Contents : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

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einer  kunst  (Wieland  Sylv.  5,  11.  Danischm.  12)  anleiten;
  einen  zum  studiren  anfüren  Stieler:  ironisch
einen  anfuhren,  schlecht  leiten,  täuschen,  betrügen:  seine
glaubiger  anfuren  Stieler;  sie  bat  mich  angefuhrt,
dir  wird  sies  auch  so  machen  Goethe  Faust  1:  worte,
beweise  anfuhren,  vorbringen:  es  wurde  zu  weitlünfg
sein,  sie  (Rlagepunkte)  hier  unzufuhren  Schiller  9,19;
einige  unrichtige  thatsachen  widerlegen,  die  angeführt
  wurden  Bismarck  Reden  2,  92.—  Anführer,  m.
der  anführt,  an  der  Spitze  steht:  ihr  (der  Räuber)  antührer
  Schiller  2,  355;  die  anführerin  desselben
(Tanzes)  1,  206.  —  Anführung,  k.  Handlung  des  Anführens,
  Leitens:  das  volk  unter  antührung  mehrerer
aufwiegler  drang  in  das  gefüngnis;  anführung  zur  gelehrsamkeit
  (Rabener);  anluhrung  (von  Worten,  Stellen,
  Belegen)  Stieler;  was  angeführt  wird:  manche
unfuhrungen  ans  jenem  schriftsteller.  —  Anführungszeichen,
  n.  Zeichen,  in  welche  eine  angeführte  Stelle  ein-Anführer

  —  angeben.

geschlossen  wird  (—").  —  aufüllen,  gänzlich  füllen,  ein

gefüsz  mit  wasser,  einen  sack  mit  korn,  eine  kiste  mit
büchern;  sich,  seinen  bauch  mit  essen  und  trinken:
seine  bücher  sind  mit  viel  weisheit  angefullt  Stieler;
etwas  gelesen,  ..  das  meinen  kopf  ganz  anfullt  Lessing,
11,  7417;  einen  ganzen  brief  mit  landwirthschastlichen
klagen  anznföllen  Bismarck  Brief  1845;  bald  wird.
sich  halb  anfullen  das  neulicht  (Mond  im  ersten  Viertel
sein)  Voß  Luise  3,  2,  55;  von  Personen:  die  amnestie
des  königs  hat  die  armee  und  die  provinzen  mit  rechtlichen
  ränbern  angekullt  Seume  Spaz.  2,  70.  —  Anfurt,
  .  Ort  wo  Schiffe  anfahren,  Landungsplatz;  in  der
Bibel  auch  m.:  eines  unfurts  aber  wurden  sie  gewar,  der
hatte  ein  ufer  Ap.  Gesch.  27,  39,  neben  f.:  da  die  anfurt
ungelegen  war  zu  wintern  12;  nenuer  nicht  mehr  häufig:
fuhr  der  anfurth  zu  Bürger  Il.  1,  619;  aber  bisweilen
auch  für  Handlung  des  Anfahrens,  Angelangens:  die
anfurth  des  ehrentages  JPaul  Flegelj.  2,  11.
Augabe,  k.  was  angegeben  wird;  in  ältester  Bed.
(mhd.  ungaäbe)  Angeld;  nachher  Anzeige,  Auskunft,
Mitteilung,  angabe  eines  zeugen,  sachverständigen;
angabe  eines  verbrechens  bei  gericht;  nach  meinen
angaben  ist  das  kunstwerk  gefertigt;  ein  buch  ohne

angabe  des  druckortes  und  der  jahrzahl;  auch  Gabe  in

Anrechnung:  gegen  angabe  der  alten  uhr  und  drauf-Zahlung
  eine  neue  erhalten.  —  angaffen,  anhaltend  anschauen,
  in  der  alten  Spr.  edler  Ausdruck:  -  kapfen
an  daz  werde  wip  Walther  46,  20  (noch  Schiller
fühlte  das  Wort  so,  im  ältesten  Karl.  1,  2,  567,  wo  er

