38 Die geognostischen Verhältnisse des ostbayer. Grenzgebirges.
oder Seitenschub die hochwelligen Falten in der Richtung des geringsten Widerstandes
seitlich umgelegt wurden und daß auf viese Weise unser Gebirge
nur nach einer Richtung geneigte Schichten aufzuweisen hat. Stellen wir uns
vor, daß ein solcher Seitenschub vom Innern Böhmens, von einer fast ununterbrochenen
Urgebirgsmasse aus, erfolgte und das Gestein dadurch westwärts
gedrängt wurde, so erhalten wir genau das Bild einer Gebirgsstruktur,
wie sie jetzt im bayerischen und Böhmerwalde herrscht. Aus dieser Annahme
erklärt sich dann auch hinlänglich das Fehlen einer Mittellinie oder einer
Centralachse der Erhebung, welche hier, wie bereits erwähnt, vermißt wird.
Ist nun auch durch die Zusammenfaltung der Urgebirgsfelsarten und ihr
seitliches Umlegen und nicht durch Kettenerhebung die Hauptconfiguration
des Gebirgs bedingt, so fehlt es doch nicht an Spuren späterer, die Faltenform
modifizirender Umänderungen. Vor Allem sind es gewisse Granite,
welche sich in kleineren und größeren Partieen zwischen den Gneißschichten
stock= und gangförmig eingekeilt, die Schichten stellenweise aufgeblättert,
bei Seite geschoben, verrückt und aus ihrer Richtung gebracht haben. Die
meisten der kleinen Schichtenstörungen und Verrückungen sind
diesem Eindringen von Gang= und Stockgraniten zuzuschreiben.
Aber auch im Großen wird die Wirkung solcher Eruptionsmassen nicht
verkannt werden können, wenn man die Unregelmäßigkeit der Schichtung
überblickt, welche der Krystallgranit bei Floß am Fahrenberge und bei Leuchtenberg
hervorgerufen hat. Auch begegnet man so vicelen O. — W. oder
N.— S. Linien innerhalb des Gebirgs, welche theils in Streichrichtungen,
öfters noch in Gesteinsgrenzen (Urgebirgsgrenze beim Tegernheimerkeller unfern
Regensburg, dann bei Wernberg und Luhe; Granitgrenze zwischen Vohenstrauß,
Neustadt und Bärnau, Südrand der Naabwondreb-Hochebene von
Tirschenreut bis Friedenfels), am häufigsten in der äußeren Gestaltung des
Bodens (Höhenzüge, Bergrücken) ausgeprägt sind. Sie müssen als Resultat
späterer Durchzuckungen der Erdrinde gedeutet werden. Am sichtbarsten treten
diese Erscheinungen am Urgebirgsrande, wo jüngere Sed imentgebilde
dem krystallinischen Schiefer angelagert sind, hervor. Diese ursprünglich mehr
oder weniger horizontalen Lagen erblicken wir nunmehr in meist steil geneigten
Schichten gleichsam unter das Urgebirge einschießend oder von demselben
wegfallend. Sie haben eine Verrückung erlitten, welche vom Urgebirge ausging,
und ihre Aufstauchung oder seitliche Ueberstürzung bewirkte.
So finden wir die Schichten der Steinkohlenformation bei Erbendorf unter
Winkeln von 50—75°% vom Urgebirgsrande abfallend, während die Schichten des
Roethliegenden bei Neustadt steil unter das Urgebirge untertauchen und jene bei
Irchenried und Michelsdorf unter flachen Winkeln vom Urgebirge weg sich neigen.
Doch auch die Schichten jüngerer Sedimente, des Keupers, des Lias, der
jurassischen Bildungen im Allgemeinen, ja selbst der Kreide, sind längs des
ganzen Randes, wo sie an's Urgebirge grenzen, meist steil aufgerichtet (Neu-