Full text : Bismarck und das päpstliche Rom.

festlich  begangen  werden.  Bei  der  Einladung  der  Majestäten
und  der  Regierungsbehörden  aber  wurde  der  Ministerpräsident
demonstrativ  ausgeschaltet.  Angeblich,  weil  gegen  ihn  Pöbelexzesse
  zu  befürchten  standen.  Der  Magistrat  lehnte  sogar,  mit
Bezugnahme  auf  den  Verfassungskonflikt,  die  Einladung  des
Dombauvereins  ab.  Indes  sollte  sich  erweisen,  daß  die  Kölner
diesmal  die  Rechnung  ohne  den  Wirt  gemacht  hatten.

Die  Majestäten  hatten  ihr  Erscheinen  zugesagt.  Schon
war,  wie  v.  Geissels  Biograph  zu  berichten  weiß,  ein  großartiger
Triumphbogen  aufgerichtet  und  hatte  Millionär  Oppenheim,  bei
dem  die  Majestäten  ein  Gabelfrühstück  einnehmen  sollten,  die
auserlesensten  Leckerbissen  in  Paris  bestellt,  als  aus  Baden-Baden,
  wo  der  König,  mit  Bismarck  zur  Seite,  weilte,  die  Trauerpost
  eintraf,  daß  Seine  Majestät,  wegen  dringender  Geschäfte,
am  14.  in  Berlin  sein  müsse  und  daher  der  Festlichkeit  am  15.
nicht  beiwohnen  könne.  Der  König  reiste  indes  über  Köln,
wo  er  am  13.  eintraf,  von  Behörden  und  Militär  festlich  empfangen
  wurde  und  sich  vom  Erzbischof  im  Dom  herumführen
ließ.  Seine  Majestät  gab  im  Bahnhof  ein  kleines  Bankett,  bei
dem  der  Erzbischof-Kardinal  ihm  zur  Rechten  saß,  hinterließ
1500  Taler,  damit  für  die  Dombau-Werkleute  ein  Festmahl
veranstaltet  werde,  und  fuhr  weiter  nach  Berlin!

Königin  Augusta  war  zwar  in  Baden  zurückgeblieben,
blieb  indes,  was  ihr  gewiß  besonders  schwer  angekommen  ist,
ebenfalls  dem  Feste  fern.  Doch  durfte  ihre  Palastdame  diesem
anwohnen.  Sie  ließ  sich  als  Repräsentantin  Ihrer  Majestät  vom
General  v.  Bonin  bis  an  das  Portal  des  Domes  und  dann  von
dem  Sekretär  des  Erzbischofs  auf  einen  erlesenen  Platz  führen,
in  der  Nähe  des  Altars,  den  eine  Stickerei  (die  heilige  Hedwig
darstellend)  von  der  eigenen  Hand  der  Königin  schmückte.

Bei  der  Entschließung  König  Wilhelms,  die  pomphafte
Kirchenfestlichkeit  so  resolut  zu  schneiden,  dürften  nicht  ausschließlich
  diese  politischen  Momente  bestimmend  eingewirkt
haben.  Die  Rolle,  die  Friedrich  Wilhelm  IV.,  als  König  und
Ketzer  in  einer  Person,  bei  der  Grundsteinlegung  gespielt  hatte,
war  gewiß  nicht  nach  dem  Geschmacke  seines  soviel  nüchterneren
Bruders.  König  Wilhelm  dürfte  auch  noch  in  Erinnerung  gehabt
haben,  eine  wie  mißliche  Figur  sein  Vater  gemacht  hatte,  da  er
zur  Zeit  des  Aachener  Kongresses  (1817)  zugleich  mit  Kaiser
Franz  den  Dom  Karls  des  Großen  betreten  hatte,  wobei  der