später  in  auzuschauen  änderte),  dann  aber  mit  dem

Beisinne  des  Einfältigen:  gaffen  sie  mit  aufgesperrtem
maul  an  3.  Esra  1,  19;  ich  hötte  den  ganzen  tag  da
stehen  und  sie  angaffen  können  Wieland  Sylv.  1,2;
das  empfndsame  angaffen  einer  herg-  oder  waldlandschaft
  Heyse  Par.  2,  154.  —  angängig,  angehend,
möglich:  wäre  es  daher  angängig,  die  nuchricht  zu
verdreiten  Preußen  i.  B.  1,  143.

Angeben,  1)  gebend  darbieten  oder  reichen,  als  Angeld
  oder  bei  Wertberechnung:  sein  haus  gegen  dus  eines
andern  angeben  und  eintauschen.  2)  einen,  als  Schuldigen
  melden:  dazu  bat  er  deinen  knecht  angegeben
fur  meinem  herrn  2.  Sam.  19,  27;  einen  als  mörder,
dieb  angeben,  bei  der  Obrigkeit.  3)  refl.  sich:  der
mörder  hat  sich  selbst  angegeben;  ohne  Bezug  auf
Obrigkeit:  weil  sie  sich  Mschlich  als  geliebte  Inpiters
angegeben  Goethe  46,  59;  früher  sich  zu  etwas  angeben
  für  eine  Stelle,  Geschäsft  oder  Beruf  melden:  es
gibt  sich  ein  käufer  an  Frisch;  giebt  .  ich  zum
husaren  an  Lessing  Sinng.  1,  122.  1)  etwas,  Angabe,
Meldung  machen,  vor  dem  Amte:  eindruch,  diebstabl:
seine  verluste  angeben;  er  hat  alles  bei  der  obrigkeit
angegeben  Stieler;  angeben  wie  viel  man  häuser  habe
Frisch;  außeramtlich,  als  Anordnung,  Plan,  Entwurs:
der  da  redt  usz  angebeu  des  uadvocaten  Keisersberg

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Mar.  Himelf.  265  spielt  sogar,  auf  sein  angeben,  die
rolle  einer  wahnwitzigen  Lessing  Dram.  73;  warum,
Wozu  das  ungeheure  rosz?  wer  gab  es  an7  Schiller
Zerst.  Trojas  25;  da  will  ich  unsere  neuen  sorten  (Georginen)
  vorzeigen  und  die  namen  angeben  Freytag
Journ.  1,  1;  angeben  wie  man  etwas  machen  soll;  als
Bericht,  Erzäblung:  die  art  seines  todes  wird  verschiedentlich
  angegeben  Lessiug  Leb.  des  Soph.;  der  daron
..  gab  zur  ursuche  an,  dasz  im  schlosse  alles  in  bewegung
  sei  Goethe  W.  Meister  3,  3:  hat  man  doch  ..
die  natur  durch  experimente  gezwungen,  ibre  schranken
  anzugeben  Schiller  Ränb.  2,1;  häufig  im  Part.:
auf  die  angegebene  weise  empfieng  er  die  nachricht;
wie  ich  schon  fruher  angegeben  habe;  als  bloßes  Vorgeben:
  er  gab  au,  er  habe  mich  nicht  gehört;  oberdeutsch
einem  etwas  angeben,  weiß  machen;  vgl.  auch  angeblich.
  5)  in  volksmäßiger  Rede  schnurren,  spe#ze  angeben,
  anfangen:  was  der  fur  dinge  angibt!  Schmeller;
es  ist  zum  todtlachen,  was  für  späsze  der  Till  angiebt
Immermann  Münchb.  1,  30.  6)  musikalisch  einen
ton,  die  tonart,  den  takt  angeben,  anordnend  für  die
Ausführung  eines  Stückes;  von  Justrumenten  aber:
das  clavier  gibt  keinen  ton  mehr  an,  bringt  keinen
hervor;  ohne  Obj.  die  flöte  gibt  nicht  au;  wenn  die
saiten  dieses  instrumentes  .  falsch  angeben  Schiller
1,  36;  auch  von  Anderem:  die  feder,  der  stift  gibt  nicht.
an,  macht  keinen  Strich.  7)  veraltet  wie  aufgeben:  eine
kunst  oder  handwerk  angeben,  recedere  ab  artisieio
Stieler,  er  hat  das  studiren  angegeben  ebd.;  nach
dem  sie  ihrer  eltern  aberglauben  angeben  Simpl.  4,  267;
jetzt  dafür  in  derber  Rede  dran  geben,  wohl  in  innerer
Beziehung  zu  oben  1.  8)  angeben  bei  Kartenspielern,
vgl.  dazu  abgeben  1.  —  Angeber,  m.  der  angibt,  kündet,
meldet:  der  heimlicher  rat  im  erkentnis  gottes,  und
ein  angeber  seiner  werk  Weish.  Sal.  8,4;  angeber  eines

