Full text: Deutsches Kolonialblatt. XX. Jahrgang, 1909. (20)

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überall erfüllen oder nicht: eine Tatsache wird 
nicht mehr in Abrede gestellt werden 
können, nämlich diejenige, daß nur erst- 
klassige Produkte dauernd Aussicht auf 
glatten Absatz finden und dem Produzenten 
noch einen annehmbaren Gewinn bringen 
werden. Das gilt sowohl für wilden, wie für 
Plantagenkautschuk. 
Mag auch in Zukunft immer noch Bedarf an 
billigen, geringeren Sorten bestehen — zweifel- 
los wird der Markt von den hochwertigen 
Produkten beherrscht werden. 
In den asiatischen Besitzungen Englands haben 
sich gewaltige Produktionszentren entwickelt, die 
zwar heute noch nicht mit dem ganzen Gewicht 
ihrer Anlieferungen auf den Markt treten können, 
da die Pflanzungen größtenteils das Alter der 
Ausbeutungsfähigkeit noch nicht erreicht haben, 
die aber in wenigen Jahren eine Verschiebung 
der Bedingungen des Kautschukhandels bewirken 
müssen und bewirken werden. 
Die bedeutenden, von dort zu erwartenden 
Anlieferungen werden nicht nur auf die Preis- 
bildung einen nachhaltigen Einfluß ausüben, sie 
werden vor allem die minderwertigen Sorten 
zurückdrängen, weil sie zum weitaus größten Teile 
aus Para-Kautschuk und zwar Para-Kautschuk 
von hervorragender Qualität bestehen werden. 
Da wir Grund zu der Annahme haben, daß 
sich auch die besten Marken des wilden brasilia- 
nischen Para-Gummis dauernd auf dem Markt 
halten werden, dürfen wir uns den Kaut- 
schukhandel der Zukunft in gewissem Um- 
fange allein vom Hevea-Kautschuk be- 
herrscht vorstellen. Wie sich auch im übrigen 
die Industrie mit speziellen Anforderungen für 
gewisse Fabrikationszweige stellen und wie auch 
die Produktion anderer Kautschukarten hierdurch 
beeinflußt werden möge, Tatsache bleibt doch, 
daß jenes Produkt allen anderen an Güte über- 
legen ist, und daß bestimmte Fabrikate sich nur 
aus Para-Kautschuk herstellen lassen. Daher 
wird letzterer stets einer ungeschwächten Nach- 
frage auf dem Markt gegenüberstehen. 
Unter solchen Umständen werden sich allen 
denjenigen Plantagen die günstigsten Aussichten 
für die Zukunft eröffnen, welche Hevea in Kultur 
genommen haben, wenigstens überall dort, wo 
der Baum in ähnlich ergiebiger Weise Gummi 
liefert, wie in den britisch-asiatischen Besitzungen.) 
— 
  
*) Nach neueren Berichten ist das z. B. im Kongo- 
staate mehrfach (Temvo, CEala. Mangi am Kassai)l nicht 
der Fall. Die Hevea gedeiht zwar freudig, gibt aber 
noch nach 7 bis 8 Jahren kaum Milchsaft, so daß man 
allen weiteren Versuchen mit dieser Pflanze dort step- 
tisch gegenubersteht. 
  
Abgesehen von der Prüfung der Ortlichkeit für 
Neuanlagen ist man — wie die einschlägige Literatur 
ergibt und wie auch die Londoner Ausstellung ge- 
zeigt hat — bei der Hevea im wesentlichen über das 
Versuchsstadium hinaus, sowohl was die Kultur, 
als auch was die Gewinnung und Vorbereitung 
des Rohgummis anlangt. Die Pflanzer befinden 
sich also auch in dieser Richtung in einer günsti- 
gen Lage. 
In Kamerun hat man eigentümlicherweise 
die Hevea-Kultur lange Zeit vernachlässigt, ob- 
wohl ihr die natürlichen Bedingungen des Wald- 
landes eine überaus günstige Perspektive eröffneten. 
Die Gründe für diese immerhin auffallende Er- 
scheinung lagen einerseits in unbefriedigenden 
Zapfergebnissen, die man seinerzeit an einigen 
wenigen, im Botanischen Garten zu Victoria vor- 
handenen Hevea-Bäumen zu verzeichnen hatte, 
anderseits aber in der Entdeckung der Funtumia 
(Kick xia) elastica, desjenigen Baumes, dem 
die Südbezirke der Kolonie ihre enorme Kautschuk- 
produktion verdanken. 
Jene unbefriedigenden Anzapfungsergebnisse 
riefen die irrige Ansicht hervor, daß Boden und 
Klima Kameruns der Hevea nicht günstig seien, 
die Auffindung der „echten“ Kickria und die Fest- 
stellung ihrer großen Bestände im Innern zeitigte 
anderseits die Theorie, daß man in erster Linie 
denjenigen Kautschukkaum in Kultur nehmen 
müsse, der im Lande selbst vorkommt. Man 
übersah aber hierbei, daß dieser Baum sich in 
unmittelbarer Nähe der Küste und speziell im 
eigentlichen Plantagengebiet am Kamerunberge 
wild nicht findet, und daß noch keineswegs er- 
wiesen war, ob er in dieser Zone ausgiebig 
genug sein würde, um die Anpflanzung rentabel 
zu gestalten. 
Noch im Jahre 1904 feiel es mir schwer, bei 
den Kameruner Pflanzern mit Vorschlägen zur 
Anlage größerer Hevea-Versuchskulturen Gehör 
zu finden. 
Inzwischen ist hierin Wandel eingetreten. 
Im Jahre 1906 waren rund 4 ha mit Hevea 
bestellt (mit Kickria 1355 ha), 1907 12 ha 
(Kickria 2074 ha). 
Sind diese Anpflanzungen im Vergleich zu 
den mit Hevea bestellten Arcalen in der Südsee 
auch noch sehr bescheiden, so ist es doch zu be- 
grüßen, daß die Hevea-Kultur in Kamernn sich 
Boden zu erobern beginnt. Neuere, von Weber- 
bauer ausgeführte Anzapfungen haben an 
10 jährigen Hevea-Bäumen, einen Ertrag von 
rund 500g pro Baum geliefert.“) Freilich 
werden sich auch in Kamerun, wie in andere ## 
Produktionsgebieten je nach Boden und Lage der 
*) Siche „Tropenpflanzer“ 1907 S. 812.
	        
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