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überall erfüllen oder nicht: eine Tatsache wird
nicht mehr in Abrede gestellt werden
können, nämlich diejenige, daß nur erst-
klassige Produkte dauernd Aussicht auf
glatten Absatz finden und dem Produzenten
noch einen annehmbaren Gewinn bringen
werden. Das gilt sowohl für wilden, wie für
Plantagenkautschuk.
Mag auch in Zukunft immer noch Bedarf an
billigen, geringeren Sorten bestehen — zweifel-
los wird der Markt von den hochwertigen
Produkten beherrscht werden.
In den asiatischen Besitzungen Englands haben
sich gewaltige Produktionszentren entwickelt, die
zwar heute noch nicht mit dem ganzen Gewicht
ihrer Anlieferungen auf den Markt treten können,
da die Pflanzungen größtenteils das Alter der
Ausbeutungsfähigkeit noch nicht erreicht haben,
die aber in wenigen Jahren eine Verschiebung
der Bedingungen des Kautschukhandels bewirken
müssen und bewirken werden.
Die bedeutenden, von dort zu erwartenden
Anlieferungen werden nicht nur auf die Preis-
bildung einen nachhaltigen Einfluß ausüben, sie
werden vor allem die minderwertigen Sorten
zurückdrängen, weil sie zum weitaus größten Teile
aus Para-Kautschuk und zwar Para-Kautschuk
von hervorragender Qualität bestehen werden.
Da wir Grund zu der Annahme haben, daß
sich auch die besten Marken des wilden brasilia-
nischen Para-Gummis dauernd auf dem Markt
halten werden, dürfen wir uns den Kaut-
schukhandel der Zukunft in gewissem Um-
fange allein vom Hevea-Kautschuk be-
herrscht vorstellen. Wie sich auch im übrigen
die Industrie mit speziellen Anforderungen für
gewisse Fabrikationszweige stellen und wie auch
die Produktion anderer Kautschukarten hierdurch
beeinflußt werden möge, Tatsache bleibt doch,
daß jenes Produkt allen anderen an Güte über-
legen ist, und daß bestimmte Fabrikate sich nur
aus Para-Kautschuk herstellen lassen. Daher
wird letzterer stets einer ungeschwächten Nach-
frage auf dem Markt gegenüberstehen.
Unter solchen Umständen werden sich allen
denjenigen Plantagen die günstigsten Aussichten
für die Zukunft eröffnen, welche Hevea in Kultur
genommen haben, wenigstens überall dort, wo
der Baum in ähnlich ergiebiger Weise Gummi
liefert, wie in den britisch-asiatischen Besitzungen.)
—
*) Nach neueren Berichten ist das z. B. im Kongo-
staate mehrfach (Temvo, CEala. Mangi am Kassai)l nicht
der Fall. Die Hevea gedeiht zwar freudig, gibt aber
noch nach 7 bis 8 Jahren kaum Milchsaft, so daß man
allen weiteren Versuchen mit dieser Pflanze dort step-
tisch gegenubersteht.
Abgesehen von der Prüfung der Ortlichkeit für
Neuanlagen ist man — wie die einschlägige Literatur
ergibt und wie auch die Londoner Ausstellung ge-
zeigt hat — bei der Hevea im wesentlichen über das
Versuchsstadium hinaus, sowohl was die Kultur,
als auch was die Gewinnung und Vorbereitung
des Rohgummis anlangt. Die Pflanzer befinden
sich also auch in dieser Richtung in einer günsti-
gen Lage.
In Kamerun hat man eigentümlicherweise
die Hevea-Kultur lange Zeit vernachlässigt, ob-
wohl ihr die natürlichen Bedingungen des Wald-
landes eine überaus günstige Perspektive eröffneten.
Die Gründe für diese immerhin auffallende Er-
scheinung lagen einerseits in unbefriedigenden
Zapfergebnissen, die man seinerzeit an einigen
wenigen, im Botanischen Garten zu Victoria vor-
handenen Hevea-Bäumen zu verzeichnen hatte,
anderseits aber in der Entdeckung der Funtumia
(Kick xia) elastica, desjenigen Baumes, dem
die Südbezirke der Kolonie ihre enorme Kautschuk-
produktion verdanken.
Jene unbefriedigenden Anzapfungsergebnisse
riefen die irrige Ansicht hervor, daß Boden und
Klima Kameruns der Hevea nicht günstig seien,
die Auffindung der „echten“ Kickria und die Fest-
stellung ihrer großen Bestände im Innern zeitigte
anderseits die Theorie, daß man in erster Linie
denjenigen Kautschukkaum in Kultur nehmen
müsse, der im Lande selbst vorkommt. Man
übersah aber hierbei, daß dieser Baum sich in
unmittelbarer Nähe der Küste und speziell im
eigentlichen Plantagengebiet am Kamerunberge
wild nicht findet, und daß noch keineswegs er-
wiesen war, ob er in dieser Zone ausgiebig
genug sein würde, um die Anpflanzung rentabel
zu gestalten.
Noch im Jahre 1904 feiel es mir schwer, bei
den Kameruner Pflanzern mit Vorschlägen zur
Anlage größerer Hevea-Versuchskulturen Gehör
zu finden.
Inzwischen ist hierin Wandel eingetreten.
Im Jahre 1906 waren rund 4 ha mit Hevea
bestellt (mit Kickria 1355 ha), 1907 12 ha
(Kickria 2074 ha).
Sind diese Anpflanzungen im Vergleich zu
den mit Hevea bestellten Arcalen in der Südsee
auch noch sehr bescheiden, so ist es doch zu be-
grüßen, daß die Hevea-Kultur in Kamernn sich
Boden zu erobern beginnt. Neuere, von Weber-
bauer ausgeführte Anzapfungen haben an
10 jährigen Hevea-Bäumen, einen Ertrag von
rund 500g pro Baum geliefert.“) Freilich
werden sich auch in Kamerun, wie in andere ##
Produktionsgebieten je nach Boden und Lage der
*) Siche „Tropenpflanzer“ 1907 S. 812.