  Man  will  mit  den  hessischen,  obeatrautischen
  und  den  Lehenreitern  nichts  zu  tun  haben,  aber  das
fuchsische  und  helmstättische  Regiment  ron  der  Musterung  bis  zum
Anzug  bezahlen  helfen.  2.  Der  e)sässische  Zug  ist  ganz  bei  Seite
zu  setzen  und  nur  zu  passieren,  was  vor  dem  elsässischen  Einfall
und  nach  dem  Abzug  aufgegangen  ist.  3.  Da  nicht  in  Abrede
gestellt  werden  kann,  dass  durch  den  Einfall  ins  Elsass  auch
der  Union  insgesamt  Nutzen  geschaffen  worden  ist,  so  soll  alles
Volk  die  monatliche  Besoldung  von  gemeiner  Union  erhalten,  aber
die  Aufwendungen  für  die  hohen  Befehle,  Munition,  Artillerie  etc.
separiert  werden.

Die  andern  Rechtsgelehrten  fanden  das  dritte  Mittel  voriger
Erklärung  zuwider,  dass  man  sich  des  jülicher  und  elsässer