Full text: Deutsches Kolonialblatt. XX. Jahrgang, 1909. (20)

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Was beim Castilloa-Gummi möglich ist, 
sollte vielleicht auch beim Kickxria-Kaut- 
schuk erreichbar sein. Wenn auch der Kaut- 
schuk an und für sich eine Substanz von überaus 
komplizierter chemischer und physikalischer Be- 
schaffenheit darstellt, einen Stoff, der den Fach- 
leuten noch heute eine ganze Reihe ungelöster 
Rätsel bietet, und wenn auch die einzelnen 
Kautschukarten — im botanischen Sinne ge- 
dacht — untereinander tiefgehende Verschieden- 
heiten aufweisen, so sind doch einigen Arten ge- 
wisse Eigenschaften gemeinsam. So zeigen z. B. 
die Produkte von Hevea, Castillog und Kickxia 
eine ausgesprochene Neigung zum Nachdunkeln 
bis zur Schwarzfärbung. Diese Tatsache berech- 
tigt zum Mindesten zu der Hoffnung, daß man 
mit gleichen oder ähnlichen Mitteln bei der Her- 
stellung der drei Kautschukarten jenen chemischen 
Vorgang verhindern könnte. 
Der westafrikanische Kickria-Kautschuk 
soll in neuerer Zeit — wie mir von Herrn 
Direktor Prinzhorn in Hannover gesagt wurde 
— gegen früher in seiner äußeren Beschaffenheit 
erheblich nachgelassen haben. Die heutigen An- 
lieferungen seien — namentlich in der Farbe — 
weniger gut als noch vor 10 Jahren der früher 
so geschätzte Lagos Silk Rubber-. Das bezieht 
sich zwar vorläufig nur auf Wild-Kautschuk, gibt 
aber für die Plantagenleiter zu denken. Sobald 
erst die Produkte der Kickria-Pflanzungen in 
größerem Umfange auf dem Markt erscheinen, 
werden voraussichtlich auch die Anforderungen an 
diesen Kautschuk höher geschraubt werden, und 
dann wird es darauf ankommen, gegen die Kon- 
kurrenz aus anderen Gebieten gewappnet zu sein. 
Bei den Mustern von Kickria-Gummi auf der 
Londoner Ausstellung war nicht in allen Fällen 
vermerkt worden, ob es sich um Wild-Kautschuk 
oder um Plantagenprodukte handelte; ich fasse 
daher hier alles Bemerkenswerte über die dort 
vorhandenen Stücke dieser Art zusammen. 
Plantagen-Kautschuk von Kickxia hatte 
u. a. die westindische Insel Dominica gesandt. 
Die „Mabira-Forest Rubber Co. Ltd."“ in 
Mabira (Uganda) hatte Crépes und gemusterte 
Sheets ausgestellt, ein Produkt von schwarz- 
brauner bis schwarzer Farbe und meist klebriger 
Oberfläche. Auch die von der Goldküste stam- 
menden graubraunen Crepes und schwarzen Bis- 
kuits waren teilweise äußerlich recht unansehnlich, 
besonders aber der Hard Ashanti Lump 
Rubber 
Als Koagulierungsmittel wird an der 
Goldküste, wie auch in Uganda, neuerdings der 
stark gerbstoffhaltige Saft der Blätter von Bau- 
hinia reticulata verwendet. Dieser, zu den 
Leguminosen gehörige Baum oder Baumsstrauch 
  
ist im ganzen tropischen Afrika zu Hause. An 
der Goldküste wird er „Ototaka“ oder „Nyama“, 
im südlichen Togo, wo er ungemein häufig vor- 
kommt, ebenfalls „Nyama“ genannt. Der in der 
Goldküsten-Gruppe der Ausstellung vorhandene, 
mit dem Aufguß dieser Blätter koagulierte Kaut- 
schuk zeichnete sich äußerlich recht vorteilhaft vor 
den daneben liegenden Mustern aus, bei denen 
der Milchsaft mit Hilfe chemischer Agentien 
oder durch Aufkochen zum Gerinnen gebracht 
worden war. 
Will man das fragliche Mittel oder andere 
gerbstoffhaltige Substanzen zur Koagulierung ver- 
wenden, so wird man darauf bedacht sein müssen, 
den Uberschuß des Gerinnungsmittels sorgfältig 
durch Auswaschen zu entfernen, weil andernfalls 
durch Oxydation der Gerbstoffe wohl in allen 
Fällen ein Nachdunkeln eintreten dürfte. 
Das Wenige, aber um so Wichtigere, was über 
den Cearäáä-Kautschuk auf der Londoner Aus- 
stellung zu sagen war, ist oben bereits bei Be- 
sprechung der Ceylon-Gruppe berücksichtigt 
worden. Hier sei nur noch ergänzend bemerkt, 
daß die „Ceard smoked Biskuitsc und „Smoked 
Scrabse der Companhia de Mocçambique 
dem Außern nach nicht gerade geeignet waren, 
für das Räucherverfahren zu sprechen. 
Der Vollständigkeit halber sei noch eines 
weiteren Plantagen-Kautschuks gedacht, der vor- 
läufig allerdings nur lokales Interesse besitzt, des 
k· Columbian virgen= von Sapium biglan- 
dulosum (wohl S. verum?), den die Pflanzung 
„El Dorado“ von Nieto Rocha y Cia. in 
Bogots, Columbien, ausgestellt hatte. Die Pflan- 
zung liegt 400 bis 700 m über dem Meeres- 
spiegel und ist jetzt 25 Jahre alt. Die Bäume 
wurden erst im Alter von 20 Jahren angezapft. 
Ein festes, gutnerviges Gummi in mächtigen 
Klumpen von dunkelbrauner Farbe mit heller 
Aderung (geräuchert). 
Auch die in der Gruppe des Botanischen 
Gartens Kew (siehe unten) ausgelegten = Colum- 
bian Scraps- von Sapium verum machten 
einen guten Eindruck. 
Selbstverständlich war auch Wild-Kautschuk 
auf der Ausstellung in großer Fülle und Arten- 
mannigfaltigkeit vertreten. 
An erster Stelle ist hier die Beschickung von 
Brasilien zu erwähnen. Eine anschaulichere 
Illustration hätte die gewaltige Kautschukproduktion 
dieses Landes nicht erhalten können, als durch 
die massigen Darbietungen der Ausstellung. Mag 
auch die im Katalog angegebene Menge von 
10500 kg in Wirklichkeit kaum zur Hälfte erreicht 
worden sein, so wirkten doch die verschiedenen An-
	        
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