Full text: Deutsches Kolonialblatt. XX. Jahrgang, 1909. (20)

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und sich schroff abhebenden Mamiwa-Bergkette 
seine höchste Erhebung. Der zur Massaisteppe 
steil abfallende Bruchrand von 500 bis 1000 m 
Sprunghöhe vom freiliegenden Gebirgsflusse ab 
senkt sich allmählich nach Südwesten. Nördlich 
der Mamiwa= und Mujera-Berge erleidet die 
schroffe Sprunghöhe eine Abschwächung durch ein 
vorgelagertes niedrigeres Bergland, das Quell- 
gebiet des Tame= (Kitangi-) Flusses. Nur dieses 
stark erodierte Vorland ist leidlich bevölkert. Das 
Gebirgsland südlich der Hauptkette zeigt nur 
wenige kleine Dörfer im Süden und die spärliche 
Siedelungsinsel am Mihindobach. 
Das Gebirgsland ist in weit überwiegender 
Ausdehnung Grasland. In diesem sind nur 
ganz vereinzelt kleine Flächen eines hygrophilen 
Waldes stehen geblieben. Regenwald in ge- 
schlossenen Beständen (mit baumartigen Farnen, 
Musa, Brombeeren, Flechten an den Bäumen usw.) 
findet sich heute nur noch auf dem beschriebenen 
Hauptgebirgszuge von den Mamiwa-Bergen nach 
Südosten bis zu den Bukobergen, auf dem Berg- 
zuge an der Grenze des Morogoro-Bezirks und 
in dem Dreieck, in dem die beiden Bergzüge bei 
Kidohe zusammenstoßen. Dieser letztere Urwald- 
komplex in dem Gebirgsdreieck mag wohl eine 
Größe von etwa 7500 ha haben. Eine nähere 
Beschreibung seiner Grenzen ist zur Zeit nicht 
möglich, da der Wald wegelos ist. Dagegen ist 
der Chagongwe= und der Boma-Wald südlich der 
Mamiwa= und der Manjera-Berge zum Wald- 
reservat erklärt worden. 
Das Tal des Msetabaches ist mit sehr lichtem 
Wald im Charakter des Myombowaldes bestanden, 
der den Graswuchs nicht behindert. 
Im übrigen ist das Gebirgsland einschließlich 
der Vorberge im Stromgebiet des oberen Kitangi- 
Flusses und das Tal des Nijekuru-Flusses ein 
großes Grasland. Es sind zwar hohe Gräser 
(scheinbar Andropogon-Arten) vorherrschend, doch 
ist auffällig, daß an den Dörfern, auf den Weide- 
plätzen des Viehs, kurze saftige Weidegräser ent- 
standen sind, ein Beweis dafür, daß auch hier 
zu Lande erst der Weidegang gute Viehweiden 
hervorbringt. Auffällig ist der Wasserreichtum 
dieses Landes. Jedes kleine Tal hat seinen Bach 
oder doch ein kleines Wassergerinsel auch noch 
am Ende der Trockenheit. 
Das Rindvieh, auch die Schafe und Ziegen 
der Eingeborenen waren gesund und außer- 
gewöhnlich fett. In der Regenzeit soll das Vieh 
zuweilen krank werden. Das erscheint nicht 
wunderbar, wenn man sieht, daß das Vieh auch 
nachts ohne irgendwelchen Schutz dem Winde 
und Regen preisgegeben ist, und zwar bei Tem- 
peraturen, die in den hochgelegenen Dörfern 
  
(1500 bis 1940 m) wohl zuweilen nahe an den 
Gefrierpunkt herankommen mögen. 
Die Eingeborenen schätzen das kalte, nebelige 
und feuchte Klima nicht. Ihre dürftige Kleidung 
bietet ihnen nicht genügend Schutz gegen die 
Unbilden der Witterung. Dazu kommt, daß Hirse 
hier nicht mehr gedeiht und somit auf die landes- 
übliche Pombe (Bier) verzichtet werden muß. 
Das sind Gründe genug, um den Zug nach der 
wärmeren Ebene in den Bergbewohnern lebendig 
zu halten. Gefahren von den Massai und den 
Wahehe drohen jetzt auch nicht mehr, und so 
werden in nicht allzu langer Zeit auch die wenigen 
jetzt noch vorhandenen kleinen Siedelungen ver- 
schwinden. Die englischen Missionare sagen, es 
sei auffällig, wie schnell die Vorberge am Ponera= 
Berge, wo sie bis vor wenigen Jahren die 
Missionsstation Itumba unterhalten haben, ent- 
völkert seien. Die meisten Eingeborenen seien 
seit zehn Jahren an den Fuß des Gebirges ge- 
zogen. Aber auch ganz abgesehen von diesem 
Vorlande stehen heute schon etwa 40 000 ha 
Grasland südlich der Hauptgebirgskette zur Ver- 
fügung. 
Ich halte das Land für eine durch europäische 
Ansiedler betriebene Viehzucht für wohl geeignet. 
Empfehlenswert scheint mir ein Versuch mit 
Merinoschafen zu sein, nicht aber in der Art der 
Kreuzung mit einheimischen Schafen, sondern eine 
Züchtung nur in der reinen Rasse zum Zwecke 
der Wollerzeugung. 
Ganz ähnliche Hochländer mit nahezu gleichen 
Wasserverhältnissen, Temperaturen und Graswuchs 
bietet auch das Wotagebirge südlich von Mpapua 
und vielleicht auch das Usagaragebirge am 
Rowuma-Fluß, dem Grenzfluß gegen Kilossa." 
Wenn somit die natürlichen Bedingungen 
diese Hochländer für europäische Viehzüchter wohl 
geeignet erscheinen lassen, so hängt doch der Er- 
folg der Viehzucht davon ab, daß der Ansiedler 
genügendes Kapital mitbringt, um sich das not- 
wendige Zuchtmaterial zu beschaffen und sich selbst 
so lange unterhalten zu können, bis er, in etwa 
zwei bis drei Jahren, vom Ertrag seiner Vieh- 
zucht leben kann. 
70 
Kamerun. 
Eine Sxpedition gegen die Raka.“) 
(Mit einer Kartenskizze.) 
Im März 1908 brach ich von Ntem aus 
mit zehn Soldaten in nördlicher Richtung zur 
  
*) Aus einem Berichte des Oberleutnants Werner.
	        
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