Full text: Deutsches Kolonialblatt. XX. Jahrgang, 1909. (20)

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Nähert man sich einer Copperwerft, so stößt 
man zunächst auf ganz kleine, niedrige, unter 
Büsche gebaute Pontoks. Hier wohnen die Busch- 
leute, die, der Hauptwerft um 10 bis 15 km 
vorgelagert, diese sichern sollen. Eine weitere 
Sicherung bilden die dauernd in der ganzen 
Kalahari zerstreuten Buschleute, die auf Jagd 
gehen und jede Spur sofort melden müssen. Wir 
werden uns später mit diesen zu befassen haben. 
Copper läßt diese Buschleute, über deren Auf- 
enthalt er genau Bescheid weiß, häufig revidieren. 
Die Hauptwerft liegt meist auf Höhen; auf 
der höchsten Spitze befindet sich der Pontok des 
Kapitäns; von hier aus kann man die ganze 
Werft, die gewöhnlich auf zwei oder drei Er- 
hebungen verteilt ist, übersehen. Auf der Kapitäns= 
höhe selbst sind nur noch einige Pontoks der 
Vertrautesten. 
An der dem Feinde zugekehrten Seite be- 
finden sich stets noch eine größere Anzahl Pontoks, 
in denen Orlogleute wohnen. Sämtliche Pontoks 
haben auf der gefährdetsten Seite Schutzwälle aus 
Sand. Außerdem sind häufig in der ganzen 
Werft Schützengräben mit Front nach allen Seiten 
verteilt. 
Der Kapitänspontok ist, weil größer und sorg- 
fältiger gebaut, sofort von den anderen zu unter- 
scheiden. Vor dem Pontok befindet sich ein 
laubenähnlicher Sonnenschutz. Diese Stelle und 
der innere Pontok sind mit Decken ausgelegt. 
An einer Seite des Pontoks ist im Innern eine 
Erhöhung für die notwendigsten Sachen, wie 
Tabak, Feuerzeug, Pfeife, Koppy, Honigbier und 
Rum. Das dauernd geladene Gewehr hat Copper 
stets bei sich. In einem kleinen Zwinger wohnen 
die jungen Hunde. Den Pontok bewohnt der 
Kapitän mit seiner Frau, einer Franzmann- 
Hottentottin, Ende der Zwanziger, recht wohl 
beleibt, mit den besten Kleidern angetan und mit 
Perlenschmuck überladen. Ihr schönster Schmuck 
war ein aus einem Gehörn geschnitztes Obst- 
messer, das sie zum Tsama-Essen benutzte. 
Dicht neben dem Pontok des Kapitäns befand 
sich ein anderer; dort wurde von der mit einer 
Herero-Bambusin gezeugten Tochter Coppers das 
Essen bereitet. 
So sah es bis zum 16. März 1908 aus. 
Seitdem sitzt Coppers Frau in sicherem Gewahrsam 
bei Windhuk, seine Tochter wurde während des 
Gefechtes erschossen. 
Kann Copper seine Werft aus Tsama-Mangel 
nicht zusammenhalten, dann teilt er sie im Feld 
in einzelne, je nach den Tsama-Verhältnissen näher 
oder weiter voneinander getreunte Werften. 
Die Lebensgewohnheiten der Franzmann- 
Hottentotten haben sich völlig geändert, seitdem 
Copper gezwungen ist, das Wasser zu meiden. 
  
Denn während früher nur einzelne Jäger auf 
einige Zeit von Tsamas leben mußten, ist heute 
der ganze Stamm dauernd darauf angewiesen. 
Copper selbst und einige seiner Großleute leben 
allerdings viel von Milch; durch Vernichtung des 
größten Teils seines Viehes bei Seatsub ist es 
hiermit aber auch knapp geworden. 
Die Jagd wird in der Hauptsache von den 
Buschleuten ausgeübt, die dann das Fleisch ab- 
liefern müssen. Der erwachsene Hottentott geht 
nur auf Jagd, wenn die Aussicht, ein Stück 
Großwild, vor allem einen Löwen, zu erlegen, 
die Anstreugungen belohnen wird. 
Der getreueste Gehilfe bei der Jagd ist der 
sog. Hottentotten= oder Kaffernköter, ein mitrel- 
hoher Hund mit mittellangem Leib und langer 
Schnauze. Die Farbe ist hellgelb, dunkel oder 
gestreift. Futter bekommt solch ein Hund nie;:; 
er ist daher auf das Stehlen angewiesen. Da er 
hierbei stets Prügel bekommt, wird er allmählich 
Menschen gegenüber äußerst feige und läuft mit 
eingezogenem Schwanz umher. Er ist aber 
außerordentlich wachsam und, wenn gut abgefühmn, 
auf der Jagd von unschätzbarem Werte. Er 
fängt jeden Schakal, jede Grau= und Zibetkatze, 
jeden Luchs; er stellt jeden Leoparden, jeden 
Gemsbockh, jedes Hartebeest und Wildebeest. Mehrere 
Hunde zusammen stellen auch Löwen und ermög- 
lichen dem Jäger, bis auf einige Schritt heran- 
zukommen. Die wirklich gut abgeführten Hunde 
sind daher sehr wertvoll und sollen teilweise pro 
Stück mit einem Ochsen bezahlt worden sein. 
Ein Beweis dafür ist auch, daß Betschuanen, 
denen Copper das Gefechtsfeld von Seatsub ge- 
zeigt hatte, hauptsächlich über den Verluft so 
vieler wertvoller Hunde sprachen. 
Die Hottentotten, wenigstens die der hiefigen 
Gegend, essen — entgegen der Ansicht namhafter 
Forscher — das Fleisch des sämtlichen Raubzeugs, 
wie Schakal (Geirab), Hyäne (Hiras), Löwe (Ghamin: 
der Leopard (Garub) gilt sogar als besonderer 
Leckerbissen. Schlangen hingegen verschmähen die 
Eingeborenen selbst bei größtem Hunger. 
Die Kalahari bietet überreichliche Feldkost, die 
einzeln zu schildern, hier zu weit führen würde. 
Erwähnt sei nur das am meisten in Betracht 
kommende Gewächs, die Tsama. Diese gibt fan 
das ganze Jahr hindurch reichlich Wasser.“) 
Ist Copper auf Tsamas angewiesen, so läßt 
er durch Buschleute große Tsamafelder, die häußg 
viele Kilometer lang sind, erkunden. Bis zu seinem 
Eintreffen müssen die Buschleute aufpassen, daß 
das Wild nicht in die Felder geht. Denn da 
das Großwild die Tsamas nur anfrißt und dann 
liegen läßt, richtet es großen Schaden an. 
  
*) Vgl. „D. Kol. Bl.- 1908, S. 919 ff.
	        
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