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Was beim Castilloa-Gummi möglich ist,
sollte vielleicht auch beim Kickxria-Kaut-
schuk erreichbar sein. Wenn auch der Kaut-
schuk an und für sich eine Substanz von überaus
komplizierter chemischer und physikalischer Be-
schaffenheit darstellt, einen Stoff, der den Fach-
leuten noch heute eine ganze Reihe ungelöster
Rätsel bietet, und wenn auch die einzelnen
Kautschukarten — im botanischen Sinne ge-
dacht — untereinander tiefgehende Verschieden-
heiten aufweisen, so sind doch einigen Arten ge-
wisse Eigenschaften gemeinsam. So zeigen z. B.
die Produkte von Hevea, Castillog und Kickxia
eine ausgesprochene Neigung zum Nachdunkeln
bis zur Schwarzfärbung. Diese Tatsache berech-
tigt zum Mindesten zu der Hoffnung, daß man
mit gleichen oder ähnlichen Mitteln bei der Her-
stellung der drei Kautschukarten jenen chemischen
Vorgang verhindern könnte.
Der westafrikanische Kickria-Kautschuk
soll in neuerer Zeit — wie mir von Herrn
Direktor Prinzhorn in Hannover gesagt wurde
— gegen früher in seiner äußeren Beschaffenheit
erheblich nachgelassen haben. Die heutigen An-
lieferungen seien — namentlich in der Farbe —
weniger gut als noch vor 10 Jahren der früher
so geschätzte Lagos Silk Rubber-. Das bezieht
sich zwar vorläufig nur auf Wild-Kautschuk, gibt
aber für die Plantagenleiter zu denken. Sobald
erst die Produkte der Kickria-Pflanzungen in
größerem Umfange auf dem Markt erscheinen,
werden voraussichtlich auch die Anforderungen an
diesen Kautschuk höher geschraubt werden, und
dann wird es darauf ankommen, gegen die Kon-
kurrenz aus anderen Gebieten gewappnet zu sein.
Bei den Mustern von Kickria-Gummi auf der
Londoner Ausstellung war nicht in allen Fällen
vermerkt worden, ob es sich um Wild-Kautschuk
oder um Plantagenprodukte handelte; ich fasse
daher hier alles Bemerkenswerte über die dort
vorhandenen Stücke dieser Art zusammen.
Plantagen-Kautschuk von Kickxia hatte
u. a. die westindische Insel Dominica gesandt.
Die „Mabira-Forest Rubber Co. Ltd."“ in
Mabira (Uganda) hatte Crépes und gemusterte
Sheets ausgestellt, ein Produkt von schwarz-
brauner bis schwarzer Farbe und meist klebriger
Oberfläche. Auch die von der Goldküste stam-
menden graubraunen Crepes und schwarzen Bis-
kuits waren teilweise äußerlich recht unansehnlich,
besonders aber der Hard Ashanti Lump
Rubber
Als Koagulierungsmittel wird an der
Goldküste, wie auch in Uganda, neuerdings der
stark gerbstoffhaltige Saft der Blätter von Bau-
hinia reticulata verwendet. Dieser, zu den
Leguminosen gehörige Baum oder Baumsstrauch
ist im ganzen tropischen Afrika zu Hause. An
der Goldküste wird er „Ototaka“ oder „Nyama“,
im südlichen Togo, wo er ungemein häufig vor-
kommt, ebenfalls „Nyama“ genannt. Der in der
Goldküsten-Gruppe der Ausstellung vorhandene,
mit dem Aufguß dieser Blätter koagulierte Kaut-
schuk zeichnete sich äußerlich recht vorteilhaft vor
den daneben liegenden Mustern aus, bei denen
der Milchsaft mit Hilfe chemischer Agentien
oder durch Aufkochen zum Gerinnen gebracht
worden war.
Will man das fragliche Mittel oder andere
gerbstoffhaltige Substanzen zur Koagulierung ver-
wenden, so wird man darauf bedacht sein müssen,
den Uberschuß des Gerinnungsmittels sorgfältig
durch Auswaschen zu entfernen, weil andernfalls
durch Oxydation der Gerbstoffe wohl in allen
Fällen ein Nachdunkeln eintreten dürfte.
Das Wenige, aber um so Wichtigere, was über
den Cearäáä-Kautschuk auf der Londoner Aus-
stellung zu sagen war, ist oben bereits bei Be-
sprechung der Ceylon-Gruppe berücksichtigt
worden. Hier sei nur noch ergänzend bemerkt,
daß die „Ceard smoked Biskuitsc und „Smoked
Scrabse der Companhia de Mocçambique
dem Außern nach nicht gerade geeignet waren,
für das Räucherverfahren zu sprechen.
Der Vollständigkeit halber sei noch eines
weiteren Plantagen-Kautschuks gedacht, der vor-
läufig allerdings nur lokales Interesse besitzt, des
k· Columbian virgen= von Sapium biglan-
dulosum (wohl S. verum?), den die Pflanzung
„El Dorado“ von Nieto Rocha y Cia. in
Bogots, Columbien, ausgestellt hatte. Die Pflan-
zung liegt 400 bis 700 m über dem Meeres-
spiegel und ist jetzt 25 Jahre alt. Die Bäume
wurden erst im Alter von 20 Jahren angezapft.
Ein festes, gutnerviges Gummi in mächtigen
Klumpen von dunkelbrauner Farbe mit heller
Aderung (geräuchert).
Auch die in der Gruppe des Botanischen
Gartens Kew (siehe unten) ausgelegten = Colum-
bian Scraps- von Sapium verum machten
einen guten Eindruck.
Selbstverständlich war auch Wild-Kautschuk
auf der Ausstellung in großer Fülle und Arten-
mannigfaltigkeit vertreten.
An erster Stelle ist hier die Beschickung von
Brasilien zu erwähnen. Eine anschaulichere
Illustration hätte die gewaltige Kautschukproduktion
dieses Landes nicht erhalten können, als durch
die massigen Darbietungen der Ausstellung. Mag
auch die im Katalog angegebene Menge von
10500 kg in Wirklichkeit kaum zur Hälfte erreicht
worden sein, so wirkten doch die verschiedenen An-