Angeber  —  Angedenken.

verbrechens;  der  den  Plan  macht:  er  war  der  angeber,

sein  bruder  der  ansführer  dieses  kunstwerks.  —  Angebinde,
  n.  Geburtstagsgeschenk  (die  Gabe  ward  an  den
Hals  oder  Arm  gebunden):  was  aber  soll  ich  dir  zum
angebinde  kanten?  Günther;  wohl  ziemen  dir  (Kind
eines  Dichters)  zum  angebind  sich  lieder  und  prophetsche
  worte  Uhland  Ged.  71.  vgl.  anbinden.  —
angeblich,  dem  Vorgeben  nach  (vgl.  angeden  4),  von
Frisch  als  neues  Wort  verzeichnet:  die  angeblichen
beweise  sind  nicht  vorhanden;  sein  angeblicher  vater;
angeblich  ist  er  verreist.  Bei  Kant  aber  wie  angebbar,
meldbar:  bestimmtes,  in  zahlen  angebliches  verhältnis.
—  angeboren,  durch  Geburt  gegeben,  gleichsam  an  einen
geboren,  daher  in  älterer  Spr.  mit  Acc.:  es  ist  sie  von
ir  muter  nit  angeboren  Fastn.  Sp.  43;  aber  auch  schon,
wie  jetzt,  mit  Dat.:  dem  lande  ist  untrinwe  angedorn
Freidank  159,  19;  der  geist  ist  ihm  ungeboren  Stieler;
angeborne  freiheit,  sunde  ebd.;  angebornes  recht  Wieland
  Idr.  2,  16;  die  allgemeinen  und  angebornen  regeln
des  verstandes  Kant  10,  136;  in  seinem  angebornen
wappen  Lichtwer  Fab.  1,  10.  Selten  als  gefühlte  Form
zu  einem  sonst  unbelegten  angebären:  die  sunde  wird
allen  menschen  angeboren  Stieler;  was  für  vorzuge
die  götter  euch  angeboren  haben  Goethe  Vögel.  —
Angebot,  n.  das  Anbieten  und  was  man  anbietet:  ein
angemessenes  angebot  machen,  thun,  empfangen,  annehmen;
  augebot  von  waren,  arbeitskräften;  mit  Gegensatz
  formelhaft:  unter  der  herrschaft  von  angebot  und
nachfrage  Lassalle  Antwortschr.  15.  Bei  Steigerungen
heißt  angebot  dasjenige,  welches  beginnt.  ·
Angedeihen,  n.  zu  teil  werden,  gewöhnlich  nur  in
Verbindung  mit  lassen:  aus  gnaden  angedeyhen  lassen
Frisch  als  Formel  vornehmer  Rede;  später  weniger
vormnehm:  den  schutz,  den  er  (Voltaire)  der  familie  Calas
angedeihen  liesz  Goethe  DuW.  12.  —  Augedenken,  #
wie  andenken,  mehr  in  feierlicher  oder  dichterischer  Rede:
in  angedenken  behulten,  seeligen  ungedenkens  Frisch;
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