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Nähert man sich einer Copperwerft, so stößt
man zunächst auf ganz kleine, niedrige, unter
Büsche gebaute Pontoks. Hier wohnen die Busch-
leute, die, der Hauptwerft um 10 bis 15 km
vorgelagert, diese sichern sollen. Eine weitere
Sicherung bilden die dauernd in der ganzen
Kalahari zerstreuten Buschleute, die auf Jagd
gehen und jede Spur sofort melden müssen. Wir
werden uns später mit diesen zu befassen haben.
Copper läßt diese Buschleute, über deren Auf-
enthalt er genau Bescheid weiß, häufig revidieren.
Die Hauptwerft liegt meist auf Höhen; auf
der höchsten Spitze befindet sich der Pontok des
Kapitäns; von hier aus kann man die ganze
Werft, die gewöhnlich auf zwei oder drei Er-
hebungen verteilt ist, übersehen. Auf der Kapitäns=
höhe selbst sind nur noch einige Pontoks der
Vertrautesten.
An der dem Feinde zugekehrten Seite be-
finden sich stets noch eine größere Anzahl Pontoks,
in denen Orlogleute wohnen. Sämtliche Pontoks
haben auf der gefährdetsten Seite Schutzwälle aus
Sand. Außerdem sind häufig in der ganzen
Werft Schützengräben mit Front nach allen Seiten
verteilt.
Der Kapitänspontok ist, weil größer und sorg-
fältiger gebaut, sofort von den anderen zu unter-
scheiden. Vor dem Pontok befindet sich ein
laubenähnlicher Sonnenschutz. Diese Stelle und
der innere Pontok sind mit Decken ausgelegt.
An einer Seite des Pontoks ist im Innern eine
Erhöhung für die notwendigsten Sachen, wie
Tabak, Feuerzeug, Pfeife, Koppy, Honigbier und
Rum. Das dauernd geladene Gewehr hat Copper
stets bei sich. In einem kleinen Zwinger wohnen
die jungen Hunde. Den Pontok bewohnt der
Kapitän mit seiner Frau, einer Franzmann-
Hottentottin, Ende der Zwanziger, recht wohl
beleibt, mit den besten Kleidern angetan und mit
Perlenschmuck überladen. Ihr schönster Schmuck
war ein aus einem Gehörn geschnitztes Obst-
messer, das sie zum Tsama-Essen benutzte.
Dicht neben dem Pontok des Kapitäns befand
sich ein anderer; dort wurde von der mit einer
Herero-Bambusin gezeugten Tochter Coppers das
Essen bereitet.
So sah es bis zum 16. März 1908 aus.
Seitdem sitzt Coppers Frau in sicherem Gewahrsam
bei Windhuk, seine Tochter wurde während des
Gefechtes erschossen.
Kann Copper seine Werft aus Tsama-Mangel
nicht zusammenhalten, dann teilt er sie im Feld
in einzelne, je nach den Tsama-Verhältnissen näher
oder weiter voneinander getreunte Werften.
Die Lebensgewohnheiten der Franzmann-
Hottentotten haben sich völlig geändert, seitdem
Copper gezwungen ist, das Wasser zu meiden.
Denn während früher nur einzelne Jäger auf
einige Zeit von Tsamas leben mußten, ist heute
der ganze Stamm dauernd darauf angewiesen.
Copper selbst und einige seiner Großleute leben
allerdings viel von Milch; durch Vernichtung des
größten Teils seines Viehes bei Seatsub ist es
hiermit aber auch knapp geworden.
Die Jagd wird in der Hauptsache von den
Buschleuten ausgeübt, die dann das Fleisch ab-
liefern müssen. Der erwachsene Hottentott geht
nur auf Jagd, wenn die Aussicht, ein Stück
Großwild, vor allem einen Löwen, zu erlegen,
die Anstreugungen belohnen wird.
Der getreueste Gehilfe bei der Jagd ist der
sog. Hottentotten= oder Kaffernköter, ein mitrel-
hoher Hund mit mittellangem Leib und langer
Schnauze. Die Farbe ist hellgelb, dunkel oder
gestreift. Futter bekommt solch ein Hund nie;:;
er ist daher auf das Stehlen angewiesen. Da er
hierbei stets Prügel bekommt, wird er allmählich
Menschen gegenüber äußerst feige und läuft mit
eingezogenem Schwanz umher. Er ist aber
außerordentlich wachsam und, wenn gut abgefühmn,
auf der Jagd von unschätzbarem Werte. Er
fängt jeden Schakal, jede Grau= und Zibetkatze,
jeden Luchs; er stellt jeden Leoparden, jeden
Gemsbockh, jedes Hartebeest und Wildebeest. Mehrere
Hunde zusammen stellen auch Löwen und ermög-
lichen dem Jäger, bis auf einige Schritt heran-
zukommen. Die wirklich gut abgeführten Hunde
sind daher sehr wertvoll und sollen teilweise pro
Stück mit einem Ochsen bezahlt worden sein.
Ein Beweis dafür ist auch, daß Betschuanen,
denen Copper das Gefechtsfeld von Seatsub ge-
zeigt hatte, hauptsächlich über den Verluft so
vieler wertvoller Hunde sprachen.
Die Hottentotten, wenigstens die der hiefigen
Gegend, essen — entgegen der Ansicht namhafter
Forscher — das Fleisch des sämtlichen Raubzeugs,
wie Schakal (Geirab), Hyäne (Hiras), Löwe (Ghamin:
der Leopard (Garub) gilt sogar als besonderer
Leckerbissen. Schlangen hingegen verschmähen die
Eingeborenen selbst bei größtem Hunger.
Die Kalahari bietet überreichliche Feldkost, die
einzeln zu schildern, hier zu weit führen würde.
Erwähnt sei nur das am meisten in Betracht
kommende Gewächs, die Tsama. Diese gibt fan
das ganze Jahr hindurch reichlich Wasser.“)
Ist Copper auf Tsamas angewiesen, so läßt
er durch Buschleute große Tsamafelder, die häußg
viele Kilometer lang sind, erkunden. Bis zu seinem
Eintreffen müssen die Buschleute aufpassen, daß
das Wild nicht in die Felder geht. Denn da
das Großwild die Tsamas nur anfrißt und dann
liegen läßt, richtet es großen Schaden an.
*) Vgl. „D. Kol. Bl.- 1908, S. 919 ff.