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und sich schroff abhebenden Mamiwa-Bergkette
seine höchste Erhebung. Der zur Massaisteppe
steil abfallende Bruchrand von 500 bis 1000 m
Sprunghöhe vom freiliegenden Gebirgsflusse ab
senkt sich allmählich nach Südwesten. Nördlich
der Mamiwa= und Mujera-Berge erleidet die
schroffe Sprunghöhe eine Abschwächung durch ein
vorgelagertes niedrigeres Bergland, das Quell-
gebiet des Tame= (Kitangi-) Flusses. Nur dieses
stark erodierte Vorland ist leidlich bevölkert. Das
Gebirgsland südlich der Hauptkette zeigt nur
wenige kleine Dörfer im Süden und die spärliche
Siedelungsinsel am Mihindobach.
Das Gebirgsland ist in weit überwiegender
Ausdehnung Grasland. In diesem sind nur
ganz vereinzelt kleine Flächen eines hygrophilen
Waldes stehen geblieben. Regenwald in ge-
schlossenen Beständen (mit baumartigen Farnen,
Musa, Brombeeren, Flechten an den Bäumen usw.)
findet sich heute nur noch auf dem beschriebenen
Hauptgebirgszuge von den Mamiwa-Bergen nach
Südosten bis zu den Bukobergen, auf dem Berg-
zuge an der Grenze des Morogoro-Bezirks und
in dem Dreieck, in dem die beiden Bergzüge bei
Kidohe zusammenstoßen. Dieser letztere Urwald-
komplex in dem Gebirgsdreieck mag wohl eine
Größe von etwa 7500 ha haben. Eine nähere
Beschreibung seiner Grenzen ist zur Zeit nicht
möglich, da der Wald wegelos ist. Dagegen ist
der Chagongwe= und der Boma-Wald südlich der
Mamiwa= und der Manjera-Berge zum Wald-
reservat erklärt worden.
Das Tal des Msetabaches ist mit sehr lichtem
Wald im Charakter des Myombowaldes bestanden,
der den Graswuchs nicht behindert.
Im übrigen ist das Gebirgsland einschließlich
der Vorberge im Stromgebiet des oberen Kitangi-
Flusses und das Tal des Nijekuru-Flusses ein
großes Grasland. Es sind zwar hohe Gräser
(scheinbar Andropogon-Arten) vorherrschend, doch
ist auffällig, daß an den Dörfern, auf den Weide-
plätzen des Viehs, kurze saftige Weidegräser ent-
standen sind, ein Beweis dafür, daß auch hier
zu Lande erst der Weidegang gute Viehweiden
hervorbringt. Auffällig ist der Wasserreichtum
dieses Landes. Jedes kleine Tal hat seinen Bach
oder doch ein kleines Wassergerinsel auch noch
am Ende der Trockenheit.
Das Rindvieh, auch die Schafe und Ziegen
der Eingeborenen waren gesund und außer-
gewöhnlich fett. In der Regenzeit soll das Vieh
zuweilen krank werden. Das erscheint nicht
wunderbar, wenn man sieht, daß das Vieh auch
nachts ohne irgendwelchen Schutz dem Winde
und Regen preisgegeben ist, und zwar bei Tem-
peraturen, die in den hochgelegenen Dörfern
(1500 bis 1940 m) wohl zuweilen nahe an den
Gefrierpunkt herankommen mögen.
Die Eingeborenen schätzen das kalte, nebelige
und feuchte Klima nicht. Ihre dürftige Kleidung
bietet ihnen nicht genügend Schutz gegen die
Unbilden der Witterung. Dazu kommt, daß Hirse
hier nicht mehr gedeiht und somit auf die landes-
übliche Pombe (Bier) verzichtet werden muß.
Das sind Gründe genug, um den Zug nach der
wärmeren Ebene in den Bergbewohnern lebendig
zu halten. Gefahren von den Massai und den
Wahehe drohen jetzt auch nicht mehr, und so
werden in nicht allzu langer Zeit auch die wenigen
jetzt noch vorhandenen kleinen Siedelungen ver-
schwinden. Die englischen Missionare sagen, es
sei auffällig, wie schnell die Vorberge am Ponera=
Berge, wo sie bis vor wenigen Jahren die
Missionsstation Itumba unterhalten haben, ent-
völkert seien. Die meisten Eingeborenen seien
seit zehn Jahren an den Fuß des Gebirges ge-
zogen. Aber auch ganz abgesehen von diesem
Vorlande stehen heute schon etwa 40 000 ha
Grasland südlich der Hauptgebirgskette zur Ver-
fügung.
Ich halte das Land für eine durch europäische
Ansiedler betriebene Viehzucht für wohl geeignet.
Empfehlenswert scheint mir ein Versuch mit
Merinoschafen zu sein, nicht aber in der Art der
Kreuzung mit einheimischen Schafen, sondern eine
Züchtung nur in der reinen Rasse zum Zwecke
der Wollerzeugung.
Ganz ähnliche Hochländer mit nahezu gleichen
Wasserverhältnissen, Temperaturen und Graswuchs
bietet auch das Wotagebirge südlich von Mpapua
und vielleicht auch das Usagaragebirge am
Rowuma-Fluß, dem Grenzfluß gegen Kilossa."
Wenn somit die natürlichen Bedingungen
diese Hochländer für europäische Viehzüchter wohl
geeignet erscheinen lassen, so hängt doch der Er-
folg der Viehzucht davon ab, daß der Ansiedler
genügendes Kapital mitbringt, um sich das not-
wendige Zuchtmaterial zu beschaffen und sich selbst
so lange unterhalten zu können, bis er, in etwa
zwei bis drei Jahren, vom Ertrag seiner Vieh-
zucht leben kann.
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Kamerun.
Eine Sxpedition gegen die Raka.“)
(Mit einer Kartenskizze.)
Im März 1908 brach ich von Ntem aus
mit zehn Soldaten in nördlicher Richtung zur
*) Aus einem Berichte des Oberleutnants Werner.