Metadata : Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach auf das Jahr 1844. (28)

317.  1611  145

317.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  an  den  von  Brandenburg.  August12

Ich  bedaure,  dass  E.  L.  diesmal  nicht  kommen  können!,  und
wünsche  Derselben  zu  Dero  preussischen  Reise  allesGlück,  obgleich  Sie
auf  dem  Kurfürstentag,  dem  Reich  und  sich  selbst  zum  Besten,  viel
mehr  hätten  ausrichten  können;  es  würde  E.  L,  auch  in  Preussen
besseres  Glück  gegeben  haben  und  hätten  wir  alle  dazu  geholfen,
Der  Fürstentag  wird  damit  auch  verschoben  „und  ehe  so  das  glid
in  der  ketten,  die  uns  feste  halten  solln,  beides  als  kurfürsten  sowol
auch  als  fürsten,  der  erbvereinigung  nicht  ganz  ist,  so  ziret  sie  den
mann  nicht,  den  man  sie  anhenget.“  Ich  will  mich  auf  E.  L.
Begehren  Dero  Landen  und  Leuten  gern  annehmen  uud  wessen  ich
sonst  E.  L.,  gemeinem  Wesen  und  dem  Reich  zum  Besten,  erinnern
kann,  das  will  ich  nicht  unterlassen.  „Allein  bitte  ich,  E.L.  wollens  nicht
ubel  vermerken,  auch  folgen,  wann  Sie  es  guet  werden  befinden  und
nicht  alleine  uf  den  anfang  sehen  sondern  auch  ufs  mittel  und  enden.
Ich  mus  furwar  Dier  vollendes  mein  herz  eröffnen:  die  preussische
reise,  deuchtet  mich,  sei  nicht  allerdings  Dier  gar  zum  besten  angesehen,
sintenmalen  wann  ich  betrachte  Deine  selbst  eigene  schreiben,  dorinnen
Du  mier  andeutest,  wie  herzlich  gern  Du  die  reichssachen  gefördert
sehest  und  es  nun  soweit  kommen,  dass  das  churfurstlich  collegium
ergenzet  mit  pfalzgrave  Hansen  als  dem  vormunden  der  Pfaltz,  es
auch  im  reich  erschollen  und  Du  Dich  heftig  in  der  sache  bemuhet
hast.  So  ziehest  Du  nun  darvon  und  lessest  es  an  Dier  mangeln;  —
in  summa  es  seind  leute,  die  Dich  und  mich  nicht  gern  oft  beisammen
sehen;?  denn  ich  weiss,  dass  Dein  herze  sich  ganz  krenket,  dass
Du  Deiner  zusage  nach  wieder  Deinen  willen  nicht  kanst  hero
kommen.  Es  hat  auch  schier  das  ansehen  bei  mier,  als  wolte  man
die  gülichische  sache  dardurch  verziehen  und  uf  die  lange  bank
spielen;  so  wurde  auch  leichtlich  allerlei  ungelegenheit  wieder  daraus
erfolgen.  Ich  bitte  Dich  umb  Gottes  willen,  sihe  Dich  wol  fur  und
verzeihe  miern,  dass  ich  mich  so  viel  understehe,  bei  Dier  zu  erinnern.
Dass  Du  wilt  alle  Deine  und  so  grosse  wichtige  und  schwere  sachen
uf  einmal  richtig  machen  oder  zugleich  treiben,  ist  fast  unmüglich:
in  Preussen,  in  Gülich  und  kriegest,  do  Gott  nicht  andere  mittel
dreinschicket,  dass  das  braunschweigische  wesen  solte  fortgehen,
auch  wieder  kriegsvolk  uf  die  seiten  und  hast  Deine  sachen  am
kaiserlichen  hofe  noch  nicht  richtis,  sowohl  auch  die  böhmische  lehen
vom  könige  auch  noch  nicht.  Du  bist  nicht  mit  in  der  churfurstlichen
verein,  do  .Du  es  doch  gleichsamb  alles  itzo  in  händen  hast  und  were
nur  um  14ltag]  zu  thun,  dass  Du  ufn  churfurstentag  werest,  weil

!  Zu  den  Beisetzungsfeierlichkeiten:  vgl.  no.  307,  Anın.  5  auf  S.  734.

?  Vielleicht  ein  Stich  auf  die  Gemahlin  des  Kurfürsten  von  Brandenburg,
  die  schon  die  Zusammenkunft  der  beiden  Kurfürsten  zu  Jüterbo;sk  zu
hintertreiben  versucht  hatte  (vgl.  die  Korrespondenz  der  Kurfürstin  Anna
mit  dem  Grafen  Lynar  aus  dem  Februar  und  März  1611  in  Bamberg,  Jülicher
Successione-Acta,  III.,  2.;  passim;  Orr.  eighh.).